bedeckt München 14°

Auf der Alm:Zwei Schwestern fürs Rißtal

Oswaldhütte Vorderriß neue Pächter Anna und Elisabeth Porer

Die Oswaldhütte zwischen Vorder- und Hinterriß hat mit Elisabeth und Anna Porer neue Pächter.

(Foto: Veronika Lindner/oh)

Elisabeth und Anna Porer übernehmen den Betrieb der geschichtsträchtigen und beliebten Oswaldhütte im Vorkarwendel

Von Benjamin Engel

Manchmal geht es schnell: Seit Jahrhunderten ist die Oswaldhütte bei Vorderriß im Besitz der Gaißacher Familie Wasensteiner. Nur kaum mehr als zwei Wochen hat es gedauert, bis sich neue Pächter gefunden haben, nachdem die bisherige Betreiberin Anfang Februar ihren Abschied auf Facebook öffentlich gemacht hat. Zwei Schwestern sollen nun Veronika Lindner nachfolgen. Hauswirtschaftsmeisterin Anna Porer ist in der Tölzer Jugendherberge Küchenleiterin und wird die gelernte Tierarzthelferin Elisabeth Porer unterstützen. Mehr möchte Anna Porer derzeit noch nicht verraten. "Der Vertrag ist noch nicht unterschrieben", sagt sie. Und bevor die Oswaldhütte zur Sommersaison 2021 aufsperre, könne noch viel passieren - gerade in Corona-Zeiten.

Gesprächiger ist der Eigentümer der Oswaldhütte, Peter Wasensteiner. Er kann sich noch gut erinnern, wie seine Urgroßmutter und Großmutter auf 852 Metern Seehöhe im Rißtal einst den selbst gebrannten Schnaps und den selbst gemachten Speck servierten. Erst seit etwa 20 Jahren habe seine Familie die nur während der Sommermonate bewirtschaftete Oswaldhütte verpachtet, sagt er. Bis heute zähle es zu den Aufgaben der Betreiber, sich um einen Teil des Jungviehs zu kümmern, das die warme Jahreszeit im Rißtal verbringe. Die Mehrheit der jungen Rinder halte seine Familie im Sommer auf der Hochalm an den Hängen des Schafreuters, sagt Wasensteiner.

Auf den 2100 Meter hohen Grenzberg zwischen Bayern und dem österreichischen Tirol führt eine der Aufstiegsrouten vom Parkplatz an der Oswaldhütte hinauf. Die Wanderung ist eine beliebte Tour im Vorkarwendel. Im vergangen Sommer seien viele Gäste gekommen, schildert Wasensteiner. "Mittlerweile hat allgemein ein Umdenken stattgefunden", glaubt er. Mehr und mehr Menschen ziehe es in die heimische Region - und das nicht nur wegen der Pandemie, wo Urlaub außerhalb Deutschlands nicht immer so einfach möglich ist. Gerechnet habe er aber nicht, dass sich innerhalb kürzester Zeit viele Interessenten für eine Pacht der Oswaldhütte gemeldet hätten, sagt er.

Die Gäste sitzen an den Holzbänken und -tischen im Freien auf der Terrasse und teils in der Wiese. Es gibt Brotzeiten und selbst gemachte Kuchen. Dass die alte Oswaldhütte Anfang der 1980er-Jahre vollständig abgebrannt ist, können sich viele wohl kaum vorstellen. Wenigstens wurde damals niemand verletzt, sagt Wasensteiner. Seine Familie hat die Almhütte anschließend wieder aufgebaut. Auf dem Gaißacher Moarbauerhof halten die Wasensteiners 18 Milchkühe, 25 Kalbinnen und zwei Pferde. Lassen es die Pandemie-Auflagen zu, soll die Oswaldhütte auch heuer wieder von April an geöffnet sein, sagt Peter Wasensteiner.

Anfang April 2015 hatte Veronika Lindner als Pächterin im Rißtal angefangen. Ihr Mann, ihre Eltern und ihr Team hatten sie bei der Bewirtung unterstützt. Die vergangenen sechs Jahre habe sie gerne auf der Oswaldhütte gearbeitet, sagt sie. Aus persönlichen Gründen habe sie den Pachtvertrag aber nun aufgelöst. Das bedauern auch einige Gäste, wie die Kommentare auf der Facebook-Seite der Oswaldhütte zeigen.

© SZ vom 03.03.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema