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Geretsried:Strategien gegen "Wildwest"-Parken

Karl-Lederer-Platz Neue Mitte Geretsried

Die Situation ist verfahren: Die Stadt will rund um den Karl-Lederer-Platz im Zentrum Geretsried Parkgebühren erheben, damit die Tiefgarage besser genutzt wird. Das ärgert Einzelhändler und Anwohner.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Geretsrieder Stadtrat streitet über Gebührenpflicht

Susanne Hauck

Die Bürger sind es gewohnt, in Geretsried kostenlos zu parken. Jetzt will sie die Stadt oberirdisch zur Kasse bitten, um sie in die Tiefgarage zu zwingen. Dagegen laufen Anwohner und Einzelhändler Sturm. Wie buchstäblich verfahren die Situation ist, zeigte die Stadtratssitzung am Dienstag, in der die bis zur Erschöpfung geführte Diskussion schließlich mit der Erkenntnis abgebrochen wurde, dass es kein Patentrezept gibt.

Es läuft nicht so mit dem Karl-Lederer-Platz. Geretsrieds schöne "Neuer Mitte" sollte autofrei werden, doch die Blechkisten sind immer noch da. Sie parken die Nebenstraßen zu, sie okkupieren die Stellplätze der Gaststätte, und sie fahren auch munter mitten auf die Baustelle. "Den Autofahrern ist alles wurscht", redete sich Bürgermeister Michael Müller (CSU) in Rage. "Sobald eine Leitbake offen ist, stehen sie da." Die Stadt habe einen "Riesenaufwand" mit dem Platz betrieben, "und jetzt schauen wir zu, wie die Leute in Wildwestmanier parken." Für Müller ist es eine klassische "Fehlsteuerung", dass die Tiefgarage nicht belegt ist. Für ihn läuft alles auf die Frage hinaus: "Wie kriegen wir den Platz wieder frei?"

Die Stadt will für das Zentrum und die Seitenstraßen eine Übergangslösung schaffen, bis die Baustelle in der Egerlandstraße abgeschlossen und die Zentralgarage in Betrieb genommen ist. Kaum einer der Stadträte aber konnte oder wollte sich daran erinnern, dass der Haupt- und Finanzausschuss bereits vor einem Dreivierteljahr ein Gebührenmodell für gut befunden hat, das werktags von acht bis 18 Uhr eine Kurzparkzone ( halbstündige "Semmeltaste") am Karl-Lederer-Platz sowie gebührenpflichtige Parkplätze rund ums Rathaus und den Seitenstraßen vorsieht.

Wirtschaftsreferent Volker Reeh (Geretsrieder Liste) war gleich der erste, der ans Mikrofon eilte und eine Lanze für den Einzelhandel brach, der von acht Wochen Lockdown und der schwierigen Situation mit der Großbaustelle stark gebeutelt sei. Wie er waren die meisten Stadträte dafür, das Parkkonzept frühestens aufs nächste Jahr zu verschieben. Sie waren sich auch einigermaßen einig darin, dass der Zweck die Mittel heilige und den Autofahrern insgesamt saftige Parkgebühren zuzumuten seien, um sie zur Tiefgarage umzuerziehen. Aber eben erst später. Als echtes Problem kristallisierten sich die Anwohner in den Nebenstraßen wie Graslitzer Straße, Martin-Luther- und Herrmann-Löns-Weg heraus, denn sie müssten tagsüber Parkgebühren zahlen. "Viel Spaß beim Diskutieren, dass sie erst ab 18 Uhr dauerparken können", wünschte Heiko Hawla (Freie Wähler/FDP). Für ihn ist die "lasche" Parkraumüberwachung mit Schuld an der Misere im Zentrum. "Die Leute wissen, dass sie keinen Strafzettel kriegen, auch wenn sie eine Stunde lang falsch stehen."

Der Vorschlag der Stadt, zur Abschreckung 44 Poller aufzustellen, erwies sich ebenfalls nicht als das Ei des Kolumbus. Die Stadträte verweigerten die Abstimmung, um die Möblierung des Platzes abzuwarten. Eine "optimale Lösung" war angesichts der vielen Interessenskonflikte für Bürgermeister Müller nicht in Sicht. "Wir werden einen Kompromiss finden müssen." Er verwies das Thema zur erneuten Beratung in die Fraktionen.

© SZ vom 23.07.2020 / shau

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