Seit 2013 richtet die Wirtsfamilie Fahrenschon das Penzberger Volksfest aus. Die lange Zusammenarbeit hat nun ein Ende. Wie Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) der SZ bestätigte, soll 2023 Holger Regler aus Eichstätt das Bierzelt auf der Berghalde betreiben. Der 49-Jährige war bereits dieses Jahr kurzfristig für die Fahrenschons eingesprungen, nachdem Chef Christian Fahrenschon das Fest in Penzberg wegen Personalmangels abgesagt hatte. "Ich freue mich auf eine langjährige Zusammenarbeit", sagt Korpan. Fahrenschon indes betont, er sei von der Stadt enttäuscht, zumal er auf seine Bewerbung für das Volksfest 2023 keine Antwort erhalten habe. Dass Regler sein Nachfolger sein soll, habe er vernommen. Offiziell sei ihm die Entscheidung aus Penzberg nicht mitgeteilt worden. Das wiederum bestreitet Korpan.
Es gab immer wieder Dissonanzen zwischen dem Festwirt und der Stadt Penzberg. Die kurzfristige Absage einige Wochen vor Volksfestbeginn in diesem Jahr scheint das i-Tüpfelchen gewesen zu sein. Korpan machte die Organisation des Volksfestes zur Chefsache. Mit Holger Regler fand er einen Festwirt, der binnen drei Wochen das Event organisierte. Zwar gab es einige Kritik am Ablauf. "Aber für die kurze Vorbereitungszeit lief alles richtig gut", ist Korpan voll des Lobes. Nach Rücksprache mit einer Juristin habe er sich entschieden, das Volksfest im kommenden Jahr wieder in Reglers Hände zu geben, sagt der Bürgermeister. Die Kritik nahm Regler ernst. Damit das Penzberger Volksfest "sauber" abläuft, wie der Eichstätter es nennt, hat er investiert: Es wird 2023 mehr Hendlgrills geben und mehr Personal. "Dass letztes Mal vier Köche nicht gekommen sind, war nicht gut. Aber mit der längeren Planungszeit kann ich mich um mehr Personal rechtzeitig kümmern", sagt der 49-Jährige. Um fast 20 Personen möchte er das Personal aufstocken.

Richtig an die Arbeit macht sich Regler von Januar an. Momentan ist er noch mit seinem Stand auf dem Münchner Weihnachtsmarkt. An Ideen, was alles noch besser werden soll, fehlt es nicht. Als Bands möchte er erneut die Blechblosn, Manyana und Dreisam verpflichten. "Ich habe viele Band angeschrieben. Ich möchte, dass die Leute eine Gaudi haben in Penzberg und feiern können." Das Festzelt soll um fünf bis zehn Meter größer sein, die Küche wird umgebaut. Es gibt einen neuen Toilettenwagen. Mit den Schaustellern plant Regler zudem weitere Gespräche. "Ich möchte ein zweites Karussell auf der Berghalde." Wie der Barbetrieb ablaufen solle, sei noch nicht ganz geklärt. Vielleicht werde es ein eigenes Zelt geben, um die Vorgaben des Jugendschutzgesetzes besser einhalten zu können. "Eventuell wird die Bar mit einem eigenen Weißbiergarten kombiniert. Aber das ist noch alles offen." Ein eigener Bereich, in dem Schnaps und andere alkoholische Getränke ausgeschenkt würden, ließe sich von der Security besser überwachen, sagt Regler. Mit dabei ist die Augustiner-Brauerei. Größere Sorgen bereiten dem Festwirt die Energiepreise und steigenden Kosten. 9,60 Euro hat die Mass Bier gekostet. In Garmisch seien es 12,80 Euro gewesen. "Da will ich auf keinen Fall hin. Ich arbeite daran, dass es allenfalls 10,60 Euro werden. Hoffentlich gelingt das, sonst wird es für die Leute unfreundlich."

Fahrenschon indes hofft, dass sich das Blatt noch wendet. Am 12. Dezember hatte er seine formelle Bewerbung für das Volksfest 2023 in Penzberg ans Rathaus gemailt. Auf diese hat Korpan mit einer Absage reagiert, die Fahrenschon allerdings nicht bekommen haben will. Er beklagt, dass man nicht mit ihm gesprochen habe. Auch der Markt Murnau hat sich von den Fahrenschons als Volksfestwirte getrennt. Die Gemeinde hatte die Organisation des Festes für 2023 offiziell ausgeschrieben, Regler erhielt den Zuschlag. Allerdings ist noch unklar, ob es dabei bleibt. Fahrenschon hat von der Gemeinde eine Einsicht in das Ausschreibungsergebnis gefordert, um dieses auf seine Rechtmäßigkeit zu überprüfen. Regler sagt: "Ich hätte schon Lust, auch Murnau zu machen. Die Bands und alles würden auch dort mitgehen."
Treu bleibt den Wirtsleuten Fahrenschon - laut dem Seniorchef haben seine Kinder Maximilian und Anna-Maria Teile des Betriebs übernommen - die Stadt Geretsried. Wie Pressesprecher Thomas Loibl auf Nachfrage sagte, habe die Kommune ein bestehendes Vertragsverhältnis mit Fahrenschon. "Ich kann definitiv bestätigen, dass es bei den Wirten für das Geretsrieder Waldfest 2023 bleibt."

