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PCB in Tölzer Schulen:Giftig, aber nicht gefährlich

Die Förderschule und einzelne Räume der Realschule sind mit dem krebserregenden Stoff belastet. Die Grenzwerte sind jedoch nicht überschritten. Der Komplex wird nun für 5,6 Millionen Euro saniert.

Es geht keine Gesundheitsgefährdung von der PCB-Belastung in der Tölzer Förderschule aus: Das war die gute Nachricht, die Eike Roscher vom Landesinstitut für Gesundheit den Kreisräten mitteilen konnte. Der Schul- und Bauausschuss des Kreistags informierte sich am Mittwoch bei einem Rundgang im Tölzer Schulzentrum über den aktuellen Stand. Schulleiter und Dritter Landrat Klaus Koch (Grüne) zeigte sich zwar erleichtert, doch seine Mitarbeiter machten sich Sorgen. Für sie bietet das Gesundheitsamt kostenlose Untersuchungen an, auch wenn die Messergebnisse besagten, dass dies nicht erforderlich sei, sagte Petra von Jagemann vom Landratsamt.

Die PCB-Belastung geht von der Außenfassade aus. Diese Vermutung habe sich bewahrheitet, sagte Hauptamtsleiter Rene Beysel. Im Juni hatten Messungen eine erhöhte PCB-Konzentration in der Raumluft ergeben - allerdings nicht in allen Räumen. Seitdem kontrollierte der TÜV mehrfach die Belastung mit dem krebsauslösenden Gift. Mittlerweile habe man ein umfangreiches Bild, sagte Beysel. Die Werte in den meisten Räumen liegen unter oder knapp über dem Richtwert 1 von 300 Nanogramm pro Kubikmeter Luft. Im Sekretariat sowie im Büro von Klaus Koch wurden gut 1700 Nanogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Allerdings werden erst von 3000 Nanogramm an dringende Maßnahmen empfohlen, um eine Gesundheitsgefährdung zu verhindern.

Hauptamtsleiter Rene Beysel (Mitte) mit den Kreisräten.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Verantwortlich für die Belastung ist hauptsächlich die Fugenmasse zwischen den Betonpaneelen an der Außenfassade. In diese Masse seien wohl beim Bau 1972 PCB-haltige Materialien gemischt worden, sagte Beysel. Doch nicht alle Fugen sind kontaminiert. "Es gibt hochbelastete Fugen und ein paar Meter weiter gar nichts", sagte Beysel. Man habe sich mit den Fachleuten an den Sanierungsablauf herantasten müssen. Das Lüften nach außen habe dauerhaft nicht den gewünschten Effekt gezeigt, weil durch die Fugen wieder Luft und damit PCB ins Innere gezogen ist. Also habe man saubere Luft von außen in das Direktorat geleitet, was zur Folge hatte, dass sich die Belastung auf etwa 900 Nanogramm halbierte.

In den nächsten drei bis vier Monaten sollen Spezialfirmen die belasteten Fugen an der Süd- und Westfassade entfernen. Danach werde mit der Fassadensanierung an Förder- und Realschule begonnen. Kosten: 5,6 Millionen Euro. Sollten Messungen ergeben, dass die Raumluft weiterhin deutlich über dem Richtwert 1 belastet bleibt, müssten Lüftungsanlagen eingebaut werden, erklärte Beysel. Hierfür veranschlagt er weitere 2,5 Millionen Euro.

Alarmiert von den Messungen in der Förderschule hat der TÜV auch die Realschule untersucht. Denn beide Schulen bilden einen Gebäudekomplex und werden ohnehin für 9,2 Millionen Euro generalsaniert. Dort sehe es gut aus, sagte Beysel. Nur in der Physik-Vorbereitung und in der Mädchenumkleide in der Turnhalle seien erhöhte Werte gefunden worden, wie auch in der Aula und im Flur. Laut Regina Nieder vom TÜV stammen sie aus alten Fugenmassen rund um Türen und Fenstern. Eine Gefahr für die Gesundheit gehe nicht davon aus. Die Klassenzimmer seien unauffällig.

Das Gift steckt in der Fassade und zieht nach innen, erläuterte Beysel.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Ärgerlich findet Koch das dennoch, da die Förderschule 2001 bereits im Innenbereich PCB-saniert worden sei. Doch habe es danach keine Messungen gegeben. Schon damals sei eine Sanierung der Fassade geplant gewesen, die nun bis spätestens Mitte 2017 beginnen sollen. Er brauche wieder Ruhe in der Schule. "Es gibt nichts Schlimmeres, als das Gefühl in einem Gebäude zu leben, das der Gesundheit nicht zuträglich ist."