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Penzberger Bahnhofsareal:Denkmalpfleger verweigern Zustimmung

Bahnhofs-Areal

Der geplante Neubau gegenüber dem Bahnhof ist einigen Stadträten zu wuchtig.

(Foto: Stadt Penzberg)

Das Landesamt sieht die städtebauliche Wirkung des unter Schutz stehenden Gebäudes an der Philippstraße 35 durch das geplante Neubau-Projekt massiv beeinträchtigt

Von Alexandra Vecchiato

Seit Jahren wird über die Baupläne der MTB Wohn- und Gewerbebau von Johann Thierer in Penzberg gestritten. Es geht um den großen Komplex an der Ecke Bahnhof- und Philippstraße. Der Baulöwe aus Günzburg möchte ein Wohn- und Geschäftshaus errichten. Ein neues modernes Entree - vielen in der Stadt ist dieses jedoch zu modern und zu wuchtig. Der Penzberger Denkmalverein kritisiert die Pläne seit Langem. Nun erhält er Schützenhilfe vom Landesamt für Denkmalpflege in München.

Der Neubau gegenüber dem Bahnhof ist als Pendant zu dem Wohn- und Geschäftszentrum an der Ecke Bahnhofstraße/Sigmundstraße anzusehen, das von Thierer als "Penzbergs neue Mitte" angepriesen und vermarktet wurde. Während der Komplex gegenüber der Christkönigkirche mit Leben erfüllt ist, herrscht am anderen Ende der Bahnhofstraße seit etwa fünf Jahren Brache. Das Vorhaben des Günzburger Baulöwen umfasst nicht nur das freie Eckgrundstück, sondern auch jenes Areal daneben mit einem leer stehenden, kleinen Wohnhaus (Philippstraße 37). Der aktuelle Entwurf sieht vor, auf beiden Grundstücken ein durchgehendes Gebäude mit vier Geschossen zu errichten. Die oberste Etage ist ein zurückgesetztes Staffelgeschoss.

Neben der Wuchtigkeit und den Problemen, die erforderlichen Stellplätze nachzuweisen, war ein weiterer Knackpunkt die Nähe zum denkmalgeschützten Haus an der Philippstraße 35, einer früheren Gaststätte mit Biergarten. Heute befindet sich darin eine Praxis für Kinder und Jugendliche. Schon im November 2019 empfahl der Bauausschuss des Stadtrats, das Staffelgeschoss auf der Seite zum Denkmal hin zu verkürzen. Kürzlich beschäftigte sich das Gremium erneut mit den Plänen. Weil auch das bayerische Landesamt für Denkmalpflege die Nähe von Alt und Neu als problematisch bewertet, sah sich das städtische Bauamt genötigt, die Stellungnahme der Denkmalschützer aus München vorzulegen, ehe der Bebauungsplan "Altstadtsanierung" erneut Thema im Stadtrat ist. Der Bebauungsplan muss für Thierers Projekt nämlich geändert werden.

Auch einen Ortstermin hat es gegeben. Das Bauamt hatte für die Sitzung die Kritikpunkte des Landesdenkmalamtes, des örtlichen Denkmalpflegevereins und dreier Penzberger Bürger zusammengestellt. Fazit der Stellungnahmen: Der Neubau komme dem ehemaligen, denkmalgeschützten Gasthaus zu nahe und beeinträchtige dessen städtebauliche Wirkung mit seiner Höhe und Dachform (begrüntes Flachdach). Das Münchner Amt ging in seiner Bewertung sogar soweit, eine Zustimmung zu dem Neubau zu verweigern. Die neue Bebauung solle deutlich mehr Abstand zum Denkmal halten, als es die bayerische Bauordnung vorsieht, heißt es weiter. Ferner, so der Vorschlag der Kritiker, solle der neue Komplex in drei Baukörper mit Satteldach ausgeführt werden. Ebenso sei es bedauerlich, dass das Wohnhaus Philippstraße 37 abgerissen werde, auch wenn es nicht unter Denkmalschutz stehe.

Seit Jahren geht an der Ecke Bahnhofs-/Philippstraße nichts voran.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Bedenken blieben im Bauausschuss nicht ungehört. Einig sei man sich, dass an dieser Stelle etwas Modernes entstehen solle, sagte etwa Sebastian Fügener (Grüne). Aber dem Denkmal müsse ebenfalls eine "gewisse Wertung" entgegengebracht werden. Eine neueinhalb Meter hohe Wand direkt daneben sei zu wuchtig. Jack Eberl (Freie Lokalpolitik Penzberg) sprach sich für eine Staffelung des Neubaus aus. Man müsse "irgendeine Mischung" finden, weil seit Jahren nichts vorangehe. Das Haus Nummer 37 zu erhalten oder zumindest zwischen Neubau und denkmalgeschützter Gaststätte etwas Filigranes zu realisieren, dafür sprach sich Martin Janner (Bürger für Penzberg) aus. Über Bebauungspläne könne die Architektur nicht bestimmt werden, erwiderte Stadtbaumeister Justus Klement. Man könne die Bauherren lediglich darauf hinweisen, etwas ordentlich zu machen. "Mehr geht nicht."

Den Penzberger Stadträten indes war nicht wohl angesichts solch harscher Kritik. Die Mehrheit sprach sich dafür aus, die Grenze des Thierer Komplexes deutlich vom denkmalgeschützten Nachbarhaus abzurücken - und zwar um vier Meter. Außerdem empfahl der Ausschuss, das Staffelgeschoss weiter einzurücken und mit einer transparenten Brüstung auszustatten. Diesen Vorschlag machte Hardi Lenk (SPD). Dafür bleibt es bei einem begrünten Flachdach und den vier Etagen. Allein Eberl stimmte dagegen aus Sorge, der Bauherr könnte es sich anders überlegen. Als nächstes muss der Stadtrat über den Bebauungsplan befinden.

© SZ vom 27.07.2020

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