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Niederschwelliges Angebot:Familienpaten für Lenggries

Familienpaten leisten ehrenamtlich und vorübergehend vielfältige Unterstützung, etwa bei der Betreuung.

(Foto: Toni Heigl)

Die Gemeinde nimmt an Sozialprojekt teil, das sich bereits im Nordlandkreis bewährt hat

Im Leben vieler Familien gibt es Phasen, in der Hilfe nötig ist: Schulstress, Beziehungsprobleme, Anforderungen durch den Beruf, Krankheiten, Überforderung durch das neu geborene Baby. Diana Eichmüller von der Fachstelle Familienförderung im Landratsamt kennt viele solcher Fälle: Etwa jene Familie mit drei Kindern, in der der Papa plötzlich verstorben ist. Ein besonders dramatischer Fall, die Mutter total erschöpft, die Kinder verstört. Damit Familien in Krisensituationen nicht alleine gelassen werden, gibt es seit einigen Jahren im Landkreis das Projekt "Familienpaten". Ehrenamtliche Helfer unterstützen Familien vorübergehend und unentgeltlich. Sie werden von der Fachstelle Familienförderung im Landratsamt ausgebildet und begleitet. Familienpaten gibt es bereits an den Standorten Bad Tölz, Geretsried, Wolfratshausen und im Loisachtal. Vor zwei Jahren startete der Standort Nord mit Münsing, Eurasburg, Icking und Egling. Nun soll das Projekt auch im Südlandkreis umgesetzt werden: Bereits zugesagt haben die Gemeinden Gaißach, Greiling, Jachenau, Sachsenkam, Wackersberg; ein Beschluss in Reichersbeuern steht noch aus. In Lenggries hat sich der Gemeinderat am Montag einstimmig für eine Teilnahme ausgesprochen.

Jede Familie im Landkreis, die Unterstützung braucht, kann Hilfe beantragen - und muss dafür nicht beim Jugendamt vorsprechen. "Ich als Mama hätte da eine Hemmschwelle", sagte Sozialpädagogin Eichmüller. Zudem sei das Jugendamt nur zuständig, wenn ein "pädagogischer Bedarf" gegeben sei. Um das Angebot möglichst niederschwellig zu gestalten, sei im Landkreis ein bayernweit einmaliges Modell entwickelt worden. Es basiert auf vier Säulen, bindet die Kommunen ein und sieht zusätzlich zu den Ansprechpartnern im Landratsamt, die vor allem für den Aufbau der Standorte und die Schulung der Paten zuständig sind, eine Fachkraft im jeweiligen Sozialraum vor. Diese hauptamtliche Sozialpädagogin wird von einem Träger eingestellt. Sie koordiniert die Arbeit der Ehrenamtlichen, sucht neue Helfer, führt Erstgespräche und "schaut, dass Familie und Pate zusammen passen", sagte Eichmüller. Die Auswahl eines Trägers obliegt den Gemeinden. Demnächst werde es eine Ausschreibung geben, Anfang des kommenden Jahres könnte dann eine Fachkraft eingestellt werden. Familien können Paten direkt bei der pädagogischen Fachkraft anfragen, die entscheidet, ob ein Einsatz möglich ist. Von der Kinderbetreuung bis zur Haushaltsorganisation, vom Arztbesuch bis zur Hausaufgabenhilfe kann vorübergehende Unterstützung geleistet werden, mit der Zielsetzung, "dass Familien dann alleine weitergehen können", sagte Eichmüller.

Das Projekt sei überaus erfolgreich: 37 Prozent der Unterstützung von Familien im Freistaat werde im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen geleistet, der auf 140 ausgebildete Familienpaten zurückgreifen kann. Im vergangenen Jahr leisteten sie rund 17 500 ehrenamtliche Stunden Familienhilfe. Während einer zweijährigen Pilotphase beteiligt sich das Landratsamt mit einer Förderung, ebenso das Koki-Netzwerk "Frühe Hilfen".

Der Anteil der Gemeinden berechnet sich im ersten Jahr nach ihr Bevölkerungszahl: Lenggries muss demnach rund 6000 Euro zuschießen. Ab dem zweiten Jahr soll gemäß einem Vorschlag von Bürgermeister Werner Weindl (CSU) die gemeindlichen Anteile zu gleichen Teilen nach der Bevölkerungszahl und nach der Anzahl ihrer "Fälle", also der in Anspruch genommenen Familienpaten, errechnet werden. Nach eineinhalb Jahren wird Bilanz gezogen; dann entscheiden die Gemeinden, ob sie das Projekt weiterführen wollen. Eichmüller betonte: Gemeinden, die nicht einsteigen, könnten keine Familienpaten beantragen. Im Lenggrieser Gemeinderat gab es viel Unterstützung für das Projekt. "Es gibt in jeder normalen Familie Situationen, die schwierig sind", sagte Christine Rinner (CSU). Es sei zu hoffen, dass das Angebot angenommen werde, "um Schlimmeres zu verhindern."