Kommunalpolitik:Ein Leitbild für die Innenstadt

Lesezeit: 3 min

Kommunalpolitik: Wie viele Innenstädte hat auch Penzberg zu kämpfen. Der Onlinehandel setzt den lokalen Geschäftsleuten zu. Nun stehen in ein paar Jahren auch noch private Bauvorhaben an, die das Gesicht des Zentrums nachhaltig ändern werden.

Wie viele Innenstädte hat auch Penzberg zu kämpfen. Der Onlinehandel setzt den lokalen Geschäftsleuten zu. Nun stehen in ein paar Jahren auch noch private Bauvorhaben an, die das Gesicht des Zentrums nachhaltig ändern werden.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Stadt Penzberg möchte die großen privaten Bauvorhaben der nächsten Jahre in geordnete Bahnen führen. Ein städtebaulicher Wettbewerb im Zentrum soll dafür verbindliche Vorgaben schaffen.

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Die Gerüchte überschlagen sich. Fast täglich gibt es neue über etwaige Bauvorhaben in der Penzberger Innenstadt zu hören - und darüber, wer welches Grundstück verkauft oder erworben hat. Stadtbaumeister Justus Klement ist selbst mit "wilden" Spekulationen konfrontiert worden, wie er berichtet. Grund genug für ihn und Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) einiges klarzustellen - und auch die Sorgen der Bürger zu zerstreuen. Damit die Innenstadt Penzbergs ein attraktives Gesicht bekommt, ist ein städtebaulicher Wettbewerb in Planung. Externe Fachbüros sollen sich die Gegebenheiten anschauen und der Stadt aufzeigen, wie sie sich die Entwicklung des Zentrums vorstellen. "Wir brauchen ein Leitbild, eine Vorstellung davon, wo wir baulich hinwollen", sagt Klement. Dieses Leitbild wird verpflichtend für Bauherrn. Die Ergebnisse des Innenstadt-Wettbewerbs, die in die Bebauungspläne übertragen werden, werden voraussichtlich im Herbst 2023 vorliegen.

Kommunalpolitik: Die ehemalige Metzgerei Zörner gehört der Stadt Penzberg. Das Haus samt Grundstück wurde noch nicht an einen Investor verkauft, betont Bürgermeister Stefan Korpan.

Die ehemalige Metzgerei Zörner gehört der Stadt Penzberg. Das Haus samt Grundstück wurde noch nicht an einen Investor verkauft, betont Bürgermeister Stefan Korpan.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Fachbüros sollen sich Gedanken machen zu einem Bereich rund um den Stadtplatz mit der Genossenschaftssiedlung, dem Quartier gegenüber mit der ehemaligen Metzgerei Zörner und der Bahnhofstraße bis zur Einmündung der Ludwig-März-Straße. Das sei mit der Regierung von Oberbayern und dem beteiligten Stadtplaner Eberhard von Angerer so besprochen, sagt Klement. Ausgespart werden soll die Philippstraße. Man sei sich einig, dass es sich um einen "schönen", historisch gewachsenen Straßenzug handle, lediglich der Straßenraum an sich soll dort aufgehübscht werden. Die Siedlung der Penzberger Baugenossenschaft solle in die Überlegungen einbezogen werden, da sie schützenswert sei. "Aber wir haben einen Höhensprung vo vier Metern im Gelände." Daher müsse man darauf achten - sollte es zum Abriss des Altbestandes an der Bahnhofstraße kommen -, wie sich die Neubauten bei den historischen Wohnhäusern entwickelten. Am Wettbewerb sollen die Grundstückseigentümer beteiligt werden. Das habe den Vorteil, sagt Klement, dass Investoren, die in der Jury sitzen, von Anfang an in den Entscheidungsprozess einbezogen seien und die Ergebnisse so besser mittragen könnten. Die Regierung von Oberbayern fördert die Vorbereitung und Durchführung des Leitbild-Wettbewerbs. In der Dezember-Sitzung des Bauausschusses wird Stadtplaner Angerer dessen Grundzüge und die Idee dahinter vorstellen.

