Ein Abschied ist immer ein wenig mit Wehmut verbunden. Und manchmal fließen sogar Tränen. Es war eine emotionale Verabschiedung am Dienstag im Amtszimmer des Penzberger Bürgermeisters Stefan Korpan (CSU). Nach 38 Jahren geht Thomas "Tom" Sendl in den Ruhestand - offiziell erst im Februar 2023. In Penzberg gibt es wohl kaum einen, der den 65-Jährigen nicht kennt. Der Leiter der Abteilung 5 "Kommunikation, Kultur, Wirtschaft" gehörte sozusagen zum "Inventar" im Rathaus, wie Korpan es nannte. Und weil jemand, der so lange das Stadtgeschehen maßgeblich mitgestaltet hat, der Volks- und Stadtfeste organisierte, nicht sang- und klanglos scheiden soll, entboten seine Kollegen dem 65-Jährigen einen besonderen Gruß. Sie versammelten sich auf dem Stadtplatz und sangen zum Abschied "Weusd a Herz hast wia a Bergwerk" von Rainhard Fendrich.
Dieses Lied begleitet Sendl seit Jahren. Gemeinsam mit Michael Wiesner und Gerhard Prantl sang er den Song, dessen Text auf die Stadt Penzberg umgemünzt wurde, beim Fest der 74 Nationen im Jahr 2013 oder 2019 beim Festakt zu "100 Jahre Stadterhebung" - dieses Mal mit Markus Bocksberger, Wiesner und Roman Reis am Saxofon. Überhaupt spielte die Musik stets eine wichtige Rolle im Leben Sendls. Viele werden sich an die Auftritte mit seiner Band High Sierra erinnern. Angefangen hatte alles am 1. Januar 1984, als Sendl als Leiter des Jugendzentrums nach Penzberg kam. 1990 wechselte er ins Rathaus. 1999 übernahm er unter anderem die Stabsstelle für Öffentlichkeitsarbeit. 2011 wurde er Leiter der Abteilung "Medien, Kultur und Freizeit".

2016 dann die Zäsur. Unter Bürgermeisterin Elke Zehetner wurde die Abteilung aufgelöst, Sendl zum Sachgebietsleiter degradiert. In diese Zeit fällt die Organisation der 100-Jahr-Feier. Es sei damals eine schwierige Situation gewesen, erzählt Sendl. Seine Kollegin Iris Futterknecht habe "wahnsinnig viel abgefangen". Sichtlich bewegt spricht Sendl von einem "sehr versöhnlichen Abschluss" für ihn nach dieser Zeit. Nach Korpans Amtsantritt wurde die Verwaltungsreform seiner Vorgängerin rückgängig gemacht. Sendl war wieder Abteilungsleiter - zweieinhalb Jahre lang.
Gerne erinnert sich der 65-Jährige an die Zeit im Jugendzentrum. Seine Stelle sei die erste in der städtischen Jugendarbeit in der Region gewesen. Sendl blickte zurück auf Heavy-Metal-Sessions im Juze, die ihm lebhaft in Erinnerung geblieben sind, oder auf seine erste Berlin-Fahrt mit 48 Jugendlichen. "Ich habe in sechs Nächten vielleicht insgesamt zehn Stunden geschlafen." Auch die Stabsstelle für Pressearbeit sei damals ein Novum gewesen für ein Rathaus. "Heute gehört das dazu."
Sendl berichtete von einer E-Mail der Personalverwaltung, die ihn aufforderte, den "Offboarding-Prozess" nun anzugehen. Das heiße letztlich nichts anderes, so folgerte Sendl, als den eigenen Saustall im Büro aufzuräumen, vom PC private Dateien zu löschen und die vertrockneten Pflanzen im Biomüll zu entsorgen. Aber es heiße auch: "Aus einem Wir wird ein Euch; aus einem Uns wird ein Sie." Er freue sich jedenfalls auf seine neu gewonnene Freiheit, die ihm vor allem erlauben werde, wieder Herr über den eigenen Terminkalender zu sein. Bücher, Musik, Wandern - all das steht auf Sendls Agenda für die kommende Zeit. "Wenn ich mich frage, ob ich alles nochmals so machen würde, kann ich antworten: Ja."

Als Überraschung hatten sich etliche Mitglieder der Stadtverwaltung, des Bauhofs und der Stadtwerke vor dem Rathaus auf dem Stadtplatz zu einem Herz aufgestellt. Aus dem Lautsprecher klang der Fendrich-Klassiker, es gab Glühwein, Punsch und Bratwurstsemmeln. "Ohne euch hätte ich das alles nicht leisten können", bedankte sich Sendl bei seinen Kollegen. Noch einige Zeit standen sie da, lachten und genossen das Beisammensein. "Ich bleibe dem Stadtleben erhalten", meinte Sendl, der Vorsitzender der Penzberger Kulturgemeinschaft ist. Aber nun gehören die nächsten Wochen ihm und seiner Frau Ute Frohwein-Sendl.

