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Corona in Penzberg:Kindsbier-Feier mit Folgen

Zuprosten Feier Maßkrug Bier

Es soll eine feuchtfröhliche Feier gewesen sein, an jenem 26. Mai in der "Koinschaufe“. Kein Kavaliersdelikt in Corona-Zeiten.

(Foto: imago images/Ralph Peters)

Verstoß gegen die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie: Das Landratsamt Weilheim-Schongau leitet ein Bußgeldverfahren gegen Bürgermeister, Stadträte und Stadthallen-Wirt in Penzberg ein

Die Geburt eines Kindes - was gibt es für einen schöneren Grund zu feiern. In der Stadt Penzberg hat die Einladung zum "Kindsbier" nun Folgen, weil das fröhliche Feiern gegen die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie verstoßen hat. Die Penzberger Polizei hat Anzeige erstattet. Das Landratsamt Weilheim-Schongau seinerseits hat die Verfahren eingeleitet. Verantworten muss sich unter anderem Bürgermeister Stefan Korpan (CSU). Anwesend waren auch seine Amtsvorgängerin Elke Zehetner (SPD), CSU-Fraktionssprecher Nick Lisson und weitere Stadträte.

Adrian Auer, Wirt der Stadthallen-Gaststätte "Zur Koinschaufe" und jüngst Vater eines Buben geworden, bat Freunde am Dienstag, 26. Mai, zum Anstoßen in sein Gasthaus ein. Weil im großen Stadthallen-Saal nebenan der Penzberger Stadtrat tagte, waren dessen Mitglieder ebenfalls eingeladen - und etliche folgten dieser Einladung auch. Einige schauten nur kurz zum Gratulieren vorbei, andere wiederum blieben bis weit nach Mitternacht. Dabei waren zu diesem Zeitpunkt Zusammenkünfte von Personen aus mehr als zwei Haushalten untersagt. Außerdem galt am 26. Mai noch 22 Uhr als Sperrzeit für die Innengastronomie.

Das Remmidemmi blieb nicht unbemerkt. Ein Nachbar nahm eine Gruppe Rauchender vor der hell erleuchteten "Koinschaufe" wahr, die im Übrigen dienstags Ruhetag hat, und informierte die Polizei. Die Penzberger Beamten hatten es denn auch nicht weit, da Stadthalle und Inspektion nur wenige Meter auseinander liegen. Um 0.30 Uhr traf die Polizei ein. Etwa zehn bis 15 Personen befanden sich in der Gaststätte. Dem Vernehmen nach gelang es einigen Anwesenden, vor der Polizei Reißaus zu nehmen. Andere wurden erwischt. Von circa zehn Personen wurden die Personalien aufgenommen. Sie müssen mit einem saftigen Bußgeld rechnen. Über dessen Höhe entscheidet das Landratsamt. Bei Einzelpersonen können das bis zu 250 Euro sein. Härter könnte es den Wirt treffen. Das Bußgeld für Auer kann bis zu 5000 Euro ausmachen.

Bürgermeister Stefan Korpan hat seine Anhörung bereits erhalten. Er gibt unumwunden zu, dass es ein Fehler gewesen sei, auf die Geburt des Kindes in so großem Kreis anzustoßen. Gegen den Begriff "Corona-Party" verwahrt er sich indes. Wichtig ist Korpan, dem Gerücht entgegenzutreten, jemand aus dem Stadtrat hätte die Kollegen sozusagen verpfiffen. "Wir arbeiten gut und harmonisch zusammen", betont Korpan. Was nichts daran ändere, dass eine Strafe nur gerecht sei.

Das Stadtratstreffen samt nicht öffentlichem Teil dauerte etwa bis 21.45 Uhr. Schon während der Sitzung hatten Räte bemerkt, dass nebenan in der "Koinschaufe" gefeiert werde. Nicht alle Fraktionen waren anschließend beim Gratulieren. "Penzberg Miteinander" (PM) und die "Freie Lokalpolitik Penzberg" sind aus dem Schneider - letztere, weil beide Vertreter an der Sitzung gar nicht teilnahmen. "Ich kann es mir beruflich nicht leisten, mich anzustecken", sagt Markus Bocksberger (PM). Grünen-Stadträtin Kerstin Engel hat nach eigenem Bekunden kurz zum Gratulieren vorbeigeschaut, sei aber dann angesichts der vielen Leute schnell verschwunden. Das gilt auch für Wolfgang Sacher und Rüdiger Kammel (Bürger für Penzberg).

Die Kindsbier-Feier war nicht der einzige Verstoß in Corona-Zeiten. Das Landratsamt verhängte im gesamten Kreis 775 Bußgeldbescheide.

© SZ vom 25.06.2020

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