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Oldtimer aus Geretsried:Echte Käfer-Liebe

Am Steuer eines Käfers - für Dieter Berner eine Leidenschaft.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Berner West-Cars ist eine Werkstatt für Liebhaber

Von Jakob Teterycz

"Wir haben damit aus Blödsinn angefangen", sagt Dieter Berner, Geschäftsführer von Berner West-Cars in Geretsried. Bei seinem Laden handelt es sich um ein Autohaus, das 1998 an den Kirchplatz 10 gezogen ist. Seit einer Vergrößerung des Geschäftsgeländes 2011 restauriert er an seinem Firmensitz nebenher auch Oldtimer.

Gemeinsam mit Freunden habe er sich ein paar alte VW-Käfer gekauft und diese Klassiker in seiner Werkstatt wieder hergerichtet - zunächst alles für den Eigenbedarf, erzählt Berner. Doch dann kamen die ersten Anfragen von Käufern. Seitdem hat sich das Autohaus zusätzlich auf die Reparatur und das Restaurieren von Oldtimern spezialisiert, in erster Linie für VW-Fabrikate. Anfangs war das Autohaus ein Kfz-Handelsbetrieb, der in die ehemalige Sowjetunion exportiert hat. Hauptsächlich westliche Automarken wie Mercedes, BMW und Audi gingen in den Osten, daher auch der Name West-Cars.

Auch ein Klassiker: das Goggomobil.

(Foto: Hartmut Pöstges)

"Den hat der Opa verkauft"

Berners Lieblingsauto ist ein weißer VW-Käfer 1200, Baujahr 1957. "Den hat der Opa verkauft", erzählt er stolz und weist auf eine dies kennzeichnende Plakette an der Karosserie hin. Lächelnd betrachtet er den zugehörigen Fahrzeugschein. Nach dem Tod des Besitzers kam der Käfer zurück in Berners Hände. "Das ist schön, wenn ein Mensch an seinem Auto hängt - bis zu seinem Tod." Aktuell kauft er aber keine Oldtimer mehr zum Restaurieren an, "es stehen genug rum", sagt er. "Und Rumstehen, das ist für die Autos schlimmer als das Fahren."

"Ei-ei-ei", macht Berner schmunzelnd, während er sich in einem seiner glänzenden Oldtimer niederlässt. Es scheint wohl länger her zu sein, dass er sich in einen seiner Lieblinge gesetzt hat, denn sein eigener feuerroter Mercedes SL 450 ist aktuell ebenfalls in der Ausstellungshalle geparkt. Das seit 1990 bestehende Familienunternehmen versetzt die Oldtimer immer in ihren Originalzustand zurück - bis hin zur Farbe. Berner verkauft etwa 80 Prozent seiner Oldtimer im fertigen und fahrbereiten Zustand, es gebe aber auch Käufer, die ihr Auto eigenständig fertigstellen wollen, sagt er. Die meisten allerdings "wollen einfach nur fahren".

Auf die Details kommt es an _ hier ein Mercedes von 1966.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Hauptsächlich handele es sich dabei um Käfer-Cabriolets, dafür sei die Nachfrage am größten. Diese bis zu 35 000 Euro teuren Autos seien "wie ein Kind", sagt Berner, deshalb verkaufe er diese auch nicht an jeden "Kaschperlkopf", so drückt er sich flapsig aus. Bloße "Schauer" enttarnt der Auto-Experte sofort. "Die lasse ich gar nicht rein", sagt er. Denn Restaurieren, das sei kein bloßes Geschäft mit alten Fahrzeugen, so Berner schwärmerisch, da gehe es um Liebe.

© SZ vom 16.10.2020

"Aus Blödsinn angefangen", mit Liebe dabei geblieben: Dieter Berner.

(Foto: Hartmut Pöstges)

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