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Parzellen noch nicht vergeben:Warten auf kleines Wohngebiet

Dietramszell muss Bebauungsplan-Verfahren für neue Häuser in Obermühltal ändern

Von Petra Schneider, Dietramszell

Im kleinen Ortsteil Obermühltal soll ein neues Wohngebiet entstehen: An der Tölzer Straße, gegenüber der Einfahrt zum Maureranger, sind auf einer Fläche von rund 3200 Quadratmetern zwei Doppelhäuser und zwei Einfamilienhäuser geplant. Bereits vor knapp zwei Jahren hatte der Dietramszeller Gemeinderat beschlossen, einen Bebauungsplan aufzustellen. Die Gemeinde hat die Hälfte des Grundstücks mittlerweile gekauft und will ihre Parzellen, voraussichtlich für zwei Doppelhäuser, im Einheimischenmodell vergeben.

In der Gemeinde gebe es eine "wahnsinnige Warteliste", sagt Carola Schmidt vom Bauamt, die für den Bebauungsplan zuständig ist. Ihren Grundstücksanteil hat die Gemeinde zwar bereits erworben, die Parzellen sind aber noch nicht vergeben. Dies ist erst möglich, wenn der Bebauungsplan rechtskräftig ist. Schmidt rechnet mit einem Satzungsbeschluss frühestens im ersten Quartal 2021, mit dem Bau der neuen Häuser könnte dann im Sommer nächsten Jahres begonnen werden.

Um Wohnbebauung im Außenbereich schneller möglich zu machen, hat der Gesetzgeber für eine begrenzte Zeit ein vereinfachtes Verfahren eingeführt, das ursprünglich auch in Obermühltal angewendet werden sollte. Das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen hat nun allerdings angeordnet, dass die Gemeinde in ein Regelverfahren wechseln muss, um Rechtssicherheit zu gewährleisten. Ein Umweltbericht und eine Änderung des Flächennutzungsplans seien deshalb notwendig, hieß es im Gemeinderat. Das bisher als "landwirtschaftliche Grünfläche" festgelegte Areal wurde einstimmig in ein "allgemeines Wohngebiet" umgewidmet.

Durch die Versiegelung von Grünflächen muss ein naturschutzrechtlicher Ausgleich geschaffen werden; in diesem Fall sind das rund 1000 Quadratmeter, auf denen eine Streuobstwiese entwickelt werden soll. Ein zunächst angedachter Spielplatz wird nun wohl nicht mehr Platz finden, weil die noch freie Fläche als Schneeabladeplatz genutzt werden muss. Künftig soll es auch ein Buswartehäuschen geben: Mit einer Gegenstimme von Thomas Kranz (Freie Wähler) beschloss der Gemeinderat, dass bis Ende Oktober ein Bushäusl an der Einfahrt zum Maureranger gebaut wird.

Damit kam das Gremium einer Forderung von Hubert Prömmer (Grüne) nach, die dieser bereits zum "x-ten Mal" gestellt habe. Es könne doch nicht sein, dass "die Leute im Winter auf der Straße stehen, um auf den Bus zu warten", sagte Prömmer. Die Gemeinde Dietramszell wolle Wohnraum für junge Familien schaffen, da sei ein Bushäuschen für die Schulkinder dringend erforderlich. Den Verweis von Bürgermeister Josef Hauser (Freie Wähler) auf begrenzte Haushaltsmittel ließ er nicht gelten. Ein Bushäusl werde schließlich "keinen Riesenbetrag" kosten, außerdem habe man diverse Schreiner in der Gemeinde,argumentierte er.

Dass in seinem Wohnort Obermühltal ein neues Baugebiet entsteht, beobachtet Prömmer indes mit Sorge. Das geplante Vorhaben unmittelbar an der Tölzer Straße "ist in Ordnung", sagt er auf Nachfrage. Dies sei jedoch nur der erste Bauabschnitt. Denn die Gemeinde habe insgesamt 15000 Quadratmeter Fläche gekauft, die wohl in einem zweiten und dritten Bauabschnitt entwickelt würden, wie Prömmer befürchtet. Obermühltal sei ein kleiner Ortsteil, eine Erweiterung müsse "proportional" sein, sagt er. "Wenn die weiteren Bauabschnitte kommen, dann ist das ein großes Neubaugebiet". Und das würde nicht mehr passen, findet Prömmer.

© SZ vom 03.08.2020

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