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Penzberger Bauprojekt:Unerfreuliches Erbe

Layritzhalle: Kellerräume mit möglichen Altlasten entdeckt

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Die Layritzhalle prägt als Relikt früherer Bergwerks- und Industriezeiten das Stadtbild Penzbergs. 2016 ließ die Stadt im Vorfeld des Kaufs ein Gutachten zu möglichen Altlasten machen. Schließlich möchte man das 100 Meter lange, 30 Meter breite und 18 Meter hohe Gebäude einer neuen Nutzung zuführen. Die Untersuchung ergab, dass möglichst keine Erdarbeiten durchgeführt werden sollten, um nicht auf unliebsame Überbleibsel aus jenen alten Tagen zu stoßen, die heutzutage für teures Geld entsorgt werden müssten. Für eine Umnutzung ist allerdings eine Grundsanierung nötig, weshalb unter anderem die Fundamente der Halle untersucht wurden. Dabei stieß man auf Kellerräume, von denen bislang niemand etwas wusste und die leider nicht leer sind: Bauschutt, Ölwannen und anderes wurde gefunden. Ob und in welchem Ausmaß es sich um Altlasten handelt, werde untersucht, sagt Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) auf Nachfrage. "Mögliche Kosten sind noch gar kein Thema", betont er.

Vergangene Woche seien die zugemauerten Kellerräume entdeckt worden. Betonreste, anderer Schutt, womöglich Dämmmaterial sowie Fässer lagerten dort, erzählt der Bürgermeister. "Eines kann ich mit Sicherheit sagen: Es gibt keine Umweltbeeinflussung. Weder dringen irgendwelche Stoffe von den Räumen nach außen, noch von außen nach innen." Dies sei bereits geprüft worden. Nun gelte es zu prüfen, um was es sich bei den Hinterlassenschaften genau handle. Erst wenn diese Ergebnisse vorlägen, könne über Sanierungsmaßnahmen und deren Kosten gesprochen werden. "Vielleicht muss man gar nicht alles entsorgen. Wir wissen das derzeit nicht", sagt Korpan.

Die Kellerräume werden für die neue Nutzung der Layritzhalle nicht benötigt. Es könnte demnach ausreichend sein, diese zugemauert zu lassen. Generell wirke sich die neue Situation nicht auf den Bau des Biomasse-Heizwerks aus, das die Penzberger Stadtwerke in der Halle errichten möchten. "Das Heizwerk nimmt nur einen Teil der Innenfläche ein. Sollte es zu einer Altlastensanierung kommen, könnte die sogar parallel zu den anderen Bauarbeiten stattfinden."

Im November 2020 waren dem Stadtrat eine Machbarkeitsstudie für die Fernwärmezentrale vorgestellt worden. Damals bezifferte das beauftragte Ingenieurbüro die Kosten auf 8,2 Millionen Euro. Diese Summe müssen die Stadtwerke stemmen. Die Stadt Penzberg wiederum muss die Kosten für eine Grundsanierung des Gebäudes tragen, da ihr die Halle gehört. Sie wurden damals vom Bauamt auf 3,3 Millionen Euro geschätzt. On top kämen nun noch die Kosten für die Sanierung der Altlasten. Dem Vernehmen nach sollen sie sich auf ein paar Millionen Euro belaufen - was Bürgermeister Korpan verneint: "Das kann ich mir nicht vorstellen."

Ob das die letzte Überraschung war, die bei der Sanierung der Halle zutage getreten ist, ist die Frage. Ebenso, ob frühere Besitzer von den möglichen Altlasten beim Verkauf an die Stadt für 1,26 Millionen Euro gewusst haben und ob in den Gutachten, die im Rathaus liegen, nichts erwähnt wurde.

© SZ vom 11.06.2021
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