Orange Day im OberlandTrommeln gegen männliche Gewalt

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Der Verein Frauen helfen Frauen in Wolfratshausen hat eine lautstarke Aktion initiiert, um auf die alltägliche Gewalt gegen Frauen und Mädchen hinzuweisen.
Der Verein Frauen helfen Frauen in Wolfratshausen hat eine lautstarke Aktion initiiert, um auf die alltägliche Gewalt gegen Frauen und Mädchen hinzuweisen. (Foto: Manfred Neubauer)
  • Acht Initiativen veranstalten am 22. November einen Samba-Umzug in Wolfratshausen gegen geschlechtsspezifische Gewalt zum Orange Day.
  • Die Beratungsanfragen des Vereins Frauen helfen Frauen stiegen von 251 im Jahr 2020 auf 489 im Jahr 2024, das Frauenhaus ist kontinuierlich ausgebucht.
  • Am 23. November zeigen Soroptimistinnen im Tölzer Capitoltheater die Dokumentation „Die Unbeugsamen“ über Frauen in der Nachkriegspolitik.
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Auch in scheinbar beschaulichen Städten wie Wolfratshausen sind Frauen und Mädchen jeden Tag sexistischen Angriffen ausgesetzt: auf der Straße, im Netz, im häuslichen Umfeld. Nun lassen es acht Initiativen mal krachen.

Von Stephanie Schwaderer, Wolfratshausen

Es könnte laut und leuchtend werden in Wolfratshausen am Samstag, 22. November. Dann machen sich der Verein Frauen helfen Frauen und sieben weitere Initiativen und Organisationen auf zu einem Samba-Umzug durch die Stadt, um gegen geschlechtsspezifische Gewalt zu protestieren und ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Angeführt werden sie von der Penzberger Formation Samba Batedura. Als Dresscode ist alles in Orange angesagt. DennOrange the World – Stopp Gewalt gegen Frauen“ lautet in diesem Jahr das Motto des Orange Day, der weltweit am 25. November gefeiert wird.

Initiiert haben den internationalen Aktionstag 1981 lateinamerikanische und karibische Feministinnen; seit 1999 ist er von den Vereinten Nationen offiziell anerkannt. Die optimistische Farbe Orange steht dabei für eine Zukunft ohne Gewalt gegen Frauen und Mädchen. In der Region sind vielfältige Aktionen dazu geplant.

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Wie wichtig ein solches Signal auch für ein scheinbar beschauliches Städtchen wie Wolfratshausen ist, weiß Nicoline Pfeiffer. Gewalt gegen Frauen ist ein massives und leider auch alltägliches Problem, zu Hause und im öffentlichen Raum“, sagt die Sozialpädagogin, die den Wolfratshauser Verein Frauen helfen Frauen vor mehr als 30 Jahren mitgegründet hat. „Wir erleben in unserer Arbeit täglich, dass Gewalt gegen Frauen – ob auf der Straße, im Netz oder im häuslichen Umfeld – ein gesamtgesellschaftliches Problem ist.“

Die Täter seien Männer aus allen sozialen Schichten, Altersgruppen und Herkunftslinien, betont Pfeiffer. „Wer suggeriert, dass Gewalt und Kriminalität erst durch Migration sozusagen importiert werden, ignoriert die Realität und spielt mit rassistischen Vorurteilen.“ Die Kehrseite einer solchen missbräuchlichen Verknüpfung:  Frauen, die von deutschen Männern bedroht, unterdrückt oder misshandelt würden, fänden oft wenig Glauben bei den Behörden. Damit aber würden Machtverhältnisse und sexistische Strukturen in unserer Gesellschaft zementiert.

Das Frauenhaus ist kontinuierlich ausgebucht

Die Nachfrage nach Beratungen des Vereins ist in den vergangenen Jahren eklatant gestiegen. Von 251 im Jahr 2020 auf 489 im Jahr 2024. Das Frauenhaus, das offiziell die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach abdeckt, könnte seine Zimmer zwei- bis dreimal belegen, so hoch ist der Bedarf. Auch deshalb wird am Samstag getrommelt. Der Samba-Umzug startet um 11 Uhr an der Bahnhofstraße 13 in Wolfratshausen und zieht zum Marienplatz. Mit dabei sind unter anderem die Initiative Omas gegen rechts, der Verein Sofia und der Kulturverein Isar-Loisach.

Die Frauen des Clubs Soroptimist Isartal/Bad Tölz und die Initiative „Weiblich wirkt“ werfen zum Orange Day einen Blick auf die Kommunalwahlen, die am  8. März 2026, dem Weltfrauentag, stattfinden. Ihre Botschaft haben sie von der streitbaren Sozialdemokratin Käte Strobel übernommen: „Politik ist eine viel zu ernste Sache, um sie allein den Männern zu überlassen.“ Sie zeigen am Sonntag, 23. November, im Tölzer Capitoltheater die Dokumentation „Die Unbeugsamen“ (Beginn 17 Uhr). Der Film von Torsten Körner erzählt von mutigen Frauen, die in der Nachkriegszeit darum kämpften, ihren Stimmen in der Politik Gehör zu verschaffen.

Lisa Wiedemann, Claudia Harrasser, Evelyn Zuber und Kathi Kugler (im Uhrzeigersinn) laden zu einem inspirierenden Filmabend ein.
Lisa Wiedemann, Claudia Harrasser, Evelyn Zuber und Kathi Kugler (im Uhrzeigersinn) laden zu einem inspirierenden Filmabend ein. (Foto: Harry Wolfsbauer)

„Ein Blick in unsere Gemeinde-, Stadt- und Kreisräte offenbart, dass Frauen dort auch heute noch völlig unterrepräsentiert sind“, erklärt die Soroptimistin Claudia Harrasser. Im Anschluss an den Film gibt es die Möglichkeit zu Austausch und Diskussion mit Vertreterinnen aus kommunalen Gremien des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen sowie Frauen, die bei den Kommunalwahlen kandidieren.

Zudem organisieren die Soroptimistinnen wieder eine Weihnachts-Wunsch-Aktion für Kinder und Frauen, die derzeit im Frauenhaus leben. In der Tölzer Tourist-Information und im Gasthof Kolberbräu stehen vom 28. November an Wunschbäume mit Wunschkugeln, denen zu entnehmen ist, worüber Mütter und Kinder sich freuen würden. Die Soroptimistinnen übernehmen dann die Rolle des Weihnachtsmanns und stellen sicher, dass alle Geschenke bis Heiligabend bei den Empfängerinnen ankommen.

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