Oldtimer in Bad Tölz Chromleisten, Tattoos und geföhnte Taschen

Liebhaberautos, handgemachtes Zubehör, Frisuren und Bodypainting prägen das US- Car-Treffen im Moraltpark

Von Thekla Krausseneck, Bad Tölz

Die Frau ist nackt, doch das ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Die Bodypainterinnen Eva-Maria Schulz und Daniela Schatz haben die Haut des 22-jährigen Models Mila Yamakova mit schillernden Theaterfarben bemalt, so dass es aussieht, als trüge sie ein Top im Gepardenmuster, gepaart mit dem Logo des Tölzer Jailhouses und den Farben der amerikanischen Nationalflagge. "Eigentlich wollten wir ein Ganzkörperpainting machen", sagt Schulz und zeigt ihre Aquarellentwürfe auf Papier, "aber das Wetter spielt nicht mit." Wenn es am Sonntag nicht gerade schüttet, nieselt es zumindest - ganz selten blinzelt die Sonne auf das Gelände am Moraltpark herab, auf dem sich Leute und Stände dicht zusammendrängen.

Schulz und Schatz bemalen Models als Werbegag für Firmen: Am Wochenende ist es das US-Car-Treffen, das sie mit Yamakova und ihrem Kollegen Maurice Lassl bewerben. Nebenan stehen die Autos in langen Reihen nebeneinander: wuchtige Dodge RAM 2500 oder schnittige Dodge Charger SRT, Jeeps mit Rammbügeln, Pickups, ein himmelblauer Ford F250 aus den Sechzigern - und, zweifellos eines der Schmuckstücke des Wochenendes, ein schwarzer Chevrolet Bel Air, der alle anderen Wagen mit seinen polierten Chromleisten und Heckflossen überstrahlt. Der Besitzer muss ein Liebhaber sein, der auf jedes Detail Wert legt: In der Windschutzscheibe hängen Plüschwürfel, selbst die Ventilkappen sind als Würfel gestaltet.

Handwerker "Moose" zeigte handgemachte Taschen im Tölzer Moraltpark.

(Foto: Fotos: wolfsbauer)

Doch im prasselnden Regen treiben sich nur wenige Gäste rund um die Autos herum, die meisten suchen Schutz an den Buden - in denen es auch einiges zu sehen gibt. Matthias "Moose" Böttcher präsentiert seine handgemachten Ledertaschen. Eine Motorradtasche mit Aluminiumeinlage - sie ist gerade eine Woche alt - hat er eingewachst, jetzt föhnt er sie geduldig trocken. "Ich mache meine Taschen so, wie ich sie mag", sagt Moose: Sie sollen kein "Puppenkram" sein, sondern robust über Generationen hinweg, und reparabel selbst auf langen Reisen. "Manche Menschen kaufen sich einmal so eine Tasche und behalten sie dann ein Leben lang."

Kurzlebiger sind die Frisuren, die Katharina Amon ihren vorwiegend männlichen Kunden macht - nicht jedoch die Namen dieser Frisuren, die inzwischen Jahrzehnte überdauern. Für 20 Euro können sich Kunden die Haare mit Pomade zu einem "Hawleywood Puff", einem "Mac Curtis" oder einem "Flat Top Boogie" hinstylen lassen. Wenn Amon die Haare schneidet und sie dazu befeuchten muss, greift sie zu einer leeren Jack-Daniels-Flasche, auf deren Verschluss ein Sprühkopf geklebt worden ist. Und wer eine Rasur dazugenommen hat, den reibt sie anschließend mit einem intensiv duftenden Bartöl ein.

Auf dem US-Car-Treffen präsentierten Autobesitzer ihre Schmuckstücke - etwa Dodges wie diesen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Laune lässt sich vom schlechten Wetter niemand verderben, auch nicht Stephan Wiltschek. Fast immer, wenn das Jailhouse - das für ihn "wie eine Familie" sei - ein Event veranstaltet, hat der Künstler einen eigenen Stand, an dem er seine Lackfarben auspackt, um Schilder, riesige Deckel und Motorhauben zu bemalen. Ein Kunde hat am Vormittag seinen Chevy an den Stand gefahren, das Motiv: ein Tattoo, dass er auf dem Arm trug und das ein bissiges Auto zeigte, das einen Menschen auffrisst. Dinge, "die die Menschheit nicht braucht, die aber einfach nur cool sind", sagt Wiltschek.