Paten gesucht Vogelretterin braucht Hilfe

Die Eglinger Tierärztin Carolin Gerhofer hilft Tieren, die in freier Wildbahn leben.

(Foto: Claudia Koestler)

Die Eglinger Tierärztin Carolin Gerhofer ist Spezialistin für Spatzen, Schwäne und Co. im Münchner Süden. Nun sucht sie Paten, die Heil- und Behandlungskosten für die verletzten Wildtiere übernehmen

Von Claudia Koestler

"Jedes Lebewesen zählt", sagt Carolin Gerhofer. Und weil sie von diesem Grundsatz schon lange überzeugt ist, übt sie ihren Beruf als Tierärztin mit großer Leidenschaft aus. Auch wenn sie in dem kleinen Weiler Aufhofen keine "Vollzeitpraxis" betreibt, sondern nur stundenweise und nach Vereinbarung behandelt. Doch als einzige Spezialistin für Wildvögel im Münchner Süden stehe sie inzwischen vor einem Problem, klagt sie.

Immer mehr Menschen bringen ihr verletzte Vögel, vom Spatz über die Amsel bis zum Bussard oder Schwan. Doch für die Kosten, die mit der Rettung der Tiere entstehen, sofern sie nicht vom Finder weiter aufgepäppelt werden können, sondern zur Behandlung bleiben müssen, gibt es bislang keinen Fonds, keine Fördertöpfe und keine Erstattungen. Somit bleiben nur Gerhofers eigene Taschen zur Finanzierung.

Deshalb sucht die Wildtierexpertin nun die Öffentlichkeit: "Vielleicht gibt es ja den einen oder anderen, der die finanziellen Mittel hat, die Patenschaft für ein verletztes Tier zu übernehmen und die Kosten der Rettung, also Medikamente und Material, sponsern möchte", sagt sie.

Schwan "Wilma" konnte nach kurzer Zeit wieder am Starnberger See entlassen werden.

(Foto: Carolin Gerhofer/OH)

Ein solcher Beitrag müsse auch gar nicht hoch sein: "Einem Spatz kann, je nach Verletzung, auch schon mal mit fünf oder 15 Euro geholfen werden", weiß die Tierärztin. Und wenn der Fall ganz kompliziert ist, könnten bei einem Haussperling maximal 50 Euro anfallen. Ein Greifvogel, der sich bei einer Kollision mit einem Auto den Flügel oder das Brustbein gebrochen hat, brauche in der Regel Medikamente und Verbände in Höhe von 50 bis 100 Euro, bis er wieder fit ist.

Kosten, die nicht hoch erscheinen mögen - die Gerhofer aber nach vielen Jahren der ehrenamtlichen Rettung nicht länger alleine tragen will. "Ich wünsche mir eine kleine, interessierte Gruppe von Menschen, die vielleicht die gute Sache darin sehen und ab und an einen Beitrag leisten wollen und können. Wenn ich weiß, dass sie sich grundsätzlich vorstellen können, eine Patenschaft zu übernehmen und Kosten mittragen würden, könnte ich sie anrufen und den Fall schildern, wenn er bei mir aufschlägt", sagt sie. So eine Liste von Helfern versucht sie derzeit anzulegen. Es müsse auch keineswegs immer nur ein Sponsor für einen Vogel aufkommen - es könnten sich auch mehrere beteiligen, um die Kosten zu splitten. Und jeder kann nach Gerhofers Idee auch Limits setzen, etwa sich vormerken lassen für eine Fünf-Euro-Spatzenrettung. So bleiben die Kosten überschaubar. Dass es den Vogel auch tatsächlich gibt und wie er aussieht, würde Gerhofer dann entweder in einem Gespräch oder per E-Mail belegen, inklusive Fotos.

Wie notwendig eine solche Hilfe sein kann, erlebte kürzlich ein Schwan, den Gerhofer "Wilma" nannte. Als es vor einigen Wochen stark stürmte, wurde das Tier auf einem Feld bei Bad Heilbrunn von einem Landwirt gefunden. Partout wollte er nicht weiterfliegen, der Verdacht: Flügelbruch. Doch die Tierärztin stellte fest, dass er stark von Parasiten befallen und deshalb zu entkräftet war, um zu fliegen.

In einem Gehege in Gerhofers Garten erholte sich das Tier schnell. Vor etwa zwei Wochen konnte sie schließlich den Schwan am Starnberger See wieder in die Freiheit entlassen, wo er genug "Anlauffläche" fand, sich wieder in die Lüfte zu erheben und heimzukehren. Zurück blieb nur die Rechnung.

Wer eine Patenschaft für die Behandlung eines kranken Wildvogels übernehmen will, erreicht Carolin Gerhofer über www.kleintierpraxis-aufhofen.de oder Telefon 0176 / 70970950