Öffentlicher Nahverkehr in Bad Tölz-Wolfratshausen:Systemwechsel bei Busunternehmen

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Beim sogenannten Bergsteigerbus in die Eng, die Linie 9569 des RVO, ist eine Notvergabe nötig, weil die Konzession bereits im Juli 2025 ausläuft. (Foto: RVO/oh)

Weil der RVO Linien nicht mehr eigenwirtschaftlich betreiben will, muss der Landkreis sie neu ausschreiben und für die Übergangszeiten teure Notvergaben in Kauf nehmen.

Von Petra Schneider, Bad Tölz-Wolfratshausen

Nicht nur die MVV-Verbundraumerweiterung, die seit Dezember 2023 im Landkreis in Kraft ist, sondern auch das Deutschlandticket oder der Mangel an Busfahrern führt dazu, dass viele Verkehrsunternehmen ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen. "Die Großwetterlage hat sich geändert", sagte Matthias Schmid, Sachbearbeiter für den ÖPNV, am Montag im Kreisausschuss.

Bislang läuft es so, dass Verkehrsunternehmen wie der Regionalverkehr Oberbayern (RVO), Buslinien eigenwirtschaftlich betreiben. Was sich rechnet, wird angeboten und muss von der Regierung von Oberbayern genehmigt werden. Weil der Landkreis aber die im Nahverkehrsplan festgelegten Ziele erreichen und der ÖPNV insgesamt gestärkt werden soll, kommt das System der Eigenwirtschaftlichkeit an seine Grenzen. Abgelöst wird es im MVV-Verbund durch einen gemeinwirtschaftlichen Ansatz. Heißt: Der Landkreis legt fest, wo und in welcher Taktung Busse fahren sollen. Die Aufträge müssen europaweit ausgeschrieben werden. Verkehrsunternehmen geben an, welche Kosten sie pro Kilometer haben. Der Landkreis zahlt und erhält im Gegenzug die Einnahmen. Im Landkreis enden bis spätestens 2029 zwölf eigenwirtschaftliche Linien, die der RVO nicht verlängern will. Dies wisse man allerdings erst seit Kurzem, sagte Schmid. Bereits im Jahr 2025 verlieren drei Linien ihre Konzession. Weil die Zeit für ein reguläres Ausschreibungsverfahren zu kurz ist, muss sich der Landkreis mit Notvergaben helfen, die allerdings teuer sind.

Auch betroffen: die Schülerbeförderung

So läuft bereits Ende Februar 2025 die Konzession auf der Linie 368 - Holzkirchen, Otterfing, Dietramszell, Bad Tölz - aus. Um die Schülerbeförderung nicht zu gefährden, ist für die acht Monate zwischen 1. März und 31. Oktober eine Notvergabe nötig, die für den Landkreis Kosten von rund 300 000 Euro verursacht. Ab November 2025 gilt dann für 25,5 Monate eine Regelausschreibung, die um ein weiteres Jahr verlängert werden kann. Pro Jahr zahlt der Landkreis auf dieser Strecke dann um die 400 000 Euro. Für die Linie 353 - Holzkirchen, Sachsenkam, Bad Tölz, Lenggries (Hohenburg) - endet die Konzession erst Ende Oktober 2025, weshalb keine Notvergabe nötig ist. Ab November 2025 übernimmt der Landkreis Kosten von rund 550 000 Euro pro Jahr. Beim Bergsteigerbus in die Eng, der nur in den Sommermonaten fährt, ist dagegen eine Notvergabe nötig, weil die Konzession bereits im Juli 2025 ausläuft.

Zuletzt gab es Irritationen über die Linie 369: Im April hatte der Kreis-Infrastrukturausschuss beschlossen, in der kommenden Sommersaison Busfahrten in die Eng auszusetzen, weil die Kosten für die Notvergabe unverhältnismäßig hoch seien. Kurz darauf stellte das Landratsamt dies per Pressemitteilung richtig, auch am Montag räumte Schmid ein, "dass mir da ein Fehler unterlaufen ist." Denn die Kosten für die Notvergabe in den Sommermonaten 2025 lägen mit rund 200 000 Euro in etwa so hoch wie die jährlichen Kosten bei der regulären Vergabe - was im Infrastrukturausschuss missverständlich dargestellt worden war. Der Kreisausschuss jedenfalls empfahl am Montag die Ausschreibung des Bergsteigerbusses in Not- und Regelverfahren ebenso einstimmig wie die der beiden anderen Linien. Trotz einer Verzehnfachung der Kosten, die sich in den Jahren 2026 und 2027 auf knapp 1,2 Millionen erhöhen.

Die Kostenverteilung beim Deutschlandticket ist immer noch ungeregelt

Davon abgezogen werden freilich die Einnahmen, die allerdings schwer abschätzbar seien. Denn die Verteilung beim 49-Euro-Ticket, das deutschlandweit gekauft werden kann, sei immer noch nicht geregelt, kritisierte Landrat Josef Niedermaier (FW). Außerdem werde seit Corona die Zahl der Fahrgäste nicht mehr erhoben, was für eine Kalkulation unerlässlich sei. Dass der Bus in die Eng ausschließlich vom Landkreis bezahlt wird und sich das Land Tirol nicht beteiligt, wurde von Martin Bachhuber (CSU) bemängelt. "Es ist schon wichtig, dass wir hier keine Wirtschaftsförderung für das benachbarte Ausland machen." Der DAV habe sich mit dem dringenden Appell an das Landratsamt gewandt, den Bergsteigerbus in die Eng zu erhalten, erklärte Abteilungsleiter Wolfgang Krause. Man habe mit der Tölzer Sektion bereits über eine finanzielle Beteiligung gesprochen - was im Beschlussvorschlag ebenso ergänzt wurde, wie die Prüfung, ob generell "Dritte" gefunden werden könnten.

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