Das künftige Gesicht ihrer Innenstadt ist den Penzbergerinnen und Penzbergern nicht gleichgültig. Mehr als 80 Interessierte waren der Einladung der Einzelhändlervereinigung „Pro Innenstadt“ am Montag ins Rathaus gefolgt, um sich mit Stadtverwaltung und Projektträger „Bayern Wohnen“ über die Pläne für die Häuserzeile mit dem Menagehaus auszutauschen. Eine im Anschluss von Pro Innenstadt organisierte Umfrage ergab, dass eine Mehrheit der Anwesenden – 75 Bürger füllten Fragebögen aus – unter anderem das Volumen des Baukomplexes und dessen Architektur kritisch sehen. Für Pro-Innenstadt-Vorsitzende Monika Uhl geht daraus hervor, dass „die Pläne in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft“ weiterentwickelt werden müssen. Sie forderte von der Stadt eine Bürgerbeteiligung ein, von „Bayern Wohnen“, dass der Investor sein Vorhaben vorerst zurückstellt. Zum ersten Mal öffentlich war die Rede von einem Bürgerbegehren.

Im Juni hatte der Penzberger Bauausschuss die Änderung des Bebauungsplans „Altstadtsanierung“ beschlossen und damit schon einmal das Volumen des Bauvorhabens an der Bahnhofstraße 21 bis 25 festgelegt. Auch die Geschosse – entlang der Hauptstraße vier und fünf im Wechsel – wurden thematisiert, ebenso wie der Plan, zwei Hof-Gebäude auf dem 3750 Quadratmeter großen Areal zu errichten. Das Votum war nicht einstimmig. Es regte sich die Kritik an der Masse des geschlossenen Baukörpers an der Bahnhofstraße. Schon im vergangenen Jahr hatte der Verein für Denkmalpflege und Penzberger Stadtgeschichte 750 Unterschriften für den Erhalt des historischen Menagehauses gesammelt. Denn für das Projekt der „Bayern Wohnen“ müssten alle vorhandenen Gebäude abgerissen werden. Nicht glücklich, dass diese Entscheidung im Bauausschuss fiel, beantragten die Fraktion von Penzberg Miteinander und die beiden Grünen-Stadträte Kerstin Engel und John-Christian Eilert, dass der Stadtrat als Gesamtgremium über die Änderung sprechen müsse – in der Hoffnung, dass die Abstimmung dann anders ausgehen könnte. Der Stadtrat wird sich also in der Juli-Sitzung erneut mit dem Thema auseinandersetzen.
Kein Geld für Bürgerbeteiligungsprozess
Auch bei den Bürgerinnen und Bürgern regte sich Unmut und Kritik, nachdem die Pläne für das Menagehaus-Viertel bekannt wurden. Diese Stimmung griff Pro Innenstadt auf und organisierte eine Informationsveranstaltung. Vorab stellte das Bauamt ein Modell der Bahnhofstraße im Rathaus-Foyer aus, damit sich Interessierte ein Bild machen können. An diesem Modell begann der Abend – und das schon fast mit einem Eklat. Kritiker des Neubau-Vorhabens hatten kleine Figuren, also Menschen, angefertigt, um die Dimensionen zu verdeutlichen. Stadtbaumeister Justus Klement warf beim Anblick der winzigen Figuren ein, dass sie nicht den richtigen Maßstab besäßen, was sofort heftigen Widerspruch auslöste.
Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) war es wichtig klarzustellen, dass es eine „reine Infoveranstaltung“ sei und es sich nicht um eine offizielle Bürgerbeteiligung an diesem Abend handle. 2022 hatte „Bayern Wohnen“ aus Stephanskirchen das Areal erworben. Die Stadt hätte zwar ein Vorkaufsrecht gehabt, sagte Korpan, aber der Verkaufspreis habe ihre finanziellen Möglichkeiten überstiegen. Was die sogenannte Planwerkstatt betreffen, so werde sie in den kommenden Jahren nicht stattfinden können. Penzberg habe kein Geld dafür, es gehe um einen sechsstelligen Betrag. Die Planwerkstatt sollte ein Prozess mit Bürgerbeteiligung sein, in dem die bauliche Entwicklung der Innenstadt festgelegt werden sollte.

Eigens seinen Südtirol-Urlaub unterbrochen hatte Bayern-Wohnen-Geschäftsführer Andreas Entreß. Gemeinsam mit Projektleiterin Florentine Jobst und Architekt Wolfgang Emrich skizzierte er das Vorhaben. Er sei auf Penzberg gekommen, da ihm die „Ecke“ gefalle. In Bad Heilbrunn plane seine Firma Mehrfamilien- und Doppelhäuser. Unattraktiv zu bauen, könne er sich nicht leisten, da er ja die Ladenflächen und vor allem die neuen Wohnungen verkaufen wolle. An seinen Aussagen wolle er sich messen lassen, betonte Entreß, der im Übrigen die Anwesenden aufforderte, ihm und seinem Team über die Schulter zu blicken. „Die Qualität (der Architektur, Anm. d. Red.) soll kein Lippenbekenntnis sein.“
Unruhig wurde es im Sitzungssaal, als Klement von einer „geschlossenen Bebauung“ sprach, die man sich seitens der Stadt an der Bahnhofstraße wünsche. Bärbel Scholz hakte nach: Die Stadt dürfe schöner werden, aber man sollte ihre Vergangenheit noch spüren können, sagte sie. Ferner warb sie für eine Bürgerbeteiligung, um Penzberg gemeinsam zu entwickeln. Eine „geschlossene Bauweise“ fördere das Einkaufserlebnis, so Klement. Eine Unterbrechung der Fassade würde das „Flanieren kaputtmachen“.

Thomas Kopf brachte es für viele Anwesende auf den Punkt: Ihm fehle bei dem vorliegenden Entwurf die „Identität“, sagte er. Er könne darin Penzberg nicht erkennen. Dabei gehe es doch jetzt darum, den „Auftritt“ der Stadt für die nächsten Jahrzehnte zu gestalten. „Wo ist die Vision?“, fragte Kopf. Das wäre bisher nicht „gemeinschaftlich geklärt“, erwiderte der Stadtbaumeister, der schon eine Vision zu erkennen denkt: „Traditionell – innovativ“ solle Penzberg sein.
Bürgermeister Korpans Einwand, man sei nun mal nicht Bad Tölz oder Murnau, wollte Kopf nicht stehenlassen: „Das ist völlig falsch beantwortet“, erklärte er. Oder reiche es, über die Kleinstadt zu sagen: „Wir sind nah an der A 95“ oder „Wir sind nicht schön, aber praktisch“.
Solle man sich die „Identität“ Penzbergs von einem außenstehenden Bauträger schaffen lassen oder „haben wir selbst eine Idee?“, fragte Katja Wippermann. Sie bat darum, eine Planwerkstatt mit Bürgerbeteiligung zu organisieren, die keine sechsstellige Summe kostet. „Denn wir schaffen einen Präzedenzfall für andere Bauvorhaben“, warnte Wippermann. „Wir verlieren den Zugang und die Hoffnung, dass sich die Stadt gut entwickelt.“

