Katholische KircheKletterwand statt Beichtstuhl

Lesezeit: 2 Min.

Die katholische Kirche „Zu Unserer lieben Frau von Wladimir“ am Pater-Sabino-Weg im Penzberger Stadtteil Steigenberg müsste aufwendig saniert werden. Die Pfarrei möchte sie profanieren.
Die katholische Kirche „Zu Unserer lieben Frau von Wladimir“ am Pater-Sabino-Weg im Penzberger Stadtteil Steigenberg müsste aufwendig saniert werden. Die Pfarrei möchte sie profanieren. Manfred Neubauer
  • Die katholische Kirche „Zu Unserer lieben Frau von Wladimir" in Penzberg soll profaniert werden, da eine Sanierung 1,2 Millionen Euro kosten würde.
  • Drei Nutzungsvarianten stehen zur Diskussion: eine Boulderhalle des Alpenvereins, ein ökumenisches Zentrum oder der Abriss für ein Mehrgenerationenhaus mit bezahlbarem Wohnraum.
  • Die Pfarrgemeinde Christkönig hat von 2015 bis Anfang 2024 rund 1400 Mitglieder verloren und braucht daher nur noch eine der beiden Penzberger Kirchen.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Die Penzberger Kirche „Zu Unserer lieben Frau von Wladimir“ soll entweiht werden. Für die Umnutzung sind eine Boulderhalle und ein ökumenisches Zentrum im Gespräch. Die Kirchenstiftung erwägt auch den Abriss für ein Mehrgenerationenhaus.

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

SZ bei Google bevorzugen

Die katholische Kirche „Zu Unserer lieben Frau von Wladimir“ im Penzberger Stadtteil Steigenberg soll profaniert werden. Die Pläne der Pfarrei wurden 2024 den Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt. Seitdem haben sich drei neue Nutzungen herauskristallisiert. Die Penzberger Alpenvereins-Sektion Neuland würde das Gebäude gerne als Kletterhalle umgestalten. Auch ein ökumenisches Zentrum der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen ist im Gespräch. Nun lag dem Bauausschuss die Bauvoranfrage für den Abriss der Kirche vor. Die Stadträte können sich alle drei Varianten grundsätzlich vorstellen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung in Penzberg rasch an. Besonders der Stadtteil Steigenberg prosperierte. Eine zweite Kirche war vonnöten. Am 11. September 1964 wurde sie geweiht. Das Gotteshaus wurde nach der Marien-Ikone „Unsere Liebe Frau von Wladimir“ benannt. Sie ist auf einem Altarbild zu sehen, deren Vorbild die in Russland sehr bedeutende Ikone der „Wladimirskaja“ ist.

Doch die Zeiten, in denen die Kirchenbänke voll waren, sind längst vorbei. Seit Jahren sinkt die Anzahl der Gläubigen und damit auch die Höhe der Einnahmen aus der Kirchensteuer. Zugleich stehen in vielen Gotteshäusern hohe Sanierungskosten an. Die Pfarrgemeinde Christkönig hat von 2015 bis zu Beginn des Jahres 2024 um die 1400 Mitglieder verloren. Mit der Diözese Augsburg haben Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat daher ein Pilotprojekt initiiert. Im Fokus steht die Entweihung der Steigenberger Kirche, da zwei Gotteshäuser in der Stadt nicht mehr gebraucht werden.

Das Areal an Pater-Sabino-Weg und Knappenstraße ist mehr als 5000 Quadratmeter groß. Es umfasst nicht nur die Kirche, sondern unter anderem auch das frühere Pfarrhaus. Circa 1,2 Millionen Euro würde eine Sanierung laut Schätzung kosten. In den kommenden fünf Jahren müsste die Kirchenstiftung etwa 750 000 Euro als Anteil beisteuern. Deshalb ist eine Profanierung mit Umnutzung geplant. Neben einem ökumenischen Zentrum wird eine Boulderhalle im Gebäude diskutiert. Bei beiden Varianten könnte die Kirche erhalten werden. Die Sektion Neuland des Alpenvereins würde einen Trakt für eine liturgische Nutzung zur Verfügung stellen; im restlichen Gebäudeteil soll Klettern möglich sein. Somit müssten vor allem Jugendliche nicht mehr zur Kletterhalle nach Bad Tölz fahren.

Eine Kopie der bekannten russischen Ikone befindet sich im Kircheninneren.
Eine Kopie der bekannten russischen Ikone befindet sich im Kircheninneren. Manfred Neubauer

Für eine dritte Variante, das Vorhaben „sozialer Wohnungsbau“, wäre ein Abriss unabdingbar. Im nördlichen Bereich plant die katholische Kirchenstiftung Christkönig zwei vierteilige Reihenhäuser. Auf der Fläche der Kirche soll ein dreigeschossiges Gebäude entstehen. Die Kirchenstiftung spricht in ihrer Anfrage von einem Mehrgenerationenhaus und „bezahlbarem Wohnraum“.

Der Bauausschuss des Stadtrats konnte sich mit allen drei Varianten anfreunden. Das Areal liegt in einem allgemeinen Wohngebiet, somit gibt es keinen Hinderungsgrund. Allein die Stadtwerke weisen in ihrer Stellungnahme zur Bauvoranfrage hin, dass der Mischwasserkanal in diesem Bereich schon jetzt überlastet sei, und warnen daher vor einer weiteren Nachverdichtung.

Eine Entscheidung, was letztlich auf dem Areal realisiert wird, ist noch nicht gefallen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Kommunalpolitik
:Plötzlich Landrat

Ludwig Schmid ist vom 1. Mai an der neue Landrat im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Bis dahin sind viele Dinge zu erledigen. Zum Beginn seiner Amtszeit möchte der 48-Jährige die Kommunikation verbessern und mehr Transparenz schaffen.

Von Alexandra Vecchiato

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: