Diskussionsabend:Schreckgespenst Leerstand

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Diskussionsabend: Die Rid-Filiale an der Karlstraße schließt Ende des Jahres. Angeblich zieht Woolworth dort ein.

Die Rid-Filiale an der Karlstraße schließt Ende des Jahres. Angeblich zieht Woolworth dort ein.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Bürger für Penzberg diskutieren mit Gewerbeverein und Bürgern über die Zukunft der Innenstadt.

Von Arnold Zimprich und Alexandra Vecchiato

Die Nachricht, dass Ende des Jahres beide Lampka-Modehäuser sowie die Rid-2-Filiale an der Karlstraße zum Ende des Jahres schließen werden, schlug in der Stadt ein wie eine Bombe. Es sind nicht die ersten Traditionsläden in der Penzberger Innenstadt, die dichtmachen. Umso mehr wächst die Sorge, die auch im Umland beliebte Einkaufsstadt könnte im Zentrum veröden. Noch gibt es keine signifikanten Leerstände - doch Handyläden und Pizzalieferdienste empfindet nicht jedermann als adäquaten Ersatz. Die Wählergruppierung Bürger für Penzberg (BfP) hat sich des Themas "Wie soll ein lebenswertes Penzberg in den nächsten Jahrzehnten ausschauen?" angenommen und zu einer ersten Diskussionsrunde in die Stadthalle eingeladen. Weitere Abende zur Stadtentwicklung sollen folgen.

Dass Penzbergs Innenstadt, am Kreuzungspunkt zweier Staatsstraßen gelegen, nicht gerade zum Flanieren einlädt und dort keine Wohlfühlatmosphäre entstehen kann - darin waren sich viele Anwesende einig. Etwa 15 Bürger waren zur Auftaktveranstaltung gekommen. Bad Tölz und Murnau seien da mit ihren Fußgängerzonen bei Weitem attraktiver. Doch auch diese aus touristischer Sicht schönen Städte, so wusste Monika Uhl, die Vorsitzende des Gewerbevereins "Pro Innenstadt", teilten die Penzberger Probleme wie drohende Leerstände. Immerhin gab es positive Neuigkeiten zu berichten. Für die drei schließenden Geschäfte soll es Nachfolge-Nutzungen geben. Dem Vernehmen nach interessiert sich Woolworth für die Flächen von Rid 2.

Diskussionsabend: Das Modehaus Lampka schließt seine beiden Standorte, hier das Geschäft an der Bahnhofstraße.

Das Modehaus Lampka schließt seine beiden Standorte, hier das Geschäft an der Bahnhofstraße.

(Foto: Manfred Neubauer)

Im Publikum ging es mitunter emotional zu. "Man muss mehr für Senioren tun", forderte etwa Seniorenbeirätin Liselotte Schlossbauer. Sie verwies auf die kleineren Nachbarkommunen Sindelsdorf und Iffeldorf, wo es Seniorentaxis gäbe. Armin Jabs, BfP-Fraktionssprecher im Stadtrat, konterte, dass die Penzberger vier Stadtbuslinien mit bester Vertaktung zur Verfügung hätten und ein Seniorentreff in den ehemaligen Räumen der "Oase" bei der Christkönigkirche in Planung sei. Auch die kurzen Wege von den Parkplätzen zu den Geschäften, wie sie für Penzberg charakteristisch sind, seien für Senioren praktisch.

Ulrich Giesecke, den die BfP als Gastreferent eingeladen hatten, sieht indes in der Autofreundlichkeit der Stadt ein Grundübel, dem man nur mit einem Mittel begegnen könne: mit Tunneln. Seine Vision umzusetzen, würde das Erscheinungsbild Penzbergs grundlegend ändern. Er sprach sich für eine Untertunnelung der gesamten Bahnhofstraße bei gleichzeitiger Umwandlung derselben in eine Fußgängerzone aus. Solch ein Großprojekt zur Verkehrsentlastung hat zum Beispiel Starnberg umgesetzt. Der von Sindelsdorf kommende Verkehr würde dann über die ehemalige Bahntrasse westlich an der Innenstadt vorbeigeführt, so Giesecke. Der von Bad Tölz bzw. Bichl kommende Verkehr zur Entlastung der Bichler Straße durch einen "nur etwa 500 Meter langen" Tunnel unter dem "Schachthügel" durchgeleitet.

Diskussionsabend: Monika Uhl, Jörn Millan (beide von Pro Innenstadt), Ulrich Giesecke und BfP-Fraktionssprecher Armin Jabs (von links) diskutierten über die Zukunft der Penzberger Innenstadt.

Monika Uhl, Jörn Millan (beide von Pro Innenstadt), Ulrich Giesecke und BfP-Fraktionssprecher Armin Jabs (von links) diskutierten über die Zukunft der Penzberger Innenstadt.

(Foto: Manfred Neubauer)

Uhl sieht Gieseckes Vorschläge skeptisch. "So wie ich das in der Kommunalpolitik bisher miterlebt habe, glaube ich nicht, dass ich noch erleben werde, wie die Penzberger Innenstadt in eine Fußgängerzone verwandelt wird", sagte sie. Das Thema Fußgängerzone ploppt alle paar Jahre auf. Auch die BfP hatten vor acht Jahren im Wahlkampf eine Umwandlung gefordert. Zwar wünscht sich die 47-Jährige eine "Wohlfühlatmosphäre" in der Innenstadt, Gieseckes radikale Autoverbannung könne jedoch nicht die Antwort sein. Für Optiker Jörn Millan, der als zweiter Vorsitzender von Pro Innenstadt teilnahm, ist die Möglichkeit, direkt vor seinem Laden an der Bahnhofstraße zu parken, einer der Penzberger Vorteile schlechthin. "Ich habe viele ältere Kunden. Die, die schlecht zu Fuß sind, können mit dem Auto direkt vor dem Laden parken, es sind nur wenige Schritte."

Der ehemalige Stadtbaumeister und BfP-Mitglied Hermann Weinrich appellierte an alle Anwesenden, sich mit konkreten Ideen, Geduld und dem Willen zum Dialog an einen Tisch zu setzen. "Nur so", mahnte Weinrich, der den Umbau der Bahnhofstraße vor 13 Jahren mitverantwortete, "kann etwas daraus werden."

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