NaturschutzFotograf mit Liebe zu den Mooren

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Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum) im Hochmoor bei Sonnenaufgang im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.
Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum) im Hochmoor bei Sonnenaufgang im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. (Foto: Konrad Wothe)
  • Der Naturfilmer Konrad Wothe hat mit Kollegen den Bildband „Bayerns wilde Moore“ herausgebracht, um die Bedeutung der Moorlandschaften für den Klimaschutz zu verdeutlichen.
  • Moore sind die effektivsten Kohlenstoffspeicher aller Landlebensräume und lagern mehr CO2 ein als alle Wälder zusammen, jedoch nur wenn sie intakt sind.
  • Der Bildband zeigt auf 176 Seiten die Artenvielfalt bayerischer Moore von der Rhön bis zum Murnauer Moos und entstand über drei Jahre mit fünf Naturfotografen.
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Der Naturfilmer Konrad Wothe hat mit Kollegen den Bildband „Bayerns wilde Moore“ herausgebracht. Als Naturschützer möchte er den Menschen diesen besonderen Lebensraum und dessen Artenvielfalt nahebringen.

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Es war die Liebe zum Moor und zu den Osterseen, die Konrad Wothe vor Jahren ins Oberland brachte. „Warum jedes Wochenende aus München rausfahren, ziehen wir doch gleich hierher, lautete damals unsere Überlegung“, erzählt der vielfach ausgezeichnete Fotograf und Naturfilmer. Besonders eine nasse Wiese am Rande Penzbergs mit ihrer Artenvielfalt hatte es ihm angetan. Seit 2003 lebt Wothe nun schon mit seiner Familie in der oberbayerischen Kleinstadt. Den Mooren in der Region ist der Tierfotograf und Naturschützer zutiefst verbunden. Diese Verbundenheit dokumentiert der Bildband „Bayerns wilde Moore“.

Moore sind seltsame Landschaften. Nebel umwoben, durchzogen von dunklem Wasser – irgendwie abweisend. Sie befeuern seit Menschengedenken den Aberglauben. Schaurige Geschichten von Leichen, die gut erhalten wieder auftauchen, Irrlichtern und Geistern, die Wanderer in ihr Verderben locken, sind mit ihnen verbunden. Moore galten als Orte des Unheils, an denen die Seelen der Toten wandeln. „Es ist dieses negative Bild, das ich gerne ändern möchte, weil es immer noch aktuell ist“, sagt Konrad Wothe. Dies nicht allein aus einer persönlichen Schwärmerei heraus, nein, dem Penzberger geht es um die wichtige Rolle, die diese Landschaften für das Klima spielen.

Naturfotograf Konrad Wothe bei der Arbeit im Regenwald von Peru.
Naturfotograf Konrad Wothe bei der Arbeit im Regenwald von Peru. (Foto: Stefanie Wothe)

Moore sind natürliche CO₂-Speicher. Sie lagern mehr Kohlendioxid ein als alle Wälder der Erde zusammen – jedoch nur, wenn sie intakt sind. Abgestorbene Pflanzenteile werden in dem sauerstoffarmen Milieu nicht vollständig zersetzt. Sie verwandeln sich in Torf, in dem sich Kohlenstoff dauerhaft einlagert. Entwässerte Moore indes können Treibhausgase, die die Erdatmosphäre schädigen, nicht zurückhalten, sondern setzen stattdessen Unmengen frei. Daher ist die Renaturierung der Feuchtgebiete entscheidend für das Erreichen der Klimaziele. Die Naturschutzorganisation Nabu bezeichnet Moore als die „effektivsten Kohlenstoffspeicher aller Landlebensräume“.

Faszinierend und schön: der Sonnentau

Doch nicht allein ihre Speicherfunktion macht sie so wertvoll. Moore sind Lebensräume für viele selten gewordene Tier- und Pflanzenarten. Etwa für den Sonnentau. Wenn Wothe von der fleischfressenden Pflanze spricht, bricht sich seine Begeisterung Bahn. Winzig sei er, der Sonnentau, erzählt Wothe. Und doch schön und faszinierend zugleich. Man müsse schon genau hinsehen, um ihn zu entdecken. „Das möchte ich mit dem Bildband erreichen. Dass die Menschen hinschauen und die Vielfalt wieder wahrnehmen“, sagt Wothe. Und wie könne man die Schönheit der Moore besser zeigen als auf Fotografien.

