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Ostertradition:Blüten für die Seele

Grabpfleger Walter Bartsch und Klostermalerin Anna Huber mit ihrem Sohn Xaver arrangieren die Blumen für das Heilige Grab in der Klosterkirche.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

In der Klosterkirche von Schäftlarn bauen Helfer um Klostergärtner Frater Sigisbert Heider jedes Jahr ein prächtiges Heiliges Grab auf. Weit über 1000 Blumen schmücken den Nachbau der Grabstätte Jesu und sind Anziehungspunkt für viele Besucher.

Von Katharina Schmid

"Bisserl Gelb wäre noch recht. Frag mal, ob er noch was drüben hat." Walter Bartsch, grüne Jacke, dunkle Mütze, blickt kritisch auf das bunte Blumenmeer zu seinen Füßen. Zu wenig Gelb ist ihm in dem Farbenspiel enthalten, das Hortensien, Nelken, Lilien, Mimosen, Rhododenron, Primeln und viele andere Blumensorten in diesem Jahr in der Klosterkirche von Schäftlarn zeichnen. Drüben, das ist in der Gärtnerei des Klosters, in der sich Frater Sigisbert Heider am Tag vor Gründonnerstag gerade noch um die letzten Gestecke für das Grab kümmert. Jedes Jahr stellt der Benediktinerbruder mit seinen Helfern das wohl prächtigste Blumengrab der Gegend auf. In der Karwoche soll es für Gläubige ein Ort zum Gebet sein und zugleich Blumenfreunde in die Kirche locken, die sonst kaum je in den Gottesdienst kommen.

"Die Blume zieht die Leute in die Kirche", sagt der Frater. Er hofft, dass sich die Besucher "ein paar Minuten Zeit für den Herrgott nehmen und sich besinnen aufs Gebet". Diese Hoffnung scheint aufzugehen. Zumindest besuchen jedes Jahr viele, auch auswärtige Gäste über Ostern die Klosterkirche, um das Grab mit dem üppigen Blumenschmuck zu bestaunen. Die viele Arbeit lohne sich schon allein deshalb, sagt Frater Sigisbert. Für ihn ist jedochein anderer Grund noch bedeutsamer: "Wenn es nicht zur Ehre Gottes wäre, dann wäre der Aufwand viel zu groß." Deshalb ist es für den Benediktinermönch auch noch mit 79 Jahren und Rollator eine "Ehrensache", die Verantwortung für den Aufbau des Grabs zu übernehmen.

Das Gefühl, wenn allesfertig ist, sei feierlich,sagt Anna Huber

Von Mittwoch vor Ostern bis Mittwoch nach Ostern ist das Heilige Grab in der Klosterkirche zu sehen. Am Gründonnerstag noch mit dem verhüllten Leichnam Jesu. Am Karfreitag wird das Leintuch abgenommen, bevor der hölzerne Leichnam am Abend des Karsamstags schließlich aus dem Grab entnommen wird. An seiner statt nimmt am Ostersonntag die Auferstehungsfigur ihren Platz ein. Dass im Heiligen Grab des Klosters Schäftlarn nicht nur der Leichnam, sondern auch die Figur des auferstandenen Jesus gezeigt wird, hat Frater Sigisbert bereits 1970 eingeführt. Der Grund: das aufwendig gestaltete Grab sollte möglichst lange zu sehen sein und nicht, getreu der Passionsgeschichte, schon am Karsamstag wieder abgebaut werden. Seit 48 Jahren ist Frater Sigisbert verantwortlich für den Aufbau des Heiligen Grabes. Er hat die Aufgabe von seinem Vorgänger in der Klostergärtnerei, Frater Ansgar, übernommen. Diesem stand er vor seinem Eintritt in den Orden 1959 bereits zwei Jahre lang als weltlicher Gärtner zur Seite.

Frater Sigisbert Heider zieht einen Großteil der Blumen in der klostereigenen Gärtnerei.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

"Frater Sigisbert ist so was wie unser künstlerische Leiter", sagt Anna Huber. Sie beugt sich gerade über ein paar Rhododendren, um sie besser in der Blumenerde zu verankern. Die 31-Jährige ist als Malerin im Kloster angestellt und hilft schon im sechsten Jahr beim Schmücken des Grabes. Heuer ist zum ersten Mal auch ihre sieben Wochen alte Tochter Lina mit dabei. Sie schläft im Kinderwagen in einer Ecke der Kirche. Der fünfjährige Xaver, Linas Bruder, hilft beim Verteilen der Blumenstöcke. "Ich bin zwar kein schwergläubiger Mensch", sagt Huber, "aber das Aufbauen des Heiligen Grabes vor Ostern gehört einfach dazu." Sie sei eng verbunden im dem Kloster und freue sich jedes Jahr auf diese Aufgabe. Seit Weihnachten ist sie zwar im Mutterschutz; den Aufbau des Heiligen Grabes habe sie sich trotzdem nicht nehmen lassen wollen. "Das Gefühl, wenn alles fertig ist, das ist, na, wie soll ich sagen, einfach feierlich."

Jedes Jahr am Montag vor Ostern beginnen die Vorbereitungen. Klostermitarbeiter stellen den Rohbau für das Grab auf und bringen die größeren Pflanzen wie die Palmwedel in die Kirche. Frater Sigisbert bereitet in den Tagen darauf die großen Gestecke vor. Dafür tränkt er Blumensteckschaum mit Wasser, umwickelt ihn mit Draht und steckt anschließend die Blüten in den Schaum. Heuer besteht das Hauptgesteck aus roten Flamingoblumen, weißen Nelken und roten sowie weißen Lilien. "Rot ist die Farbe, die an das leiden Jesu erinnert", erklärt er. Weiß stehe für Reinheit. Die meisten verwendeten Blumen zieht Frater Sigisbert in der Klostergärtnerei selbst; exotischere Sorten wie die Strelitzie kauft er zu. Je nachdem, welche Blumen über den Winter in den Gewächshäusern der Gärtnerei gut gedeihen, sieht das Heilige Grab jedes Jahr ein wenig anders aus.

Aber nicht nur die Blumensorten ändern sich. Auch die Gestaltungslust der Helfer ist ausschlaggebend und laut Walter Bartsch "reine Gefühlssache". Der 60-jährige Grabpfleger sagt, es sei sehr besonders, "so ein Grab für den Herrgott gestalten" zu dürfen. Bartsch, der nach einer Krankheit seinen ursprünglichen Beruf aufgegeben hat, fand über seine Freundschaft zu Abt Petrus und zu Frater Sigisbert zum Kloster. Das ist nun mehr als zehn Jahre her. Seitdem hilft er jedes Jahr beim Aufbau des Grabes und kommt in den Ostertagen nach getaner Arbeit noch einmal in die Kirche, um das Werk "ganz in Ruhe" zu betrachten. Durch die Arbeit habe sich sein "Bezug zum Kloster und zur Spiritualität" gefestigt, sagt Bartsch. Und zu den vielen Blumen: "Sie tun der Seele gut."

© SZ vom 29.03.2018/aip
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