51 von 203 Landtagsabgeordneten sind Frauen, prozentual beträgt der Anteil also gerade mal 26,8 Prozent. Dass die quantitative Repräsentation von Frauen aber einen signifikanten Unterschied macht und deshalb wichtig ist, weiß auch die CSU. Im Hinblick auf die bevorstehenden Kommunalwahlen 2026 möchte die Frauen-Union (FU) ihre Mitglieder und politisch Interessierte ermutigen, sich zu engagieren oder gar ein politisches Mandat zu übernehmen. Am Mittwochabend luden die Kreisverbände Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach deswegen zum Abend mit Barbara Becker, Mitglied des Bayerischen Landtags, in die Flößerei Wolfratshausen ein. Sie sollte den Anwesenden erklären, wie man sich auch ganz ohne Übersetzungshilfen in männlich dominierten Gremien zurechtfinden kann.
„Was du kannst, ist nicht wichtig, dass du eine Frau bist, ist wichtig“, sagte Becker. Seit sechs Jahren ist sie bereits Mitglied des bayerischen Landtags. Ihr politisches Mandat sei ihr aber auf keinen Fall zugefallen, betonte sie, im Gegenteil. Sie habe zehn Jahre lang darauf hingearbeitet. Was sie dabei gelernt hat, möchte sie nun teilen, um anderen Frauen den Weg ins politische Engagement zu erleichtern.
In hauptsächlich männlich besetzten Gremien, so berichtete sie, gäbe es vier Stufen der Anerkennung, die alle Neulinge erklimmen müssten. Frauen seien diesen Umgang in der Regel jedoch nicht gewöhnt, weshalb sie sich viel schneller abschrecken und einschüchtern ließen. Deswegen sei es wichtig zu wissen, wie man sich trotzdem durchsetzen könne. Zunächst werde man mit den Ideen, die man einbringen möchte, ignoriert. Später werde man als Frau leider häufig sexualisiert, und es gebe besonders viele Widerworte. Habe man diese Schritte ausgehalten und sich nicht kleinkriegen lassen, so sei man endlich auf der Stufe der Kooperation angekommen, sagte Becker.
Natürlich müsse man sich einem männlich dominierten Arbeitsklima nicht nur anpassen, betonte sie. Ganz im Gegenteil sei es natürlich wünschenswert, diese Regeln zu brechen, dafür müsse man sie aber zunächst kennen, um dies dann bewusst tun zu können. Ist erst einmal ein gewisser Frauenanteil erreicht, so ließen sich dann ohnehin neue Normen schreiben.
Frauen hätten außerdem häufig eine falsche Herangehensweise an Berufliches, nämlich eine chronische Selbstunterschätzung, erklärte die Landtagsabgeordnete. Weiblich sozialisierte Personen hätten oft von klein auf gelernt, sich selbst zurückzunehmen, höflich, hilfsbereit und vor allem bescheiden zu sein. Grundsätzlich sei dies alles natürlich nicht falsch, betonte Becker. Leider führe es im Job oder eben in der Politik aber dazu, dass man weniger ernstgenommen werde. Das beginne schon beim Betreten eines Raumes: Hier sollten Frauen darauf achten, direkt gesehen zu werden, um später als wichtig anerkannt zu werden.
Argumente, die Frauen häufig bringen, wenn Becker versuche, sie für politisches Engagement zu gewinnen, seien die fehlenden Zeit, das fehlende Wissen oder nicht komplett auf Parteilinie zu sein. Letzteres sei bei den wenigsten Menschen der Fall, wusste Becker. Das sollte jedoch niemanden davon abhalten, in Parteien einzutreten. Alles Weitere habe wieder mit Selbstunterschätzung zu tun, fand die Landtagsabgeordnete. Man brauche für die Parteiarbeit nur so viel Zeit, wie man übrig habe, und müsse auch kein Politikexperte sein, um für seine Meinungen und Werte einzustehen. Sie selbst sei auch „nicht vom Himmel gefallen“ und habe nicht von Anfang an gewusst, wie der bayerische Landtag funktioniert. Man könne aber immer nach Hilfe fragen. Die Vorurteile über Parteiarbeit würde sie Frauen gerne nehmen. Denn: „Wir verändern bestimmte Dinge nur, wenn wir mehr Frauen in der Politik haben“, plädierte sie.