Mittlerer Sonnentau (Drosera intermedia) mit erbeuteter gemeiner Becherjungfer (Enallagma cyathigerum).
Mittlerer Sonnentau (Drosera intermedia) mit erbeuteter gemeiner Becherjungfer (Enallagma cyathigerum). (Foto: Konrad Wothe)

Etwa drei Jahre hat es gedauert, bis der Bildband „Bayerns wilde Moore“ fertiggestellt war. „Ich wurde von Kollegen gefragt, ob ich mitmachen möchte“, sagt der Penzberger. Lange bitten mussten sie ihn nicht. Umso mehr Zeit ging ins Land, bis jene faszinierenden Aufnahmen im Kasten waren, die das Buch besonders machen. „Wir sind alle Mitglieder der Gesellschaft für Naturfotografen (GDT)“, erklärt Wothe. Mit Niklas Bankowski, Christopher Meyer, Michael Neukum und Ulrike Eisenmann habe das Team ein großes Gebiet abdecken können. In dem Naturjournalisten und Geologen Martin Rasper habe man einen kongenialen Textautor gefunden, so Wothe.

Thematisiert werden auf 176 Seiten die Eigenheiten von Nieder- und Hochmooren. Besonders beeindruckend sind Drohnen-Aufnahmen, die anmuten, als würden sie von einem anderen Planeten stammen. Die Fotografien zeigen die Natur zu verschiedenen Jahreszeiten – vom Schwarzen Moor in der Rhön bis zum Murnauer Moos im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

Hochmoor bei Penzberg, angrenzend an das Loisach-Kochelsee-Moor.
Hochmoor bei Penzberg, angrenzend an das Loisach-Kochelsee-Moor. (Foto: Ulrike Eisenmann)

Die Begeisterung für die Natur packte den Wahl-Penzberger in seiner Kindheit. Mit acht Jahren schenkte ihm sein Vater die erste Kamera. „Eine ganz einfache“, erzählt er. Um Vögel im elterlichen Garten in München fotografieren zu können, befestigte er den Apparat in einem Baum, band an den Auslöser eine Schnur, um ihn von Ferne bedienen zu können. Um ein Tier auch wirklich vor die Linse zu bekommen, platzierte er ein Futterhäuschen vor dem Objektiv. „Die Aufnahmen waren natürlich nichts Großartiges, aber so fing es an.“

Das Interesse an Flora und Fauna blieb. Die Filmerei zum Beruf machte er, als er als junger Mann nach dem Abitur Kameramann bei Heinz Sielmann wurde. „Durch Zufall“, betont er. Ein harter Job sei es gewesen, nicht zuletzt da die Ausrüstung damals wesentlich mehr wog als heute. Mit zig Kilos auf dem Rücken ging es durch den Regenwald oder andere herausfordernde Gegenden. „Und dann wollten tagaktive Tiere bei Tag und nachtaktive eben nachts gefilmt werden. Viel mit Schlaf war da nicht.“

Filigran und räuberisch

Wothe gilt in Fachkreisen als Experte für den Regenwald. Er hat Dokus für das ZDF gedreht etwa über Totenkopfäffchen und frei lebende Aras auf Costa Rica. Sein heimisches Jagdgebiet – „bei mir bleiben die Tiere allerdings am Leben“ – erstreckt sich vom Murnauer Moos über das Loisach-Kochelsee-Moor bis zu den Hochmooren rund um Penzberg und Iffeldorf. Als Jäger und Sammler, wie er sich bezeichnet, sind seine Lieblingsmotive neben dem Sonnentau Iris, Libellen und Vögel. Für den Bildband hat er sich insbesondere der filigranen und räuberischen Insekten angenommen.

Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae).
Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae). (Foto: Konrad Wothe)

Für perfekte Libellen-Aufnahmen ist viel Geduld gefragt. Wobei dank der Digitalisierung der Fotografie vieles einfacher sei als in seiner Jugend, sagt Wothe. Mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde stünden die Möglichkeiten gut, das richtige Foto zu bekommen. „Wenn es mit der Schärfe klappt“, erklärt er. Die lange Entstehungszeit des Bildbands sei eben damit zu erklären, dass sich etwa Kreuzottern nicht immer kooperativ zeigten; dass Aufnahmen von Jahreszeiten abhängten und mehr.

Als Naturschützer setzt sich Wothe für den Erhalt der Braunkehlchen, Vogel des Jahres 2023, im etwa 3600 Hektar umfassenden Loisach-Kochelsee-Moor ein. Die Art ist europaweit stark gefährdet und in Bayern vom Aussterben bedroht. Circa 75 Brutpaare gibt es im hiesigen Moos. „Wir haben Erfolge zu verzeichnen“, sagt Wothe, wenngleich nur in kleinen Schritten. „Wir brauchen zum Schutz die Landwirte und Grundstückseigentümer.“

Braunkehlchen-Männchen (Saxicola rubetra) im Loisach-Kochelsee-Moor.
Braunkehlchen-Männchen (Saxicola rubetra) im Loisach-Kochelsee-Moor. (Foto: Konrad Wothe)

Das treffe auch bei der Wiedervernässung von Moorflächen zu. Denn würde eine Wiese rekultiviert, bliebe das Wasser nicht an deren Grenze zurück. „Die benachbarten Grundstücke werden auch nass“, sagt Wothe. Zwölf Prozent der Fläche des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen sind Moor. Der Korridor erstreckt sich auf einer Länge von 30 Kilometern, wo alle Moortypen Deutschlands zu finden sind. Der Arbeitskreis „Tölzer Moorachse“ setzt sich dafür ein, diesen Korridor stetig zu erweitern. „Die Arbeit ist unschätzbar“, betont er.

Der Tierfotograf würde sich wünschen, dass auch die wirtschaftlichen Aspekte von wieder vernässten Mooren mehr in das öffentliche Bewusstsein rückten. Als Beispiel nennt er die Paludikultur. Flächen könnten rekultiviert und zugleich Biomasse für Baustoffe wie Dämmmaterial oder für Pellets gewonnen werden. Aber erst müsse die Wirtschaft reagieren und eine Nachfrage schaffen, ehe sich solche regionalen Wertschöpfungsketten etablieren könnten. Ein weiterer Verdienstzweig für Landwirte könnte die Haltung von Wasserbüffeln sein.

Schmuckfliege (Rivellia frondescentia), auf Iris.
Schmuckfliege (Rivellia frondescentia), auf Iris. (Foto: Konrad Wothe)
Sumpf-Gladiolen (Gladiolus palustris).
Sumpf-Gladiolen (Gladiolus palustris). (Foto: Konrad Wothe)

Etwa 200 Staaten verhandelten im vergangenen Jahr bei der UN-Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém zwei Wochen lang darüber, wie die Erderwärmung eingedämmt werden kann. Immerhin sollen Milliarden Euro zum Schutz des Regenwaldes eingesetzt werden, so ein Ergebnis. Bei der bereits beschlossenen Abkehr von Kohle, Öl und Gas gab es indes keine Fortschritte. Die internationale Gemeinschaft ist nach wie vor weit davon entfernt, gemäß dem Pariser Klimaabkommen die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Inzwischen gehen Wissenschaftler davon aus, dass dieser Temperaturzuwachs spätestens zu Beginn der 2030er-Jahre überschritten wird. Die Folgen wären noch mehr Stürme, Waldbrände, Dürren und Überschwemmungen.

Die beiden Naturfotografen Christopher Meyer und Niklas Banowski, die mit Konrad Wothe Bilder zu „Bayerns wilde Moore“ geliefert haben, halten am Freitag, 23. Januar, einen gleichnamigen Vortrag im Don-Bosco-Saal des Klosters Benediktbeuern; Beginn: 20 Uhr

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