Es kommt nicht allzu häufig vor, dass die Besucherplätze im Sitzungssaal des Penzberger Rathaus komplett belegt sind. Wenn es aber um das Thema „Verkehr“ geht, ist das Interesse der Einwohnerinnen und Einwohner groß. Wer einmal an einem Samstagvormittag mit Auto oder Rad durch die Innenstadt gefahren ist, weiß, welch Geduldsspiel das sein kann. Verkehrschaos gibt es eben nicht nur in Metropolen, sondern auch in Kleinstädten. Ein Mobilitätskonzept soll Abhilfe schaffen. Vorerst fehlt allerdings das Geld für größere Maßnahmen.
Mobilität im ländlichen Raum bedeutet in erster Linie, mit dem eigenen Auto zu fahren. Das vom Karlsruher Verkehrsplanungsbüro PTV mit Bürgerbeteiligung erarbeitete Konzept soll helfen, dass sich in Zukunft Kraftfahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger nicht mehr in die Quere kommen. Mehr Sicherheit und obendrein weniger Lärmbelastung sind die Hauptziele. 2023 wurde mit der Expertise begonnen, Ende Juli dieses Jahres lag der Schlussbericht vor.
Mehr als 170 Maßnahmen sind aufgelistet, darunter die Verlegung der Staatsstraße 2063 – was sicherlich viele Anwesende zum Besuch der Stadtratssitzung bewegte. Doch vor allem die stetig wachsende Lobby der Radfahrer übt Druck auf das Rathaus aus. Sie fordern mehr Sicherheit für sich, insbesondere sichere Schulwege. Im Konzept sind daher Fahrradstraßen aufgeführt.
Kein neuer Lärmaktionsplan
Eine weitere Möglichkeit, um mehr Sicherheit in Zukunft zu gewährleisten, sind Geschwindigkeitsbegrenzungen. Tempo 30 ist in Penzberg eine unendliche Geschichte. Vor Jahren schlug der Vorstoß fehl, dauerhaft an einigen Stellen im Stadtgebiet Tempo 30 einzuführen, auch um Gesundheitsgefährdungen durch Lärm zu minimieren.
Kommunen haben es aufgrund einer Novellierung der Straßenverkehrsordnung inzwischen leichter, Geschwindigkeitsbegrenzungen anzuordnen. Doch die alten Pläne und Studien einfach aus der Schublade ziehen, reichen dem Landratsamt Weilheim-Schongau, das ein Wörtchen mitzureden hat, nicht. Die Lärmkartierung müsste aktualisiert werden, was um die 16 000 Euro kosten würde.
Statt einer Neuauflage des Lärmaktionsplans schlägt das Rathaus vor, Geschwindigkeitsreduzierungen im Rahmen der Umsetzung des Mobilitätskonzepts einzuführen. Bis es soweit ist, werden Jahre ins Land ziehen. Nicht allein wegen der desolaten Finanzlage Penzbergs, sondern weil einige Maßnahmen einen langen Atem brauchen. Wie eben die Verlegung einer Staatsstraße.

