Passionskonzert:Bitterer Schmerz, nicht ohne Hoffnung

Im Passionskonzert des Isura-Madrigal-Chors rückt der Tod in den Mittelpunkt der Betrachtung

Von Claudia Koestler

Schmerz und Klangsinnlichkeit gehören zusammen in der Musik, in der vorösterlichen Zeit allemal. Mit ihrem diesjährigen Passionskonzert unter dem Titel "O Tod, wie bitter bist du" rückte der Isura-Madrigal-Chor am Samstag in der Wolfratshauser Sankt Andreaskirche den Tod in den Mittelpunkt von Betrachtungen und goss ihn in eine nachhaltig bewegende musikalische Form.

Unter dem Titel "O Tod, wie bitter bist du" gelang dem Chor dabei der Bogen zwischen bewegter Emotion und tiefer Introspektion. Aber nicht alles war schmerzlich und bitter: "Hoffnung im Angesicht des Todes ist ein zentraler Gedanke der ausgewählten und vom Chor interpretierten Werke", ließ Georg Bücheler eingangs im Programmheft wissen. Trotz der immer wieder aufscheinenden Angst und Verzweiflung fehlte folglich nicht die tröstliche Zuversicht, auch auf ein Weiterleben nach dem physischen Ende. Unter Leitung von Johannes Buxbaum ließen die Sängerinnen und Sänger diese emotionalen Pole spürbar werden mit mal zurückhaltendem, leisem Gesang, dann wieder sehr kräftigen Passagen, die die Stadtpfarrkirche ganz erfüllten. Präzise Intonation, luzide Durchhörbarkeit und große Ausdruckskraft zeichneten den Auftritt aus.

Das Ensemble hatte den Abend eröffnet mit "Tristis est anima mea" aus der Feder von Johann Kuhnau. Hörbar geschulte und disziplinierte Einzelstimmen verbanden sich zu einer lebendigen Gruppe. Dieser Eindruck setzte sich nahtlos fort in "Crucifixus" von Antonio Lotti. Zudem hatte der Chor den renommierten und mehrfach preisgekrönten Organisten Johannes Berger gewinnen können. Der Rosenheimer hatte zwar passagenweise seine Not mit der Technik der Orgel, bei der schon mal Tasten hängen blieben. Dennoch wurde deutlich, dass sich in seinem Spiel das Gespür für formale Logik mit gestalterischem Intellekt bestens verbindet. Er fand die Balance zwischen Genauigkeit, ja Akkuratesse im Detail und dem weiten Atem. Das zeigte sich in Bachs "Concerto a-Moll nach Antonio Vivaldi BWV 593" wie auch in Mendelssohn Bartholdys "Sonate Nr. 3 A-Dur, Aus tiefer Not schrei ich zu Dir". Berger spielte sie mit Durchsichtigkeit und Transparenz, aber auch mit Sinnlichkeit und Emotionalität.

Das Hauptwerk des Abends bestritt der Chor mit der titelgebenden Motette "O Tod, wie bitter bis Du" von Max Reger. Mit fahlen Klängen wurden die Angst, Bedrohung und das Übel eines Todes mitten aus dem Leben heraus geradezu körperlich spürbar. Dieser so bewegenden wie fordernden Passage setzt Reger allerdings einen zweiten Teil entgegen, "O Tod, wie wohl tust du". Hier zeigt er den Tod als Erlösung und zugleich Hoffnung. Nicht zuletzt deshalb ein äußerst ergreifendes Konzert, das mit Bachs Choralbearbeitung "Vor deinen Thron tret' ich hiermit" endete. Ein Konzert als weiterer Beweis der hohen Qualität des Ensembles und seiner tiefrührend-musikalischen Arbeit. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus, der Chor mit einer Zugabe.

© SZ vom 14.04.2014
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