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Öko-Blog:"Man kann nachhaltig leben, auf nichts verzichten - und gut angezogen sein"

Marisa Neumeister Bloggerin

Wer umweltbewusst lebt, muss auf nichts verzichten: Die Bloggerin Marisa Neumeister zeigt, wie man mit gutem Gewissen einkaufen kann.

(Foto: Manfred Neubauer)

Vor zwei Jahren hat Marisa Neumeister ihr Leben geändert: Vom Anorak bis zur Zahnbürste kommen ihr nur noch nachhaltige Produkte ins Haus.

Wenn Marisa Neumeister morgens Zähne putzt, greift sie nicht zur Tube. Sie beißt auf eine Zahnputztablette. Die schäumt nicht so stark wie Zahnpasta, das sei aber der einzige Unterschied, sagt sie. Die Bürste ist aus Holz, Shampoo und Seife sind am Stück, Cremes kommen aus Glasbehältern, und der Rasierer ist aus Edelstahl. Ihre ganze Wohnung ist auffällig plastikfrei. Nur der Mülleimer ist eine Ausnahme - der ist neu und ein Spezialmodell, das Biomüll besonders schnell in brauchbare Erde umwandelt. Alles im Haushalt der 26-jährigen Lenggrieser Pädagogin ist möglichst umweltbewusst gewählt. Auch, und das liegt Marisa besonders am Herzen, der Inhalt ihres Kleiderschranks. In ihm befinden sich fast ausschließlich Klamotten, die unter fairen Bedingungen für Natur und Arbeiter hergestellt wurden.

Auf ihrem Blog www.myfairladies.net schreibt sie über ihren nachhaltigen Lebensstil. Nach einer klischeehaften Umweltaktivistin sieht sie aber keineswegs aus. Mit ihrem kurzen blonden Bob eher nach einer smarten, trendbewussten Mittzwanzigerin, wie man sie in den Straßen Münchens häufig sieht, typischerweise mit Smartphone und Coffee-to-go-Becher in der Hand. Den hat Marisa allerdings schon lange aus ihrem Leben verbannt. Stattdessen nimmt sie ihren eigenen Keramikbecher mit. "Ich will zeigen, dass es möglich ist, einen nachhaltigen Lebensstil zu haben, man dabei auf nichts verzichten muss und auch gut angezogen sein kann."

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An manchen Tagen sind bis zu 1500 Leser auf ihrer Seite, die verfolgen, wie Marisa Einzelteile zu Outfits kombiniert und erklärt, wo man sie kaufen kann - alle Artikel natürlich fair und nachhaltig. Sie informiert über entsprechende Geschäfte und Onlineshops. Auf der Fair-Shopping-Karte sind mittlerweile mehr als 100 Läden mit umweltbewusst produzierter Mode in ganz Europa verzeichnet. Besonders beliebt ist die Rubrik "Do It Yourself". Hier stellt sie Hygiene und Pflegeprodukte, wie Spülmittel, Lippenbalsam, Creme oder Toiletten Tabs selbst her und erklärt die Rezepte dazu. Für selbstgemachtes Waschmittel zum Beispiel braucht man vier Esslöffel Waschsoda, 30 Gramm Olivenölseife, zwei Liter Wasser und ein paar Tropfen ätherisches Öl für den guten Geruch.

Auf vielen Fotos ist Marisa selbst als Model zu sehen, und das sieht ziemlich professionell aus. Obwohl ihr die Shootings - der Fotograf ist ihr Freund - eher unangenehm sind. "Es geht mir nicht um mich, sondern um die Sache." Geld verdient sie mit dem Blog nicht.

Die Idee dafür entstand vor zwei Jahren, kurz nachdem sie für ihr Studium der Politikwissenschaften aus Lenggries nach Erlangen gezogen war. "Die erste größere Stadt für mich, ich bin ständig einkaufen gegangen, mein Kleiderschrank platzte aus allen Nähten." Mit Mode beschäftigte sich Marisa schon immer viel. Zufällig stieß die Studentin dann auf den Dokumentationsfilm "The True Cost", in der deutschen Übersetzung "Der Preis der Mode". Der habe ihr gezeigt, was hinter der Kleidungsindustrie steckt, wie Mensch und Natur an der möglichst kostengünstigen Produktion der immer billigeren Waren Schaden nehmen, erzählt sie. Von da an sei ihr eines klar gewesen: "So will ich nicht weitermachen."

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Sie begann zu recherchieren, wollte Alternativen finden und machte sich auf die Suche nach fairen Geschäften. "Das war sehr zeitaufwendig," erzählt sie. Andere, die sich auch für das Thema interessieren, sollten es einfacher haben. So fing sie an, im Internet ihre Erfahrungen und Ergebnisse zu teilen. "Ich will ein positives Vorbild sein, kein schlechtes Gewissen machen." Es gehe darum, Plastikmüll zu reduzieren, nicht alles sei immer zu 100 Prozent umsetzbar. "Wenn ich kurz vorm Verhungern bin und mir jemand einen Schokoriegel anbietet, lehne ich den auch nicht ab, weil er in Plastik verpackt ist."

Zum Einkaufen zieht Marisa mit Stoffbeutel und Einweckgläsern los. Nudeln, Kaffeebohnen, Linsen, Mehl, Müsli und Nüsse, alles füllt sie in Glasbehälter. Aufgereiht auf Marisas Kühlschrank geben sie ein buntes Bild ab. Seit kurzem setzt sie sich auch in der Region für verpackungsfreies Einkaufen ein, als Vorstandsmitglied im 2017 gegründeten Verein Oberland plastikfrei. Marisa engagiert sich gerne. In diesem Jahr rief sie das erste Treffen für "Green-Blogger" in Süddeutschland ins Leben. Dort trafen Leute zusammen, die in Blogs über Umwelt und Nachhaltigkeit schreiben. Das alles macht sie neben ihrer Arbeit als Leiterin der Fachstelle für Jugendkultur beim Bezirksjugendring Oberbayern. "Natürlich sitze ich manchmal bis in die Nacht und beantworte E-Mails, aber es macht auch großen Spaß, vor allem dann, wenn man gutes Feedback bekommt."

Wenn sie darüber spricht, wie ganze Inseln aus Plastik durch die Meere treiben und zum Beispiel in Indonesien Flüsse durch Müllberge verstopft sind, klingt sie nachdenklich. Den Mut verliert sie aber nicht - auch wenn, oder gerade weil noch sehr viel zu tun ist. Etwas zögerlich sagt sie: "Ich glaube schon, dass sich gerade etwas verändert", und mit Nachdruck fügt sie hinzu: "Es muss auch etwas passieren, weil wir sonst einfach alle irgendwann im Müll ersticken."

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