Süddeutsche Zeitung

Penzberg:Kunstaktion als Video

Andreas Kloker befasst sich mit der Penzberger Mordnacht

Eigentlich wäre Andreas Kloker am liebsten so aufgetreten wie immer. Vor Publikum funktionieren Klokers Kunst-Performances am besten, denn wenn der Künstler seine Werke live zeichnet, dann herrscht normalerweise eine beeindruckte Stille unter den Anwesenden. Immerhin diese andächtige Atmosphäre begleitete Kloker auch während seiner Performance in der Penzberger Sammlung Campendonk, denn aufgrund der Corona-Bestimmungen fand die Aktion "An der Freiheit. Elementar-Zeichnung" ohne Publikum statt.

"Die Elementar-Zeichnungen handeln von dem Vergehen und vom Vergehen, jedoch nicht vom Vergessen", sagt Kloker über seine Performance. Im Rahmen der Ausstellung "Niemals wieder!" beschäftigte sich Kloker mit dem 75. Gedenkjahr der Penzberger Mordnacht und ließ auf einer schwarzen Tafel mit Wasser Bilder entstehen, die sich nach und nach verändern. Neben den 300 Mahnblumen von Aktionskünstler Walter Kuhn, die das Penzberger Museum aktuell zieren, soll auch Klokers Performance an die NS-Morde erinnern. Bei ihm wird eine Blume zu einer Menschenreihe, dann zeichnet Kloker Gesichter an die Wand, so entwickelt er seine Kunst immer weiter, mit präzisem Strich und einer fast besinnlichen Ruhe. "Die Nacht" nennt der Künstler den ersten Teil seiner Performance. Und auch, wenn kein Publikum vor Ort erlaubt war, kann man diese im Nachgang noch einmal erleben.

Der Filmemacher Christian Podolski nämlich hat Klokers Kunstaktion mit der Kamera begleitet und daraus die beiden Filme "Die Nacht" und "Vergehen" gemacht, die auf Youtube zu sehen sind. Auch im Video ist die Besonderheit der Performance zu erkennen, das perfekt ausgeleuchtete Foyer der Sammlung Campendonk bietet einen würdigen Rahmen dafür. Dank Podolski ist das vergängliche Werk Klokers nun festgehalten: Auf Video kann jeder die Kunstaktion noch einmal in Ruhe anschauen. Ein so großes potenzielles Publikum wäre live nicht erreichbar gewesen - inmitten der Corona-Krise ist das für die zwangsgeschlossenen Museen zumindest eine kleine gute Nachricht.

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Quelle:
SZ vom 30.11.2020 / fhas
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