Partnerschaft:Unsere französischen Freunde

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vichy

Im Jahr 2004 gründete sich der Tölzer Städtepartnerschaftsverein unter dem Vorsitz von Martin Englert (4.v.r.).

(Foto: privat)

Seit 50 Jahren sind Bad Tölz und Vichy liiert. Die beiden Kurstädte begehen ihr großes Jubiläum mit einem Festprogramm. Mit dabei ist auch San Giuliano Terme, die dritte Stadt im Bündnis

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Es war eine Reise ins Ungefähre. Vor 50 Jahren fuhr der damalige Studiendirektor Ernst Schweinberger vom Tölzer Gymnasium nach Frankreich, um sich nach einer Partnerstadt umzusehen. Zusammen mit zwei Begleitern durchquerte er zunächst die Bretagne, wurde allerdings nicht recht fündig auf seiner Suche nach einem Ort, der sich mit Bad Tölz in Freundschaft verbinden mochte. Schließlich landete er in Vichy, jenem gut 25 000 Einwohner großen Kurort, in dem das nazi-hörige Regime des Maréchal Henri Phillipe Pétain von 1940 bis 1944 residierte. Der Studiendirektor kannte dort einige Kollegen, auch zwischen den Gymnasien gab es bereits einen Austausch. Das war das Fundament für eine Städtepartnerschaft, die nun schon ein halbes Jahrhundert besteht. "Ein bedeutsames Jubiläum für die Politik und für die Stadt", meint Martin Englert, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Bad Tölz-Vichy-San Giuliano.

Gefeiert wird dies mit einem Festzug, einem Festgottesdienst und einem Festakt im Kurhaus am Samstag und Sonntag, 16. und 17. Juli. Neben der Tölzer Stadtkapelle und Abordnungen der örtlichen Vereine erwartet Englert dazu die Delegationen aus Vichy mit Stadtkapelle und aus der Partnerstadt San Giuliano Terme in Italien. Beim Festakt werde die Geschichte der Freundschaft zwischen Tölz und Vichy noch einmal aufgerollt, kündigt Englert an. Wichtig ist ihm, dass bei der großen Jubiläumsfeier "die Bevölkerung mitgenommen wird". Was heuer in Vichy an Feierlichkeiten geplant ist, weiß der Vorsitzende noch nicht. "Aber es wird sicher etwas geben, und wir werden eingeladen", sagt er. Den Auftakt zum Jubiläumsjahr bildet der Neujahrsempfang des Vereins an diesem Donnerstag, 21. Januar, 19.30 Uhr, im Kleinen Kursaal. Dabei spricht Professor Hermann Rumschöttel, Historiker und ehemaliger Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns, über die Beziehungen zwischen Frankreich und Bayern. Nur 21 Jahre nach dem Nazi-Terror und dem Zweiten Weltkrieg waren freundschaftliche Bande zwischen Franzosen und Deutschen alles andere als selbstverständlich. Darauf hatte Englert schon 2006 hingewiesen, als das 40-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft gefeiert wurde. "Es war für Frankreich und für Deutschland nicht einfach, aufeinander zuzugehen und einander die Hand zu reichen, nach all dem, was vorgefallen war. Deshalb sind wir dem großen französischen Volk zu Dank verpflichtet", sagte er in seiner Festrede.

Der Partnerschaftsverein in Tölz war damals noch sehr jung. Englert hatte ihn erst 2004 aus der Taufe gehoben, zuvor hatte sich die Stadtverwaltung um die Beziehungen zu Vichy gekümmert. "Aber ich habe im Stadtrat gesagt: Gute Leute, das bringt nichts", erzählt Englert, der seinerzeit als Kulturreferent des Gremiums auch für die Städtepartnerschaften zuständig war. "Wir haben geschaut, dass die Partnerschaft von Bürgerinnen und Bürgern getragen wird, und das funktioniert auch." 45 Mitglieder zählte der Verein bei seiner Gründung, derzeit sind es gut 120. "Tendenz immer noch steigend", sagt der Vorsitzende.

Eine Besonderheit in Tölz: Der Verein pflegt nicht bloß den Kontakt mit einer der befreundeten Städte. Er kümmert sich auch um den Austausch mit San Giuliano Terme, einer etwa 31 000 Einwohner großen Stadt in der Toskana, die mit Bad Tölz im Jahr 2003 einen Freundschaftsvertrag schloss. Die Vorgeschichte klingt ebenfalls ein wenig nach Zufall. San Giuliano hat eine alte Therme, die noch die Medici erbauen ließen. Nachdem der italienische Staat das Bauwerk erworben hatte, verfiel es zusehends. Vor etwa zwei Jahrzehnten kaufte die Kommune die Therme und suchte für die Renovierung private Investoren, auch im Ausland. Eine Abordnung kam deshalb nach Bad Tölz, fuhr nach Bad Kissingen, weiter ins niederbayerische Bäderdreieck und schließlich zurück nach Tölz. Das Ergebnis der Rundreise: "Am Ende haben sie uns gefragt: Wollt ihr mit uns nicht eine Städtepartnerschaft eingehen?", erzählt Englert.

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