Es ist schon des Öfteren angeklungen, seit der Immobilienentwickler „Bayernwohnen“ seine Pläne für die Gebäude an Bahnhof- und Friedrich-Ebert-Straße bekanntgab: Der Verein für Denkmalpflege und Penzberger Stadtgeschichte möchte noch im November mit dem Sammeln von Unterschriften für ein Bürgerbegehren beginnen. Ziel ist ein Bürgerentscheid, der nicht nur das historische Menagehaus in Penzbergs Innenstadt retten soll. Im Fokus steht ferner weitere alte Bausubstanz wie der frühere Gasthof Bayerischer Hof (heute ein indisches Lokal) und die Bäckerei Ahammer.

Die Bürgerinitiative (BI) mit dem Namen „Für den Erhalt der Menagehaus-Zeile“ wird vertreten durch Max Kapfer, Günther Pfannkuch und Erich Sczepanski. Zum engeren Kreis gehören ferner Bärbel Bierling und Waltraud Krähe. Bei einem Pressegespräch informierten Kapfer, Bierling und Pfannkuch über ihre Motivation, ein Bürgerbegehren zu starten. Und die ist schnell auf den Punkt gebracht: Da das Unternehmen „Bayernwohnen“ einen bis zu sechstöckigen, geschlossenen Gebäudekomplex mit zwei weiteren Wohnhäusern im Hinterhof des Areals plant, müssen alle bestehenden Gebäude weichen. Gegen diese massive Bebauung mit all ihren Auswirkungen für die Innenstadt – insbesondere als Präzedenzfall für weitere Bauvorhaben in der Zukunft – wehrt sich der Denkmalverein mit dem Bürgerbegehren. Das Projekt sei ein „monströses, gesichtsloses Bauwerk“, so Bierling. Der Stadtrat und das Bauamt zeigten in puncto historisches Stadtbild „kein oder fast kein Verständnis“. Auch moniert die BI, dass die versprochene Bürgerbeteiligung zum Thema „Innenstadtentwicklung“ nicht stattfinde. Die Stadt Penzberg hat eine sogenannte Planwerkstatt aus Kostengründen abgesagt. „Dann ergreifen halt wir die Initiative“, sagte Kapfer, „Was ist eine bessere und größere Bürgerbeteiligung als ein Bürgerbegehren?“
Die Penzberger Jugend soll sich engagieren
Weitere Mitstreiter, die sich mit den Zielen der BI identifizieren können, sind willkommen. Pfannkuch hofft darauf, dass sich auch junge Penzbergerinnen und Penzberger engagieren werden. Denn schließlich gehe es um die Zukunft und das Gesicht ihrer Stadt. Sowohl Jugendliche wie Ältere müssten sich in der Stadt wohlfühlen, erklärte Pfannkuch. Derzeit laufen die Vorbereitungen, denn noch im November möchte die BI ernst machen. 1570 Unterschriften von Wahlberechtigten muss sie mindestens sammeln, um einen Bürgerentscheid anstoßen zu können. Momentan lässt die Initiative die Fragestellung vom Verein „Mehr Demokratie“ prüfen. „Damit alles rechtlich wasserdicht ist“, betonte Bierling. Die vorläufige Frage lautet: „Sind Sie dafür, dass das Menagehaus und die noch erhaltenen historischen Gebäude in Penzbergs Innenstadt bestehen bleiben?“
Es gab bislang sieben Bürgerentscheide in Penzberg. Sechs wurden durch ein Bürgerbegehren initiiert, einer durch ein Ratsbegehren. Max Kapfer hatte das erste 2001 angestoßen für den Erhalt des früheren Gasthofs Staltacher Hof (gescheitert). 2008 gab es einen Bürgerentscheid gegen den Bau einer Tiefgarage unter dem Stadtplatz, der Erfolg hatte. Ebenso wie 2012, als eine Bürgerinitiative ein Biomasse-Kraftwerk im Industriepark Nonnenwald verhinderte. 2015 und 2018 sprachen sich die Penzberger und Penzbergerinnen gegen ein Hotel auf oder nahe Gut Hub aus. Ebenfalls 2018 müsste die Bevölkerung entscheiden, ob das alte Wellenbad saniert werden soll, was abgelehnt wurde; oder für den Neubau eines Schwimmbads (Ratsbegehren), wofür die Mehrheit votierte.

