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Penzberg:Mehrheit für Kreisverkehr

Situation an der Ecke Birken- und Seeshaupter Straße in Penzberg soll entzerrt werden

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Verkehrsteilnehmer, die zu Stoßzeiten in Penzberg von der Birken- in die Seeshaupter Straße einbiegen möchten, brauchen Zeit und gute Nerven. Daher hat der Stadtrat im April entschieden, dass an dieser Stelle ein Kreisverkehr die Situation entzerren könnte. Die Lösung schien gesetzt. Nun schlägt das Staatliche Bauamt eine andere Variante vor. Die Weilheimer Behörde favorisiert nicht zuletzt wegen der Kosten eine Ampelanlage. Beide Lösungsmöglichkeiten haben Vor- und Nachteile, weshalb die Abstimmung am Dienstag im Stadtrat auch nicht geschlossen ausfiel. Letztlich votierte die Mehrheit mit 14 zu zehn Stimmen doch für einen Kreisel.

An der Birkenstraße befinden sich nicht nur Wohnbebauung, eine Grundschule und zwei Turnhallen, dort entstehen außerdem das neue Familienbad samt Parkhaus und am anderen Ende der Straße ein neues Wohngebiet. Es ist demnach damit zu rechnen, dass der Verkehr zunimmt. Ein Gutachten sieht beide Lösungen machbar: Sowohl eine Ampel als auch ein Kreisverkehr seien geeignet, die Leistungsfähigkeit des Knotenpunkts zu verbessern, heißt es darin.

Stadtbaumeister Justus Klement legte dem Stadtrat die Vor- und Nachteile der beiden Lösungen dar. Der Kreisverkehr ist mit geschätzten 885 000 Euro teurer als die Lichtsignalanlage mit 470 000 Euro; er verbraucht mehr Platz, so fallen etwa 13 Stellplätze für den Bau des Kreisels auf dem Friedhofsparkplatz weg. Aber, so Klement, der Kreisel sei für den Verkehr durchlässiger und sicher. Eine Beschleunigungsspur gewährleistet, dass Busse Vorrang haben. An einer Ampel hätte man ständig Stop-and-go, sagte Klement. Eine zusätzliche Abbiegespur in der Birkenstraße sei notwendig, und zudem gebe es entlang der Seeshaupter Straße bereits viele Ampeln. Der Eingriff in das Waldstück bei der Montessori-Schule ist bei beiden Varianten gleich (circa 800 Quadratmeter).

Das Staatliche Bauamt Weilheim gibt der Ampel den Vorzug, da diese für Fußgänger und Radfahrer mehr Sicherheit biete. Die Penzberger Polizei hält beide Lösungen für gut. Das Planungsbüro Ingevost tendiert zum Kreisverkehr. Und die Abteilung Umwelt- und Klimaschutz im Rathaus findet beide Varianten nicht richtig überzeugend, spricht sich aber trotzdem für einen dreiarmigen Kreisel aus, weil der Verkehrsfluss besser gegeben sei.

Während sich Aleksandar Trifunovic (CSU) für den Kreisel aussprach, möchte Kerstin Engel (Grüne) aus Naturschutzgründen lieber eine Ampel an der Einmündung Seeshaupter/Birkenstraße stehen sehen. Die Lichtsignalanlage sei für Fußgänger und Radfahrer, welche die Straßen queren wollten, viel sicherer, als es bei einem Kreisverkehr der Fall sei. Immerhin müsse man berücksichtigen, dass es sich um einen viel genutzten Schulweg handle. Das sieht ihr Fraktionskollege Sebastian Fügener ebenso. Einen Kreisverkehr zu Fuß oder auf dem Rad zu nutzen sei nur Erwachsenen zuzumuten. Alle übrigen seien "ganz weit unten in der Rangordnung der Verkehrsteilnehmer", sagte Fügener. Er glaubt nicht, dass Eltern ihre Kinder bei dieser Lösung alleine zur Schule gehen oder fahren ließen.

Markus Bocksberger (Penzberg Miteinander) bekundete, dass seine Fraktion "sehr unentschlossen" sei. Die Lösungen seien suboptimal. Indes plädierte Hardi Lenk (SPD) dafür, doch erst einmal das Hallenbad-Parkhaus und das Wohngebiet Birkenstraße West zu bauen und sich die Verkehrsentwicklung anzusehen. Armin Jabs (Bürger für Penzberg) bekannte, grundsätzlich ein Fan von Kreisverkehren zu sein. Wenn er aber lese, dass das Staatliche Bauamt selbst eine Ampel für Fußgänger und Radfahrer für sicherer halte, müsse er umdenken. Es gehe schließlich um den Schutz der Schwächsten.

Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) ließ zuerst abstimmen, ob die Umgestaltung des Knotenpunkts erst nach der Fertigstellung von Parkhaus, Schwimmbad und Wohngebiet erfolgen soll. Die Mehrheit sprach sich dagegen aus. Allein SPD-Mann Hardi Lenk stimmte für dieses Vorgehen. Bei der zweiten Abstimmung ging es um ein Ja oder Nein zum Kreisverkehr. Vier Stimmen waren letztlich entscheidend: Der Stadtrat beschloss, den Knotenpunkt Seeshaupter Straße/Birkenstraße durch eine dreiarmige Kreisverkehrsanlage zu optimieren.

© SZ vom 27.11.2020
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