Es formieren sich zwei Lager in Penzberg: Während die Bürgerinitiative „Für den Erhalt der Menagehaus-Zeile“ angefangen hat, Unterschriften für ihr Bürgerbegehren zu sammeln, üben Hauseigentümer Kritik an der Fragestellung. Konkret machen Martin Ahammer, Chef der gleichnamigen Konditorei samt Cafés, und Jack Eberl ihrem Unmut Luft. Der Penzberger Stadtrat (Freie Lokalpolitik Penzberg) ist Miteigentümer der angrenzenden Immobilie (ehemals Gasthaus Bayerischer Hof). Beide verwahren sich dagegen, dass die Initiative mit ihrem Bürgerbegehren Privateigentum tangiert.
Ahammer und Eberl sind wütend. Das taten sie am vergangenen Samstag öffentlich mit einem Plakat am Stadtplatz kund – gleich neben dem Infostand der Bürgerinitiative. Sie kritisieren, dass die Initiative, die von Mitgliedern des Penzberger Denkmalvereins gegründet wurde, nicht im Vorfeld das Gespräch mit ihnen gesucht habe. Aus der Zeitung hätten sie erfahren müssen, so Ahammer, dass es bei dem Bürgerbegehren nicht allein um das Menagehaus, sondern auch um den Erhalt „der historischen Gebäude in der Penzberger Innenstadt“ gehe. Im Flyer der Initiative werden das Ahammer-Gebäude und das daneben befindliche Anwesen als ebenfalls stadtbildprägend aufgeführt mit dem Hinweis: „Die Häuser müssen erhalten bleiben als typisch Alt-Penzberger Gebäude“. Mit dem Zugpferd „Menagehaus“ würden die Bürgerinnen und Bürger mit nur einer Unterschrift über weiteres Privateigentum bestimmen. „Und was ein historisches Gebäude ist, bestimmt der Denkmalverein“, wettert Ahammer.

Beide betonen, dass jeder über sein Eigentum selbst entscheiden möchte. Das Bürgerbegehren an sich „tut uns nicht weh“, sagt Eberl. Momentan hätten beide keine Pläne für ihre Immobilien. Ahammer wohnt selbst in seinem Haus. „Wir haben Mietverträge, die noch bis 2023 laufen“, sagt Eberl. Dass sein Grundstück bereits im Internet angeboten wurde, heiße nicht, dass es schon Abriss-Absichten gebe. Nach sechseinhalb Monaten sei die Announce wieder gelöscht worden, „weil das Ganze sonst zu verwirrend gewesen wäre“. Das Inserat habe den Zweck gehabt, Ideen für das große, innerstädtische Areal an Bahnhof- und Friedrich-Ebert-Straße zu sammeln. Was die Zukunft bringen werde, müsse man sehen. „Aber das ist dann unsere eigene Entscheidung“, sagt Ahammer. „Man kann übrigens auch schön neu bauen.“

Jetzt werde man erst einmal abwarten, ob es der Bürgerinitiative gelinge, die benötigten Unterschriften zu sammeln. Mindestens 1570 wahlberechtigte Penzbergerinnen und Penzberger müssen sich auf den Listen eintragen, um einen Bürgerentscheid zu erreichen. Sollte dies gelingen, behalten sich Ahammer und Eberl rechtliche Schritte vor. Denn für sie ist die Fragestellung des Bürgerbegehrens „rechtlich zweifelhaft“. Sollten beide aus ihrer Sicht einen Anwalt konsultieren müssen, stelle sich die Frage nach der Kostenübernahme, so Eberl. Vielen Unterzeichnern sei die „problematische Formulierung“ nicht bewusst. Er sei nicht gegen das demokratische Instrument eines Bürgerbegehrens, doch müsse Privateigentum herausgehalten werden.
Während Eberl und Ahammer über die Vorgehensweise der Bürgerinitiative im Café direkt am Stadtplatz schimpfen, sammeln draußen nur ein paar Meter weiter Max Kapfer und seine Mitstreiter von der Initiative weiter Unterschriften. Man wolle die Hauseigentümer nicht enteignen, erklärt Günther Pfannkuch von der Initiative. Es gehe um eine verträgliche Baukultur in der Innenstadt. Immerhin seien die genannten Gebäude im „Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept“, kurz ISEK, als schützenswert benannt worden.

Auslöser des Disputs, wie Penzbergs Zentrum künftig aussehen soll, sind die Pläne des Bauträgers „Bayernwohnen“ aus Stephanskirchen bei Rosenheim. Er möchte die bestehenden Gebäude auf den Grundstücken Bahnhofstraße 21, 23 und 25 sowie Friedrich-Ebert-Straße 4 abreißen und einen Wohn-, Büro- und Geschäftskomplex mit bis zu sechs Geschossen errichten. Die Massivität des Neubaus auf dem etwa 3750 Quadratmeter großen Innenstadt-Areal spaltete den Penzberger Stadtrat. Kürzlich verlas Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) in einer Bauausschuss-Sitzung die Stellungnahme der Unteren Denkmalschutzbehörde am Landratsamt Weilheim-Schongau. Es ging darum, ob das Menagehaus unter Denkmalschutz gestellt wird. Das Amt verneint dies, weil die Umbauten im und am Gebäude zu massiv seien.
„Das Schreiben ist ein Ladenhüter“, sagt dazu Max Kapfer, Vorsitzender des Denkmalvereins. Ihm liege die Stellungnahme seit Monaten vor. Warum der Penzberger Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) diese in öffentlicher Sitzung bekanntgibt, just, nachdem die Bürgerinitiative angefangen habe, Unterschriften für den Erhalt des Menagehauses zu sammeln, könne nur der Chef der Rathaus-Verwaltung beantworten, meint Kapfer.

