Penzberg:Auf Herausforderungen abonniert

Lesezeit: 3 min

Das "Sinfonieorchester im Pfaffenwinkel" feiert sein 25-jähriges Bestehen mit einem Festkonzert und Hackbrett

Von Reinhard Szyszka, Penzberg

"Ein ruhiges Tempo zum Warmspielen!" Die Anweisung des Dirigenten löst Gelächter aus. Angesichts der tropischen Außentemperaturen ist den Musikern eher nach Kaltspielen als nach Warmspielen zumute. Doch alle wissen, was gemeint ist, und sogleich herrscht wieder Ruhe und Konzentration im Probenraum. Der Dirigent gibt den Einsatz, und die markanten Rhythmen und exotischen Klänge der "Andalusischen Variationen" durchfluten den Saal. Der Komponist Holger Aurel Jung ist selbst anwesend und hat den Klavierpart übernommen.

Seit 25 Jahren gibt es jetzt das Sinfonieorchester im Pfaffenwinkel, früher Penzberger Kammerorchester genannt, und die "Andalusischen Variationen" sind Teil des Jubiläumsprogramms. Am Samstag, 18. Juli, soll das Werk in der Penzberger Stadtpfarrkirche seine Uraufführung erleben. Doch nicht nur nach Spanien geht die musikalische Reise bei diesem Konzert, sondern auch auf die britischen Inseln. Neben der "Simple Symphony" des Engländers Benjamin Britten steht Mendelssohns "Schottische Sinfonie" auf dem Programm. Durchaus anspruchsvolle Werke also, die Dirigent Günther Pfannkuch da für seine Leute ausgewählt hat.

Aber das Orchester hat im Laufe seines Bestehens schon ganz andere "Brocken" gemeistert: das Verdi-Requiem etwa, die Mendelssohn-Oratorien, die großen Mozart-Sinfonien und etliche andere Meisterwerke mehr. Oft haben die Musiker mit dem Vocalensemble Penzberg zusammengearbeitet; im Jubiläumskonzert will das Orchester sein Können allein unter Beweis stellen.

Derzeit proben 17 Stammspieler - allesamt Streicher - beim Sinfonieorchester im Pfaffenwinkel. Fast alle sind Hobbymusiker, die nur in ihrer knapp bemessenen Freizeit zur Geige, zur Bratsche oder zum Cello greifen können; lediglich Konzertmeisterin Pia Janner-Horn ist Musikpädagogin. Doch wer deswegen Abstriche an der musikalischen Qualität erwartet, sieht sich bald eines Besseren belehrt. Die Streicher bewältigen mit Bravour die rhythmischen Vertracktheiten und Taktwechsel, die Holger Jung in sein Stück eingebaut hat.

Ländliche Konzerte Penzberg

Günther Pfannkuch ist der Gründer und Motor des "Sinfonieorchesters im Pfaffenwinkel".

(Foto: Manfred Neubauer)

Dirigent Günther Pfannkuch ist ein höflicher, ruhiger Mann; freundlich lächelnd gibt er seine Anweisungen, aber er weiß genau, was er musikalisch will. So präzise wie sein Schlag sind auch seine Ansagen. Gerne lässt er längere Passagen ohne Unterbrechung durchspielen, um den Musikern ein Gespür für den Gesamtaufbau des Werks zu vermitteln. Danach erst sagt er den Spielern, wo es hakt, und was noch besser werden muss. Manchmal bringt sich auch der Komponist vom Klavier aus ein und erläutert seine Klangvorstellungen.

Die "Andalusischen Variationen" sind ein Werk für Hackbrett und Orchester. Das Hackbrett ist kein originäres Instrument der andalusischen Volksmusik; immerhin hat es als "Salterio" Eingang in die spanische Barockmusik gefunden. In Penzberg war der Grund für die Wahl des Soloinstruments jedoch ein anderer: Die junge Annika Popp, eine hochbegabte Schülerin der Musikschule, hat sich dieses Instrument ausgesucht und es bereits zu virtuoser Meisterschaft gebracht. Eigens für sie hat Holger Jung sein Werk geschrieben. Der Komponist ist für die Penzberger beileibe kein Unbekannter: in der Vergangenheit hat er "Jesus Christ Superstar" für sie arrangiert und "Deborah" komponiert.

Ohne eine Spur von Nervosität steht Annika Popp inmitten des Orchester-Halbkreises und lässt die Schlegel über die Saiten des Hackbretts tanzen. Mühelos bewältigt sie den anspruchsvollen Solopart, und auch das Zusammenspiel mit den Streichern klappt problemlos, obgleich dies ihre erste Probe gemeinsam mit dem Orchester ist. Später, wenn dann in der Hauptprobe und im Konzert die Bläser hinzutreten, wird das Hackbrett mit einem Mikrofon verstärkt werden, damit das volle Orchester die zarten Klänge des Soloinstruments nicht übertönt.

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17 Stammspieler, alles Streicher, finden sich regelmäßig zu den Proben zusammen. Souveräne Solistin am Hackbrett: Annika Popp.

(Foto: Manfred Neubauer)

Als das Orchester seinerzeit im Rahmen des Adventskonzerts 1990 der Penzberger Musikschule zum ersten Mal vor die Öffentlichkeit trat, hätte wohl niemand geahnt, dass daraus eine Institution werden würde, die nunmehr auf ein Vierteljahrhundert und mehr als 80 Konzerte zurückblickt. Dirigent Günther Pfannkuch und auch einige Stammspieler sind von Anfang an dabei; einer der Cellisten, Stefan Horn, hat es sogar geschafft, bei ausnahmslos jedem Konzert seit Bestehen mitzuspielen. Und ein Ende ist nicht in Sicht: Das Sinfonieorchester im Pfaffenwinkel will auch in Zukunft die Herausforderung nicht missen, die großartigsten Werke der Musikgeschichte auf dem höchsten Niveau, das Laien erreichen können, zu erarbeiten. So steht den nächsten 25 Jahren eigentlich nichts im Wege.

Konzert des Sinfonieorchesters im Pfaffenwinkel mit Werken von Holger A. Jung, Benjamin Britten, Felix Mendelssohn Bartholdy, Samstag, 18. Juli, 20 Uhr, Stadtpfarrkirche Christkönig in Penzberg: Karten zu 18 und 22 Euro (Schüler und Studenten 7 Euro) gibt es im Vorverkauf in der Buchhandlung Rolles, Tel. 08856/4344 und beim Gelben Blatt, Tel. 08856/9140.

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