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Penzberger Infrastruktur:Absage an Aldi

Im Anschluss an die Gewerbebebauung an der Dr.-Gotthilf-Näher-Straße möchte Aldi Süd einen zweiten Markt errichten. Der Stadtrat lehnt dies ab.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Penzberger Stadtrat spricht sich gegen eine neue Filiale an der Westtangente aus, weil Gewerbeflächen rar sind

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Die Stadt Penzberg scheint gesegnet mit einer hohen Anzahl an Supermärkten und Discountern. Dennoch gibt es eine Versorgungslücke im Nordwesten. Ein weiterer Supermarkt an der Seeshaupter Straße könnte die großen Wohngebiete wie etwa in den Ortsteilen Steigenberg oder Kirnberg abgreifen. Weshalb wohl die Discount-Einzelhandelskette Aldi Süd auf die Idee gekommen ist, eine zweite Filiale zu eröffnen. Allerdings nicht an der Seeshaupter Straße, sondern auf einem Grundstück an der Dr.-Gotthilf-Näher-Straße, der Zufahrt von der Autobahn kommend zum Pharmaunternehmen Roche. Der Stadtrat erkennt zwar den weißen Fleck in der Nahversorgung an, trotzdem lehnte er das Ansinnen von Aldi Süd wegen des Standortes im Gewerbegebiet ab.

Um die Ansiedlung einer weiteren Aldi-Filiale möglich zu machen, müsste der Stadtrat die Änderung des Bebauungsplans "Gewerbezentrum Seeshaupter Straße - Westtangente" beschließen. Das lehnte das Gremium mehrheitlich ab. Christian Abt, Aleksandar Trifunovic (beide CSU) sowie Armin Jabs, Rüdiger Kammel und Wolfgang Sacher (allesamt Bürger für Penzberg) stimmten für das Vorhaben. Das Stadtbauamt argumentierte unter anderem, dass ein Discounter an dieser Stelle Begehrlichkeiten wecken und weitere Bauanträge für Einzelhandelsflächen nach sich ziehen könnte. Denn Baugrundstücke für solche Projekte erzielten höhere Quadratmeterpreise. Ferner sei bekannt, dass sich gerne Vollsortimenter neben Discountern ansiedelten. Da es sich um ein Gewerbegebiet handle, was im gültigen Bebauungsplan festgelegt sei, sei Einzelhandel gar nicht zulässig, führte Stadtbaumeister Justus Klement aus. Nur eine Änderung des Plans könnte das Vorhaben ermöglichen, wovon die Verwaltung abrate.

Schützenhilfe gab Stadtplaner Jan Vorholt von der CIMA. Das Büro berät Kommunen und Regionen bei ihrer Entwicklung, so auch viele Jahre die Stadt Penzberg. Nach wie vor habe aus seiner Sicht das Einzelhandelskonzept der CIMA aus dem Jahr 2015 Gültigkeit, führte Vorholt aus. Was die Nahversorgung angehe, stehe Penzberg "ganz gut da". In der Tat gebe es eine Lücke im Nordwesten. Doch den Standort an der Dr.-Gotthilf-Näher-Straße könne er als Stadtplaner nicht befürworten. "Das ist kein städtebaulich integrierter Standort", sagte Vorholt. Er widerspreche den Vorgaben des Landesentwicklungsplans. Im Einzelhandelskonzept sei der Bedarf in diesem Stadtbereich festgehalten worden mit Fokus auf die Seeshaupter Straße. Idealer Standort sei das Areal der früheren Edeka-Filiale, wo aktuell ein Laden für Tierbedarf und ein Matrazen-Geschäft sind. "Ich rate Ihnen zu einem längeren Atem. Es werden sich Flächenoptionen irgendwann ergeben", sagte Vorholt.

Auch wenn der Standort nicht ideal sei, so brauche der Nordwesten einen Supermarkt, warb Armin Jabs. An Flächenoptionen entlang der Seeshaupter Straße mag der Stadtrat nicht glauben. "Schlucken wir die Kröte, um eine Nahversorgung zu bekommen", sagte er. Der Standort sei nicht nur mit dem Auto, sondern auch mit dem Fahrrad oder fußläufig zu erreichen.

Christian Abt sah einen Vorteil darin, dass viele Penzberger wie auch Roche-Mitarbeiter aus umliegenden Gemeinden nicht mehr quer durch die Stadt zur Aldi-Filiale am Bahnhof fahren müssten, was den Verkehr entzerren würde. Sollte sich ein großer Drogeriemarkt daneben ansiedeln, was CIMA und Verwaltung befürchten, sei das nicht unbedingt ein Nachteil, sagte Abt. "Die Penzberger fahren jetzt zu DM in andere Orte."

Die Mehrheit mochte sich den Argumenten nicht anschließen. Hauptgrund ist die Tatsache, dass Gewerbeflächen in Penzberg ein rares Gut sind. Solche Grundstücke sollten nicht für Einzelhandel freigegeben werden, befand der Stadtrat. Was die Drogerie-Märkte angehe, müsse man vorsichtig agieren, sagte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) in der Sitzung. Zwei Ketten betreiben in der Innenstadt Filialen. Würden sie von dort abwandern, werde dies negative Folgen für den Einzelhandel im Zentrum nach sich ziehen, so der Bürgermeister. Drogerien gelten bei Fachleuten als Frequenzbringer, sprich: Von den Kunden solcher Läden profitieren auch andere Geschäfte.

Nebenbei erwähnte Korpan, die Stadt stehe in Verhandlungen mit einer Drogeriekette, die sich gerne in Penzberg ansiedeln würde, ansonsten nach Wolfratshausen tendiere.

© SZ vom 28.08.2020
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