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Fast ein neues Stadtviertel:400 Wohnungen statt Einzelhandel

Penzberg Edeka-Areal Planung Wohnen

Im Süden entstehen mehrere Hundert Wohnungen - auch sozialgeförderte - mit viel Gründ rumherum. Geplant sind mehrgeschossige Gebäude, darunter Türme mit sieben Stockwerken.

(Foto: Küblböck Unternehmensgruppe/oh)

Der Regensburger Projektentwickler Herbert Küblböck präsentiert im Penzberger Stadtrat ein neues Konzept für das Edeka-Areal und erntet dafür durch die Bank großes Lob

Von Alexandra Vecchiato

Seit acht Jahren ist die Entwicklung des Edeka-Areals Thema in der Stadt Penzberg. Eine Lösung scheint nun endlich in Sicht. Mit einem neuen Konzept gelang es dem Regensburger Projektentwickler Herbert Küblböck, seine Kritiker verstummen zu lassen. Am Dienstag wurden die Pläne im Stadtrat erstmals öffentlich präsentiert. Statt ausschließlich auf Gewerbe und Einzelhandel zwischen Zibetholzweg, Grube und Henlestraße zu setzen, steht jetzt eine großzügige Wohnbebauung im Mittelpunkt des Vorhabens. Bis zu 410 Wohnungen könnten entstehen - und damit Platz für etwa 1000 Menschen, was wiederum Konsequenzen für die Infrastruktur in Penzberg hätte.

Ursprünglich wollte Küblböck ein Handelszentrum auf dem Edeka-Grundstück entwickeln. Dies wurde von den Gewerbetreibenden in der Innenstadt von Anfang an als Bedrohung ihrer Existenz angesehen und bekämpft. Der Gewerbeverein Pro Innenstadt hatte sogar eine Petition an den Landtag eingereicht. Küblböcks neue Pläne indes finden Gefallen bei den Einzelhändlern. Vertretern von Pro Innenstadt und den Stadtratsfraktionen war das neue Konzept bereits am Montag vorgestellt worden. Die Kehrtwende könnte nicht größer sein: In einer Stellungnahme teilt Pro-Innenstadt-Vorsitzende Monika Uhl mit, dass ihr Verein den Konzeptvorschlag der Küblböck-Unternehmensgruppe begrüße. Mehr noch: "Nach Beurteilung des Konzepts durch die Vorstandschaft sehen wir durch die Baumaßnahme keine Beeinträchtigung des innerstädtischen Handels", heißt es. Einer zügigen Umsetzung stehe demnach nichts mehr im Weg.

Edeka Areal Penzberg Modell

Neues Konzept: Alle Super- und Fachmärkte werden in den nördlichen Teil des Edeka-Areals verlegt.

(Foto: Küblböck Unternehmensgruppe/oh)

Schrittweise soll in sechs bis acht Jahren zunächst im Bereich des ehemaligen Zentrallagers ein neuer Edeka-Markt mit 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche (Bestand: 2900 Quadratmeter) gebaut werden. Geplant sind ferner ein Getränkemarkt mit 700 Quadratmetern (Bestand: 370 Quadratmeter) sowie ein Backshop und Bistro auf 200 Quadratmeter (Bestand: 105 Quadratmeter). Fix ist, dass der Discounter Lidl auf das Areal umzieht. Er bietet seine Produkte bislang auf 1000 Quadratmetern an. Am neuen Standort werden es 500 Quadratmeter mehr sein. Über eine Grunddienstbarkeit möchte die Stadt sicherstellen, dass am alten Lidl-Standort keine innenstadtrelevanten Sortimente angeboten werden.

