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Penzberg:Ausgezapft

Volksfest Penzberg Elke Zehetner

Beim Anzapfen auf dem Penzberger Volksfest ist schon 2017 nicht alles glattgegangen - heuer jedoch gibt es richtig Ärger.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der Penzberger Volksfestwirt Christian Fahrenschon wehrt sich gegen die verkürzten Öffnungszeiten im Bierzelt auf der Berghalde. Das Verwaltungsgericht soll nun klären, ob der Vertrag mit der Stadt rechtens ist.

Der Streit über die Sperrzeiten beim Penzberger Volksfest geht in die nächste Runde. Festwirt Christian Fahrenschon lässt die "Vertragsmodalitäten" zwischen ihm und der Stadt gerichtlich überprüfen. Er hat einen entsprechenden Eilantrag gestellt. In dem Vertrag werden ihm lediglich an zwei Tagen längere Öffnungszeiten bis 1 Uhr nachts gewährt. Der Stadtrat hatte im November 2018 aber mehrheitlich beschlossen, dass an vier Tagen (jeweils freitags und samstags) die längere Schankzeit gelten soll. Die Verwaltung hat den Beschluss nicht vollzogen. Die Sicherheitsbedenken der Penzberger Polizei gaben den Ausschlag.

Christian Fahrenschon ist enttäuscht. Seit Jahrzehnten betreibt seine Familie das Festzelt auf der Berghalde. Inzwischen hat der Wirt auch die Organisation der Schausteller und Fahrgeschäfte übernommen. Doch seit dem Ärger 2018 ringt er mit sich, ob er nicht doch noch hinschmeißen solle. "Dieses Jahr ist zum ersten Mal nicht die gesamte Familie dabei. Wie es 2020 weitergeht, weiß ich nicht", sagt Fahrenschon, der zudem Festwirt beim Geretsrieder Waldsommer ist.

Vergangenes Jahr wurden auf Intervention der Penzberger Polizei die Sperrzeiten geändert. Früher war das Bierzelt an allen Tagen bis 1.30 Uhr geöffnet. Weil die Einsätze der Inspektion seit einigen Jahren zunehmen, vor allem nach 23 Uhr, und es an Personal fehlt, sah sich Polizeichef Jan Pfeil zum Durchgreifen gezwungen. Es geht auch um die Sicherheit außerhalb des Festzelts. Dort kann keine private Security eingesetzt werden. Vergangenes Jahr musste daher - bis auf drei Ausnahmen - um 24 Uhr Schluss sein. Weil der Festwirt dagegen verstieß, als die Stadt- und Bergknappenkapelle noch Zugaben spielte, musste Fahrenschon 1000 Euro Ordnungsgeld zahlen. An zwei Abenden hatte er das Zelt 40 Minuten zu spät geräumt. Eine Anzeige folgte. Er kündigte im Zuge der Auseinandersetzung seinen Vertrag zum Ende des Jahres 2018, um mit der Stadt für 2019 die Auflagen neu zu verhandeln.

Die Verwaltung legte dem Stadtrat daraufhin einen Kompromiss vor, den auch die Polizei bereit war mitzutragen. An zwei Tagen darf das Festzelt bis 1 Uhr geöffnet bleiben, lautete der Vorschlag. Der Stadtrat war dagegen und beschloss, dass wenigstens an vier Tagen verteilt auf die beiden Volksfest-Wochenenden längere Zeiten gelten sollten - zumal es sich um das Volksfest im Penzberger Jubiläumsjahr handelt. Dieser besondere Anlass sei allein der Grund für ihn gewesen, doch noch einen Vertrag für 2019 zu unterzeichnen, betont Fahrenschon. "Aus Freundschaft."

Doch im Vertrag und im Auflagenbescheid, der ihm erst vor 14 Tagen zugegangen sei, seien nur zwei längere Öffnungen vorgesehen, so der Wirt. Nun muss das Verwaltungsgericht in München entscheiden. Die Zeit drängt. Das Volksfest beginnt am Freitag, 30. August.

Die Stadt Penzberg sei aufgefordert, eine Stellungnahme bei Gericht abzugeben, sagt dazu Ordnungsamtschef Peter Holzmann. Das Landratsamt Weilheim-Schongau habe der Stadt im Dezember 2018 bestätigt, wegen der Bedenken der Polizei den Stadtratsbeschluss nicht zu vollziehen. Das Landratsamt als Sicherheitsbehörde weist indes darauf hin, dass die Stadt allein die gaststättenrechtliche und die sicherheitsrechtliche Genehmigungen für das Festzelt erteilt - nicht die Kreisbehörde. Die Verwaltung, also Holzmann, habe von sich aus in Weilheim um Rat gefragt, wie die negative Stellungnahme der Polizei zu bewerten sei. Da das Landratsamt die Fragen zur Sicherheit nicht abschließend klären kann, sei der Stadt empfohlen worden, auf Nummer sicher zu gehen - ein unverbindlicher Rat, aber keine bindende Weisung, heißt es.

Auswirkungen haben die Querelen bereits. Die Betreiber der Fahrgeschäfte seien vertragsbrüchig, erzählt der Wirt. "Weil Penzberg jetzt einen schlechten Ruf hat." Er habe in den vergangenen drei Wochen viel telefoniert, um Gefallen einzufordern. "Wir kriegen einen kleinen Vergnügungspark. Die Hoffnung stirbt zuletzt."