Bürgerversammlung in Penzberg:Es brennt

Bürgerversammlung in Penzberg: Uli Kattler von der Feuerwehr Penzberg meldete sich für seine Kameraden zu Wort. Er kritisierte, dass die Stadt noch immer keine Lösung für die Platznot im Feuerwehrhaus gefunden hat.

Uli Kattler von der Feuerwehr Penzberg meldete sich für seine Kameraden zu Wort. Er kritisierte, dass die Stadt noch immer keine Lösung für die Platznot im Feuerwehrhaus gefunden hat.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Sanierung oder Neubau der Penzberger Feuerwache: Die Ehrenamtlichen sind das Warten leid. Bürgermeister Stefan Korpan verweist auf ein neues Gutachten und die Finanznöte der Stadt.

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Seit 17 Jahren warten die Ehrenamtlichen der Freiwilligen Feuerwehr Penzberg auf eine Entscheidung. Das Feuerwehrhaus an der Winterstraße 8 ist zu klein: Entweder das Gebäude wird saniert oder die Stadt baut an anderer Stelle eine neue Wache. In der Bürgerversammlung machten Kommandantin Simone Abt und ihre Truppe mit ihrer Präsenz auf das Thema aufmerksam. Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) verwies auf ein neues Gutachten, das eine fundierte Entscheidungsbasis liefern soll. Denn aktiv werden muss die Stadt, da die Feuerwehr zu den Pflichtaufgaben einer Kommune zählt. Doch gibt es ein großes Problem: die klamme Stadtkasse.

Bürgerversammlung in Penzberg: Penzbergs Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) verwies auf ein neues Gutachten zum Feuerwehrhaus.

Penzbergs Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) verwies auf ein neues Gutachten zum Feuerwehrhaus.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Etwa 140 Bürgerinnen und Bürger waren in die Stadthalle gekommen - darunter zahlreiche Mitarbeitende der Verwaltung und die Mitglieder des Penzberger Stadtrats. Verteilt im großen Saal waren Männer und Frauen, die aufgrund ihrer Montur als Mitglieder der Feuerwehr zu erkennen waren. Als für sie Uli Kattler das Wort ergriff und zum Mikro schritt, erhoben sich die anwesenden Feuerwehrleute geschlossen von ihren Sitzen. Seit 17 Jahren gebe es Versprechungen, sagte Kattler. Nun würde man mit einem neuen Gutachten vertröstet. "Es passiert nichts", sagte er. Es könne nicht sein, dass dieses Ehrenamt nicht wahrgenommen, geschweige denn ernst genommen werde. "Wir sind 24 Stunden an 365 Tagen immer für die Stadt da", meinte Kattler bitter. "Da kann man schon eine gewisse Wertschätzung erwarten."

Blaulichtzentrum nicht zu finanzieren

Was denn mit den "Parallelplanungen" sei, von der Korpan vor drei Jahren gesprochen hätte, als das Projekt Blaulichtzentrum in der Layritz-Halle gestorben sei, wollte Kattler vom Bürgermeister wissen. Als er sein Amt angetreten hätte, habe er die "Rückmeldung" erhalten, ein Blaulichtzentrum sei nicht finanzierbar, erwiderte Korpan. 2017 hatte die Stadt die Halle samt Umgriff erworben. Die Feuerwehr sollte dort einziehen. Kostenschätzungen kursierten: Von 50, 60 Millionen Euro für den Umbau war die Rede. Korpan verwies auf das Gutachten, das er in diesem Jahr in Auftrag gegeben habe. Ergebnisse werden 2024 erwartet. "Ich möchte etwas Handfestes haben, um sagen zu können, ob wir sanieren oder bauen", erklärte Korpan. Aber eines müsse klar sein: Die Stadt habe keine 25 Millionen auf der Seite, um einen Neubau hinzustellen.

Damit war Kattler nicht zufrieden. "Seit 17 Jahren weiß man, dass die Feuerwehr mehr Platz braucht", sagte er. Im Haus an der Winterstraße gibt es nur eine gemeinsame Umkleide für Frauen und Männer. Auch bei der sogenannten Schwarz-Weiß-Trennung hapert es. Weil Hygiene ein zentrales Thema beim Gesundheitsschutz für Feuerwehrangehörige ist, sollte die bei einem Einsatz kontaminierte Arbeitskleidung nicht mit der Privatkleidung in Kontakt kommen. Rutschhemmende Fußböden, keine Stufen ins Gebäude beziehungsweise Treppen in der Wache, Sicherheit und vieles mehr sind die Problempunkte. "Wir müssen tagtäglich da drinnen arbeiten."

Korpan bat nochmals darum, das Ergebnis des Gutachtens abzuwarten. Auf dieser Grundlage müsse der Stadtrat entscheiden und Prioritäten setzen. "Dann sprechen wir uns in der Bürgerversammlung im kommenden Jahr wieder", versprach Kattler.

Penzberg hat kein Geld

Die schlechte Finanzlage der Stadt war mehrmals Thema bei der Bürgerversammlung. Schon in seinem Rechenschaftsbericht ließ Korpan die Versammlung wissen, dass noch keine finale Entscheidung getroffen wurde, ob Penzberg tatsächlich Austragungsort der Landesgartenschau 2028 sein werde. Zwar gebe es eine Förderung durch den Freistaat in Höhe von 80 Prozent, also acht Millionen Euro. Dennoch müsse der Stadtrat gut überlegen, ob man für die Landesgartenschau mehrere Millionen in die Hand nehmen wolle.

Bürgerversammlung in Penzberg: FDP-Kommunalpolitiker Timo Böge erkundigte sich nach dem Sachstand bei der Bürgermeister-Prandl-Schule, die dringend saniert werden muss.

FDP-Kommunalpolitiker Timo Böge erkundigte sich nach dem Sachstand bei der Bürgermeister-Prandl-Schule, die dringend saniert werden muss.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Korpan sprach von einer Zeit der Konsolidierung. Es könnten nicht mehr Großprojekte angestoßen werden. Ein solches Vorhaben thematisierte Timo Böge. Der FDP-Kommunalpolitiker sprach die sanierungsbedürftige Bürgermeister-Prandl-Schule an. "Wo stehen wir da?", wollte er wissen. Korpan antwortete, dass die neueste Machbarkeitsstudie in Richtung Neubau tendiere. Das bestätigte Stadtbaumeister Justus Klement. "Ich denke, da müssen wir noch eine Runde drehen", sagte er. Der frühestmögliche Zeitpunkt für einen Spatenstich - egal, ob Sanierung oder Neubau - könnte das Jahr 2026 sein. Auch da, betonte Korpan, hänge alles von der Haushaltslage der Stadt ab.

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