Kommunalpolitik: Auch für das Bahnhofsareal gibt es einen städtebaulichen Wettbewerb. 16 Planer machen sich Gedanken um dessen Entwicklung.

Auch für das Bahnhofsareal gibt es einen städtebaulichen Wettbewerb. 16 Planer machen sich Gedanken um dessen Entwicklung.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Mehr als 4000 Quadratmeter an der Bahnhofstraße haben jüngst den Eigentümer gewechselt. Der Komplex mit früherem "Purzmurzl"-Laden, dem ehemaligen Modehaus Lampka, dem historischen Menagehaus und der Bahnhofsapotheke gehört dem Immobilienunternehmen Bayernwohnen aus Stephanskirchen. Es soll auch Interesse daran haben, das angrenzende Gebäude mit "Ari's Taverne" und der Parfümerie Wiedemann zu erwerben. Davon wisse man offiziell nichts, sagte Bürgermeister Korpan. Sollte es um einen Verkauf gehen, müsse die Stadt vorab informiert werden. Denn sie hat ein Vorkaufrecht für Grundstücke im Zentrum. Bayernwohnen habe sich im Rathaus vor längerer Zeit vorgestellt. Allerdings ohne konkrete Pläne für ein Bauvorhaben, nur mit der Aussage, in etwa drei Jahren an der Bahnhofstraße den Altbestand abreißen und anschließend neu bauen zu wollen. Ebenfalls eine Veränderung wird es auf dem Grundstück der früheren Gaststätte Bayerischer Hof geben. Die Eigentümer möchten zeitnah verkaufen, heißt es. Gerüchte, die Stadt hätte die ehemalige Metzgerei Zörner und das Wohnhaus an der Philippstraße 30 an Investoren bereits verkauft, entkräftet Korpan. "Das stimmt definitiv nicht", betont er.

Kommunalpolitik: Könnte das neue Willkommenszentrum für die Besucher der Landesgarten 2028 werden: Das Wohnhaus an der Philippstraße 30 hat Charme, eine neue Nutzung ist durch sein Hochparterre allerdings schwierig.

Könnte das neue Willkommenszentrum für die Besucher der Landesgarten 2028 werden: Das Wohnhaus an der Philippstraße 30 hat Charme, eine neue Nutzung ist durch sein Hochparterre allerdings schwierig.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Allerdings sei es überlegenswert, ob die Stadt selbst beide Flächen entwickeln soll. Das koste viele Millionen, sagt Korpan, was den städtischen Haushalt belasten würde. Der Stadtrat müsse abwägen, ob es nicht geschickter sei, das Ganze einem privaten Bauherrn zu überlassen. "Aber natürlich sagen wir als Stadt, was wir dort haben wollen." Vor allem das Wohnhaus an der Philippstraße 30 ist für die Zukunft von Bedeutung. An dieser Schnittstelle gehen die Pläne für das Bahnhofsareal Hand in Hand mit jenen für die Landesgartenschau 2028. Der Leitbild-Wettbewerb für das Zentrum ist nämlich nicht der einzige: In der Stadtratssitzung am Dienstag, 29. November, wird der Ideenwettbewerb für das Bahnhofsareal Thema sein. Darin wird nicht allein die Zukunft dieses Wohnhauses beleuchtet, sondern vor allem jene der städtischen Fläche jenseits des Bahngleises. Der Park&Ride-Platz könnte verkauft oder in Erbpacht an einen Investor vergeben werden. Einzelhandel, Wohnen und Parken seien dort möglich, betont der Bürgermeister. 16 Planer beteiligen sich an diesem Wettbewerb. Auch deren Ergebnisse, wie die des Wettbewerbs für die Landesgartenschau, sollen im Herbst 2023 präsentiert werden.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema