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Penzberg:Rosenkrieg am Planschbecken

Familienbad Penzberg

Andere Dachform, andere Fassade und ein größerer Rutschenturm: So soll das Penzberger Familienbad nach der Umplanung aussehen.

(Foto: Krieger Architekten/oh)

Gravierende Mängel bei der Planung des neuen Penzberger Familienbads: Stadtwerke fordern vom Architekten 1,2 Millionen Euro zurück

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Schlechte Nachrichten verkünden zu müssen, ist für niemanden angenehm. So war die Stimmung beim Pressegespräch im Sitzungssaal der Penzberger Stadtwerke denn auch gedrückt. Das neue Familienbad wird deutlich teurer. Die Kosten belaufen sich mit Stand 15. Juli auf 25,4 Millionen Euro. Das sind etwa fünf Millionen Euro mehr, als noch im vergangenen Jahr öffentlich kommuniziert. Ein Hauptschuldiger ist bereits gefunden: Dem Münchner Architekten Wolfgang Gollwitzer werfen das Kommunalunternehmen und Schwimmbad-Projektsteuerer Jens-Wilhelm Brand gravierende Planungsfehler vor. Doch trotz all diesem Ärger gibt es auch Positives zu berichten. Ein neues Planerteam hat sich des Bauvorhabens angenommen. Die Fehler wurden behoben. Die Stadt Penzberg bekommt ein modernes und ansprechendes Familienbad - wenn sich auch die Eröffnung auf Herbst/Winter 2022 verschiebt.

Warum man mit Gollwitzers Kündigung bis zum 30. März gewartet hat, obschon es seit Längerem Hinweise auf massive Fehlplanungen gegeben hat, beantwortet Stadtwerke-Chef Josef Vilgertshofer damit, dass man dem Münchner Architekten mehrmals die Möglichkeit gegeben habe nachzubessern. Als all dies nichts nutzte, zog man die Reißleine - was Konsequenzen nach sich zieht. Dabei sei es ein Glücksfall, so Vilgertshofer, das Architekturbüro Krieger als Ersatz gewonnen zu haben. Die Experten für Sportbäder hatten einiges zu tun. Am auffälligsten ist die neue Außenfassade. Gollwitzer hatte eine Keramikfassade mit Rundungen vorgesehen - hübsch anzusehen, aber in der Umsetzung problematisch, sagte Brand. Nun gibt eine Fassade mit Metallelementen dem neuen Familienbad einen coolen Touch. Zugleich sei das Material sehr nachhaltig, sagte Projektsteuerer Brand. "Da müssen Sie in den nächsten 50 Jahren nichts auswechseln." Ebenfalls neu strukturiert wurde der Saunabereich. Weil man sich entschlossen hat, wegen der Hochwasserschutzmaßnahmen am Säubach vorerst keine Außensaunen zu errichten, sondern allein einen Garten anzulegen, erfährt die 240 Quadratmeter große Terrasse der Innensauna eine andere, ganzjährig mögliche Nutzung mit Saunahaus und Liegeflächen.

Das sind nicht die einzigen Fehlerbehebungen. Vieles musste umgeplant werden, so der Projektsteuerer, der betont, dass er natürlich in seiner Funktion ein Auge auf Gollwitzers Arbeit hatte. Rechtzeitig habe er auf die Defizite hingewiesen. Als im April 2019 die Glaubwürdigkeit des Münchner Architekten, was Kosten und Planungsqualität angehe, komplett verloren gegangen sei, habe man mit der Ausschreibung und Baustellenleitung das Büro Prokopetz betraut. Von dort kam der Hinweis, dass mit den vorliegenden Entwürfen keine Ausschreibung zu machen sei. Ende Januar hatte Vilgertshofer einen externen Prüfer beauftragt, Gollwitzers Pläne unter die Lupe zu nehmen. Das hätte für den Münchner Architekteneine Steilvorlage sein müssen, endlich die aufgedeckten Mängel zu überarbeiten, sagte Brand. Passiert sei nichts. Ende März kam es daher zum Bruch. "Sich von einem Architekten zu trennen, ist wie eine Scheidung, wie ein Rosenkrieg", betonte Brand. Dieser Rosenkrieg könnte vor Gericht enden. 1,2 Millionen Euro Schadenersatz fordern die Penzberger Stadtwerke von Gollwitzer.

Stadtwerke-Chef Vilgertshofer und der Verwaltungsrat betonen, dass der Bürger von der Kostenmehrung nichts spüren werde. Moderate Eintrittspreise seien weiterhin das Ziel. Der Eintritt für Erwachsene liegt nach der momentanen Kalkulation bei fünf Euro für eineinhalb Stunden, Kinder zahlen drei Euro. Die Sauna soll 13 Euro kosten.

© SZ vom 24.07.2020

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