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Orgelkonzert in Schäftlarn:Temperamentvolles Finale

Die herrliche Rokoko-Orgel in der Schäftlarner Klosterkirche.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Organist Christoph Bischof beendet gemeinsam mit den Trompetern Peter Gasser und Philipp Lüdecke die Reihe der Matineen in der Klosterkirche

Diese Orgel hat Temperament. Sie singt und tremoliert auf vielen Registern für die zahlreichen Zuhörer an diesem sonnigen Sommernachmittag. Die Orgelmatinee in der Klosterkirche Schäftlarn beginnt mit der Ouvertüre aus der Suite in D-Dur von Georg Friedrich Händel. Doch die Trompetenstimmen sind echt und entstammen nicht einem der 34 Register der wunderschönen Orgel im Stile des Rokoko. Aber die Blasinstrumente können sich wegen der nicht ganz optimalen Akustik nicht in gewohnter Weise exponieren.

Wett macht dieses Manko nicht nur der Organist Christian Bischof mit seiner Energie, die förmlich zu greifen ist. Auch der Münchner Trompeter und Dirigent Peter Gasser und das ehemalige Mitglied des Tölzer Knabenchors und jetziger Trompeter Philipp Lüdecke spielen bei diesem Eröffnungsstück äußerst dynamisch.

Das Werk ist bekannt. Es stammt aus der berühmten und oft gespielten Wassermusik. Aufgrund der Interpretation der drei Musiker klingt dieser Werkausschnitt jedoch verjüngt und in gewisser Weise auch kolorierter.

Die Orgel kann nicht nur wohltönend wuchtig und gottgefällig frohlocken, sondern auch durch Diskante und wenige Schnörkel mahnen: Mensch bedenke, wie klein du bist. Dieser Eindruck entsteht bei "Darinnen daß Vatter unser" aus dem Tabulaturbuch von Johann Ulrich Steigleder. Dass diese musikalischen Notationen aus dem 16. Jahrhundert stammen, erstaunt ob ihrer Modernität, die wohl auch der vitalen Spielweise des Organisten mit Meisterklassendiplom zu verdanken ist. Hier ertönen zum ersten Mal in diesem feierlichen Konzert unglaublich tiefe Basstöne, die aber vom Organisten nicht lange festgehalten werden, sondern sprudeln und mitreißen. Bei "Bist du bei mir" aus dem Notenbüchlein für Johann Sebastian Bachs erste Frau Anna Magdalena genießen die aufmerksam lauschenden Zuhörer die elegante und heitere Bearbeitung für eine Trompete und Orgel. Doch auch bei diesem Musikwerk verhindert die besondere Akustik der Klosterkirche die klaren Töne und fein herausgearbeiteten Glissandi des Trompeters und lässt sie teilweise verschwimmen. Fast schmerzhaft jedoch kommen die hohen Töne am Ohr an. Gleichwohl ist auch dieses Tonstück insgesamt ein mitreißender Genuss.

Zum Höhepunkt dieser Orgelmatinee, die den Abschluss der Reihe bildet, lässt sich die im 19. Jahrhundert von Felix Mendelssohn Bartholdy geschriebene Orgelsonate Nr. VI in d-Moll zählen. Es ist ein gewaltiges Werk, das den ganzen Körper erfasst. Die Blicke der Zuhörer können und dürfen schweifen über die anmutigen Rocailles, die spielerisch musizierenden oder anbetenden Engelchen und den zahlreichen anderen Zierrat dieser Rokokokirche. Denn die drei Musiker sind auch trotz der durchbrochenen Brüstung der Empore nicht zu sehen. Aber zu hören mit den feinen Abstufungen dieses markanten Orgelwerks, das zu den Kernstücken für dieses Instrument zählt. Der Komponist schrieb es über den Choral "Vater unser im Himmelreich".

Christian Bischof gestaltet die Sätze dieses Stücks intensiv, spart nicht mit forschen Phrasierungen beim "Allegro molto" und artikuliert feinfühlig, fast zärtlich das überraschend langsame und zurückhaltende Finale, das Mendelssohn als Andante an den Schluss dieser sonst wuchtigen, fast prunkvollen Orgelsonate setzte. Dass sogar Improvisationen an der Orgel möglich sind, ist bei "Nun danket alle Gott" von Sigfrid Karg-Elert (1877-1933) zu hören und auszukosten.

Bei der strahlenden und sprühenden Zugabe hält es die Zuhörer nicht mehr auf den harten Kirchenbänken. Sie stehen auf und applaudieren minutenlang für diesen temperamentvollen und dennoch feierlichen Nachmittag in der Klosterkirche Schäftlarn.