Sechs Schächte und ein Flöz:Schwieriges Erbe

Förderrad Bergbau Kohleabbau

Das Denkmal an der Henlestraße erinnert an die Bergwerkszeit in Penzberg. Nebenan befand sich die frühere Hauptschachtanlage.

Die geplante Wohnbebauung auf dem Edeka-Areal in Penzberg kann womöglich wegen Bergwerks-Relikten nicht wie geplant errichtet werden.

Von Alexandra Vecchiato

Fast 200 Jahre lang wurde Pechkohle in Penzberg gefördert, bestimmten hohe Kamine, Schachtanlagen, Seilbahnen und Schutthalden das Bild der Siedlung, die im Jahr 1919 zur Stadt erhoben wurde. So stark die Erinnerung an die Bergwerkszeit in Penzberg gepflegt wird, so sehr können die Relikte jener Tage heutzutage Bauherren großes Kopfzerbrechen bereiten. Projektentwickler Herbert Küblböck hat es unter dem bestehenden Edeka-Markt samt Parkplatz gleich mit sechs Schächten und einem nahe der Oberfläche liegendem Flöz zu tun. Die Fachbehörden fordern eine eingehende Untersuchung. Sollte sich herausstellen, dass die Überreste des Bergwerks nicht ausreichend gesichert werden können, ist eine Umplanung erforderlich. Auf der Fläche sollen 385 Wohnungen entstehen.

Der Bebauungsplan "Edeka-Areal" stand zur Billigung auf der Tagesordnung des Penzberger Bauausschusses am Dienstag. Viele Einwände kamen von Nachbarn der umliegenden Wohngebiete. Sie kritisieren unter anderem die Dichte der neuen Bebauung, ebenso auch die Mehrgeschossigkeit. Das Amt für Jugend und Familie im Landratsamt Weilheim-Schongau meldete sich ebenfalls zu Wort und mahnte den Ausbau einer "sozialen Infrastruktur" an, den so viele neue Bewohner nach sich ziehen. In der Tat besagt ein Gutachten, dass die Stadt beauftragt hat, dass ein bis zwei neue Krippengruppen sowie zwei bis drei neue Kindergartengruppen geschaffen werden müssen.

Weitaus brisanter waren die Stellungnahmen von Bergamt Südbayern und Eon SE, Abteilung Mining Management. Es geht um die Relikte aus dem Pechkohleabbau. Beide Träger öffentlicher Belange kommen zu dem Schluss, dass "weitergehende Untersuchungen" notwendig seien, weil Lage und Zustand der verfüllten Schächte, die sich auf dem Gelände befinden, nicht genau bekannt sind. Daher solle im Bebauungsplan festgehalten werden, dass vorerst nur ein "bedingtes Baurecht" nach Paragraf 9 (Absatz 2, Satz 1) des Baugesetzbuches erteilt werden kann. Die Fachbehörden sind sich einig, dass die Schächte nicht überbaut werden dürfen.

Auch wenn bereits Untersuchungen vorliegen, können der Herzog-Karl-Theodor-Schacht, der Pumpen-Schacht, der Wetterschacht, der Henleschacht und drei Tagschächte erst im Detail untersucht werden, wenn der Edeka-Markt samt Parkplatz abgerissen werden. Beides wurde Mitte der 1970er-Jahre auf dem Betriebsgelände der 1966 stillgelegten Hauptschachtanlage errichtet. Küblböck versicherte dem Gremium, dass nach Rücksprache mit Amt und Experten eine Verfüllung mit einer speziellen Suspension möglich sei. Diese Maßnahme würde erlauben, dass die Wohnblöcke auf den Schächten errichtet werden könnten. Er jedenfalls sehe das Projekt nicht gefährdet, betonte Küblböck. Notfalls müssten die Architekten "etwas umplanen". Die Kosten für Untersuchung und Verfüllung belaufen sich nach seinen Angaben auf 600 000 bis 880 000 Euro.

Das Edeka-Areal soll in zwei Abschnitten entwickelt werden: Der Supermarkt wird neu im Bereich des früheren Zentrallagers gebaut. Dort wird sich auch der Discounter Lidl ansiedeln. Die Fertigstellung der Märkte soll 2024 erfolgen. Im südlichen Bereich mit 31 200 Quadratmetern ist ein neues Wohnquartier geplant. Die mehrstöckigen Häuser gruppieren sich um vier Höfe. Laut Entwurf ziehen sich öffentlich gewidmete Fußwege durch das Viertel. 2030 soll alles fertig sein.

© SZ vom 15.07.2021/aip
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