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Penzberg:Zeitlose Schönheit

Barbara Kapelle Berghalde Penzberg

Mit der Schlichtheit der Architektur wollte Planer Stephan Jocher nach eigenem Bekunden an das karge, einfache Leben der Bergleute in Penzberg erinnern. Ihrer Schutzheiligen, Barbara von Nikomedien, ist die Kapelle auf der Berghalde gewidmet.

(Foto: Britta Rosniatowski - Jocher Architekten /OH)

Vor 17 Jahren errichtete der Penzberger Traditionsverein "Die Jungritter" die Barbarakapelle auf der Berghalde. Architekt Stephan Jocher erinnert in einem Buch an die Entstehungsgeschichte

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Manchen mag es verwundern, auf der Berghalde einsam auf einer Wiese ein kleines Gotteshaus zu erblicken. Doch die Kapelle steht aus gutem Grund an jenem Ort. Sie ist der Märtyrerin Barbara gewidmet, der Schutzheiligen der Bergleute. Und das im Volksmund "Penzberger Dolomiten" genannte Freizeitgelände ist eine ehemalige Abraumhalde - der perfekte Standort. Vor 17 Jahren wurde die Kapelle auf Initiative der Penzberger Jungritter auf der Berghalde errichtet - ein Höhepunkt in deren Vereinsgeschichte. Entworfen wurde sie von Architekt Stephan Jocher, der nun in einem Buch an die Entstehungsgeschichte der Barbarakapelle erinnert. Es erscheint pünktlich zum Barbaratag am 4. Dezember.

Die Aufgabe, ein Gotteshaus entwerfen zu dürfen, sei nicht alltäglich, erzählt Jocher. Als er damals über den Plänen saß, wurde dem Architekten klar, dass dieser Raum der religiösen Andacht eines sein sollte, ja sein müsse: "zeitlos." 17 Jahre sind ins Land gezogen, viele hätten vergessen, was es mit der Barbarakapelle auf sich habe. "Das hat mich geärgert", sagt Jocher.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum Jocher aktiv wurde: ein Anruf aus Köln. Das Erzbistum hat den Architekten gebeten, die Barbarakapelle eins zu eins in Weilerswist zu bauen. Wie genau die Kölner den Weg nach Penzberg hinauf auf die Berghalde gefunden haben, vermag Jocher nicht zu sagen. Wohl sei das Bauwerk in Fachzeitschriften behandelt und als "herausragende Architektur" gewürdigt worden. Der 60-Jährige nahm den Auftrag an. "Aber die gleiche Kapelle wird es dort nicht geben", betont er.

Im Nachgang sei ihm die Idee gekommen, die Historie der Barbarakapelle aufzuschreiben und zu publizieren, wenngleich auch aus einer "gewissen Naivität" heraus, wie er sagt. Hätte er gewusst, wie viel Arbeit in dem Buch stecken würde, hätte er es sich vielleicht anders überlegt. Definitiv sei dies "das erste und das letzte Mal" gewesen. Fünf Monate hat Jocher gemeinsam mit einem Team an dem 90 Seiten umfassenden Projekt gesessen. Grafik, Fotografien - alles sollte Hand und Fuß haben. Die Auflage von Jochers Erstling ist auf 1000 Stück limitiert. So soll es nach dem Willen des Herausgebers bleiben. Das Buch kostet 22,40 Euro und ist von diesem Freitag an in der Buchhandlung Rolles in Penzberg erhältlich.

Die Jungritter - der mit dem Kulturpreis der Stadt ausgezeichnete Traditionsverein - hatte die Kapelle zu seinem 50. Gründungsjubiläum im Jahr 2003 in Auftrag gegeben. Kosten: etwa 75 000 Euro. Das Gotteshaus besticht durch seine minimalistische Formensprache. Die Giebelseiten aus Tuffstein sollen an den Abraum aus Bergwerkszeiten erinnern, die Dachkonstruktion an die Holzstützen in den Stollen. Beim frei stehenden Glockenturm hat sich Jocher von einem Gemälde Heinrich Campendonks ("Barbarazeche") inspirieren lassen. Er ähnelt einem Förderturm. Die bunten Glasfenster stammen aus der 1967 abgerissenen Herz-Jesu-Kapelle in Benediktbeuern. Eine Fliese und ein Weihwasserkessel aus der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Barbarakirche in Penzberg fanden ebenfalls einen würdigen Platz.

© SZ vom 04.12.2020
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