Ebenfalls vorgesehen ist ein Fachmarkt für Tiernahrung und -bedarf auf 800 Quadratmetern. Damit scheint das Aus für einen Elektromarkt besiegelt. Keine Rolle mehr werden die Sparten Textil und Schuhe spielen. Die Verkaufsfläche insgesamt beläuft sich auf 6200 Quadratmeter, was einer deutlichen Reduzierung der eigentlich möglichen Fläche um gut 3000 Quadratmeter entspricht. Der Einzelhandelsbereich im Norden des Grundstücks ist insgesamt 23 700 Quadratmeter groß.

Projektentwickler Herbert Küblböck.

(Foto: Marco Einfeldt)

Weit mehr verzückt waren die Stadträte von den Plänen für das restliche Areal im südlichen Bereich mit 31 200 Quadratmetern. Etwa 410 Wohnungen hat der Projektentwickler dort vorgesehen - vorerst zumindest. Denn bei den vorgestellten Plänen handelt es sich lediglich um einen Entwurf. Küblböcks Unternehmensgruppe ist nicht auf Wohnbauprojekte spezialisiert. Für die Realisierung braucht er einen Bauträger an seiner Seite. Wie er im Stadtrat sagte, wolle er vier bis fünf Konzepte von Architekten entwerfen lassen. Dann erst fällt die Entscheidung, was tatsächlich auf dem Edeka-Areal gebaut wird. Um eine möglichst große Anzahl an Wohnungen schaffen zu können, muss in die Höhe gebaut werden. Küblböck spricht von vier- bis fünfgeschossige Gebäuden. Im Zentrum sind turmartige Häuser mit sieben Stockwerken geplant. Entstehen sollen 150 Zwei-Zimmer-Wohnungen, 150 Drei-Zimmer-Wohnungen, 100 Wohnungen mit vier Zimmern und zehn Fünf-Zimmer-Wohnungen. Aufgrund der Größe des Vorhabens greift die Richtlinie für sozialgerechte Bodennutzung (SoBoN). 30 Prozent wird geförderter Wohnungsbau für Einkommensschwächere.

Die Fahrzeuge der Bewohner verschwinden in einer Tiefgarage mit Zufahrten über einen Kreisverkehr an der Grube und über die Henlestraße. 600 Stellplätze umfasst sie. Leicht dürfte die Tiefgarage nicht zu bauen sein, denn auf dem Areal befinden sich Relikte aus der früheren Bergwerkszeit: Schächte wie der Henleschacht und Stollen verlaufen durch das Gelände. Sie wurden einst verfüllt. Das Wohngebiet selbst bleibt autofrei. Viel Grün und Wasserläufe umgeben die Häuser.

Auch wenn das Projekt auf einen Schlag eine große Entlastung für den angespannten Penzberger Wohnungsmarkt bedeuten würde, wurde so manchem Stadtrat mulmig angesichts der Masse. Denn zusammen mit den Wohngebieten an der Birkenstraße und am Daserweg sowie weiteren Bauwünschen könnte das an die 2000 neue Bürger für die 16 514 Einwohner zählende Kleinstadt Penzberg bedeuten - mit Auswirkungen auf Kindergärten, Schulen oder Kläranlage. Christine Geiger (CSU) gab Küblböck denn auch mit auf den Weg, dass der neue Edeka-Markt auf keinen Fall eingeschossig realisiert werden dürfe. 5000 Quadratmeter Dachfläche sei eine Verschwendung. In einem weiteren Geschoss könnte etwa eine Kinderbetreuungsstätte geschaffen werden, was alle Fraktionen begrüßen würden. Markus Bocksberger (Penzberg Miteinander) warb dafür, aus dem Wohnquartier ein Vorzeigeprojekt zu machen. Es dürfe keine x-beliebige Architektur entstehen, sagte er. Dass man das Projekt "architektonisch hinbringen" müsse, betonte auch Armin Jabs (Bürger für Penzberg). Nun ist die Verwaltung gefragt. Der Stadtrat beauftragte sie, die nächsten Schritte vorzubereiten, damit ein Bebauungsplan für das Areal aufgestellt werden kann.

© SZ vom 02.07.2020

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