Ozapft is Flüssige Rarität

Das erste Fass des Reutberger Josefibocks mit seinen 6,9 Prozent Alkoholgehalt für die diesjährige Fastenzeit ist angezapft. Die Bierspezialität ist heiß begehrt und gehört zur Dividende, die den Genossen der Klosterbrauerei anstatt Geld ausgezahlt wird. Wer noch nicht Mitglied ist, muss lange warten - und derweil den Trunk kaufen

Von Klaus Schieder, Sachsenkam

Das Bier gehört zum Reutberg wie das Kloster. Beides ist schon seit mehr als drei Jahrhunderten unlösbar verbunden: Im Jahre 1677 erhielten die Schwestern von der kurfürstlichen Regierung die Konzession für einen Haustrunk, noch im selben Jahr brauten sie den ersten Sud in ihrem Kloster. Seit 1924 kümmert sich die Brauereigenossenschaft Reutberg um die Produktion des Gerstensaftes und stellt traditionell zum Jahresbeginn auch den Josefibock her, vor allem für die Starkbierzeit. Das ist heuer nicht anders. Mit nur einem Schlag zapfte Bürgermeister Johann Schneil (CSU) das erste Fass im Klosterbräustüberl an. "Es ist für mich schon der 32. Josefibock, aber er schmeckt jedes Jahr besser", sagt er. Allerdings konnte er nur wenig davon probieren, weil er noch mit dem Auto durch den Schnee heimfahren musste.

Das Bier hat wie immer eine satte Bernsteinfarbe, 6,9 Prozent Alkohol und 17,8 Prozent Stammwürze. Ausgeliefert wird es an Gasthöfe und an Getränkemärkte in der Region, von denen "fast jeder" den Josefibock im Sortiment habe, wie Stephan Höpfl, Geschäftsführer der Genossenschaftsbrauerei, mitteilt. Mit ihren 16 Mitarbeitern produziert sie mehr als 22 000 Hektoliter Bier im Jahr, das in verschiedenen Sorten angeboten wird - vom Hellen in zwei Varianten über Märzen und Pils bis zum Dunklen und drei Weissbier-Sorten. Das Hauptabsatzgebiet liegt Höpfl zufolge circa 60 bis 80 Kilometer rund um den Reutberg bei Sachsenkam. Hinzu kommt ansonsten vor allem München, einige Kunden wohnen allerdings noch viel weiter entfernt, in Hamburg, in Berlin, in Österreich, sogar in den USA. Manche von ihnen seien Urlaubsgäste und Einheimische, die weggezogen sind, sagt der Geschäftsführer.

Drei Monate lang lagert der Josefibock der Klosterbrauerei Reutberg in Spezialtanks, ehe er ausgeschenkt und ausgeliefert wird.

(Foto: Manfred Neubauer)

Nach dem langen Brauereisterben entstanden in den vergangenen Jahren wieder kleine Brauhäuser, in Bad Tölz zum Beispiel das Mühlfeldbräu und das Binderbräu. Die haben durchaus Erfolg. Auch Höpfl kann die Beliebtheit solch regionaler Biere bestätigen. "Das stimmt", sagt er. Was die Produktion anbelangt, habe die Klosterbrauerei Reutberg schon immer auf Zutaten von regionalen Herstellern geachtet. Lediglich der Hopfen stammt aus der Hallertau, solche Anbaugebiete gibt es in Oberbayern nun mal nicht. "Die Tendenz geht zum Regionalen, wo man herkommt und wo man auch den Hintergrund weiß", sagt Höpfl. Auf der anderen Seite nimmt der Bierkonsum stetig ab. "Man muss schauen, das man neue Kunden findet und sich Absatzmärkte schafft", betont der Geschäftsführer.

Jedes vierte Bier, das in Bayern produziert wird, gehe mittlerweile in den Export. Bei der Klosterbrauerei sind es Höpfl zufolge gerade mal zwei bis drei Prozent. Einen Importeur aus Italien hat man schon, nach weiteren Möglichkeiten wird gesucht. "Das ist ein Aufwand, aber okay", sagt Höpfl. Mit mehr als 5200 Genossen hat die Klosterbrauerei so viele Mitglieder, dass sie die selbst gesteckte Obergrenze erreicht hat. "Sonst hätten wir ein Problem mit dem Genossenschaftsverband, wir hätten dann keine Mitgliederversammlung mehr, sondern nur noch eine Vertreterversammlung", erklärt Höpfl. Dies wolle man jedoch nicht. Deshalb gibt es eine Warteliste für Interessenten. Sie müssen sich etwa drei bis vier Jahre gedulden. Denn Neuzugänge, die zumindest drei Anteile à 100 Euro zeichnen müssen, werden nur aufgenommen, wenn sich einer der Genossen zurückzieht. Zu ihnen gehören Landräte und Bürgermeister, Unternehmer und Vereinsvertreter, auch prominente Politiker wie die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner oder Friedrich Merz. Der CDU-Politiker habe einen Wohnsitz am Tegernsee und sei über einen Bekannten zur Klosterbrauerei Reutberg gekommen, erzählt der Geschäftsführer. Auch bei einer Jahreshauptversammlung der Genossenschaft sei Merz schon mal dabei gewesen.

Das Reutberger Bockbier ist bernsteinfarben.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die nächste Generalversammlung findet am Mittwoch, 20. März, statt. Also mitten in der Woche des Josefifestes, das heuer von Freitag, 15. März, bis zum Sonntag, 24. März, auf dem Reutberg gefeiert wird. Dabei wird auch der neue Josefibock ausgeschenkt, der drei Monate lang in Spezialtanks der Brauerei gereift ist. Das Bier gehört zur Dividende, die den Genossen anstatt Geld ausgezahlt wird: "Zwei Maß und ein Schweinsbraten oder Hendl", sagt der Geschäftsführer. Auch Johann Schneil dürfte mit von der Partie sein, das Bockbier kann er dann in aller Ruhe genießen. Für Höpfl ist es keineswegs verwunderlich, dass der Bürgermeister das Ozapfn heuer wieder mit nur einem Schlag hinbekommen hat. Für Fotografen sei dies ein Problem, scherzt er. "Da spritzt nix."