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"Partnerschulen des Wintersports":Slalom zwischen Unterricht und Skirennen

An den "Partnerschulen des Wintersports" in Bad Tölz und Lenggries werden junge Talente gezielt gefördert. Im Unterricht wird Rücksicht genommen.

Im Winter sind die Wochenenden von Julian Eissele ausgebucht. Der Zwölfjährige fährt Skirennen für den SV Wackersberg-Arzbach und gehört im Deutschen Skiverband zu den Top 60 des Jahrgangs. Wenn er sonntags gegen Abend von Wettkämpfen nach Hause kommt, war es alles andere als ein erholsames Wochenende.

Partnerschule des Wintersports

Die Langlaufgruppe des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums trainiert unter freiem Himmel. Das Tölzer Gymnasium gehört zu den "Partnerschulen des Wintersports".

(Foto: Manfred Neubauer)

"Ich bin dann ziemlich müde", räumt der Junge ein. Viel Zeit zum Ausspannen bleibt nicht. Montag in der Frühe geht es weiter in der Schule, Julian besucht die siebte Klasse am Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasium. Unter der Woche dann zwei Mal nachmittags Training, am Samstag und Sonntag wieder Rennen.

Um Nachwuchstalente im Wintersport wie Julian zu fördern, hat das Kultusministerium in Zusammenarbeit mit den Skiverbänden vor drei Jahren die "PZW" eingeführt. Das Akronym steht für Partnerzentren des Wintersports, die insgesamt 32 bayerische Volks- und Realschulen sowie Gymnasien umfassen.

Ziel des Projekts ist es, junge Sportler vom Skifahrer über Langläufer bis zum Eishockeyspieler dergestalt zu unterstützen, dass sie Leistungssport mit Schule vereinbaren können, fasst Harald Vorleuter zusammen. Er ist Direktor am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium, das mit der Tölzer Realschule, der St.-Ursula-Realschule und dem St.-Ursula-Gymnasium Hohenburg in Lenggries die PZW-Region Isarwinkel bildet.

Für Vorleuter ist das ein "fantastisches Konzept", um den Nachwuchs heimatnah und effektiv in der Breite zu fördern. Zunächst in den Klassen fünf bis acht, danach sieht das Konzept den Wechsel an Eliteschulen des Sports in Berchtesgaden oder Oberstorf vor. Es sind kleine Merkmale, die eine Schule zum Partnerzentrum machen, für die Sportler aber können sie große Wirkung haben.

Die Schüler sind integriert in den Schulalltag, haben keinen Sonderstatus oder besondere Stundenpläne. Allerdings sollen in ihren Klassen montags keine Schulaufgaben geschrieben werden. Bei einer so großen Schule wie dem Tölzer Gymnasium mit rund 1400 Schülern ist dies nicht ganz einfach. "Die Termindichte ist sehr eng", sagt Lenka Schäfer, PZW-Koordinatorin am Gymnasium, "aber wir versuchen es einzuhalten".

Die Schüler sollen außerdem während der Wettkampf-Saison "nicht so viel ausgefragt werden" wie andere und mündliche Noten eher im Herbst oder im Sommer bekommen. Für Wettkämpfe und Training bekommen sie leicht frei. Oftmals sind die jungen Leistungssportler auch gute Schüler. Doch wenn sie mit dem Stoff im Hintertreffen sind oder ihre Noten abfallen, dann dürfen sie individuelle Nachhilfe in Anspruch nehmen, um das Versäumte aufzuholen.

Dafür stellt das Kultusministerium ein zusätzliches Stundenbudget für einzelne Lehrer zur Verfügung, am Tölzer Gymnasium mit seinen derzeit 42 PZW-Schülern sind es beispielsweise vier Stunden pro Woche. Lenka Schäfers Koordinatorentätigkeit wird mit einer Stunde extra honoriert. Seit 2004 hat der Freistaat für zusätzliche Budgetstunden zur schulischen Förderung über zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

"Für den Sport ist das gigantisch", sagt Dieter Renz, Sportlehrer am St.-Ursula-Gymnasium Lenggries und Teamleiter der Schulen im Isarwinkel. "Ohne PZW könnten wir den Leistungssport nicht in der Form fördern." Auch Rick Böhm, Nachwuchskoordinator beim Eisclub Bad Tölz, sieht das Projekt positiv: "PZW weckt das Bewusstsein in den Schulen, dass gegenseitige Unterstützung notwendig ist."

Wie erfolgreich es in Verbindung mit den beiden Sport-Eliteschulen in Oberstdorf und Berchtesgaden ist, belegte Wolfgang Weißmüller vom Bayerischen Skiverband jüngst bei einer PZW-Tagung mit Zahlen: "86 Prozent der Skisportler bei Olympischen Spielen und Juniorenweltmeisterschaften besuchten eine Partnerschule oder eine Eliteschule des Sports." Darunter auch die Skirennläuferin Maria Riesch.

Wer PZW-Schüler werden darf, entscheidet die Leistung. Für Ski alpin beispielsweise müssen Kinder des Jahrgangs 1998 zu den Top 60 in der Jahrgangsliste des Deutsche Skiverbands gehören. Aus dem Jahrgang 1996 schon zu den Top 40. Und wer noch zu jung ist für Punkte in der Liste, muss regional unter den Top 15 sein. Knapp 1000 Schüler nehmen bayernweit an Partnerzentren teil.

Florian Stanglmeier ist das erste Jahr PZW-Schüler. Er besucht die fünfte Klasse am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium und fährt ebenfalls für den SV Wackersberg-Arzbach. An die Belastung durch Schule, Training und Rennen hat er sich gewöhnt. "Das kriegt man schon hin. Es macht ja auch Spaß", sagt er. Weder er noch sein Sportsfreund Julian haben bisher Nachhilfe gebraucht. "Aber es ist schon sehr beruhigend, dass es die Möglichkeit gibt", meint Julian.