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Neujahrsempfang der Wirtschaft:Die Zukunft liegt im Oberland

"Die Wirtschaftslage im Oberland ist besser als in Bayern": Dieses Fazit hat Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer IHK für München und Oberbayern, am Mittwochabend gezogen. Beim Neujahrsempfang, den das Wirtschaftsforum Oberland und die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern in Kooperation mit der Industriegemeinschaft Geretsried und der Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen ausrichteten, legte Gößl in seiner Festrede aktuelle Zahlen vor. Die belegten, dass viele Unternehmer im Oberland die Geschäftslage und Erwartungen deutlich besser beurteilten als im bayerischen Vergleich.

Das Oberland profitiere von starker Binnenwirtschaft und von den vielen kleinen und mittleren Betrieben, etwa im Handwerk. Während es einer Prognose von Gößl zufolge künftig in Bayern eher einen Stellenabbau geben werde, steige im Oberland der Beschäftigungsaufbau. Doch die aktuelle Lage berge auch Risiken, weshalb er leidenschaftliche Appelle an die Vertreter der Politik richtete, die im Wolfratshauser Krämmelforum dem bestens besuchten Empfang beiwohnten: Der Fachkräftemangel liege im Oberland bei knapp 50 Prozent, zudem seien die Energie- und Rohstoffpreise hier höher als andernorts.

"Das eigentliche Problem aber ist die Zurückhaltung bei Investitionen", sagte Gößl. "Deshalb ist das Zeichen der Zeit: Es muss etwas passieren in der Politik, Unternehmer brauchen Impulse." Seine Forderungen: Die Gesamtsteuerbelastung auf einbehaltene Gewinne müsse von mehr als 30 Prozent auf 25 gesenkt werden, Personalgesellschaften müssten wie Kapitalgesellschaften besteuert werden. Es brauche deutlich kürzere Abschreibungszeiträume bei der Anschaffung von Hard- und Software und der Industriestrompreis müsse angeglichen werden. Dafür brauche es "politischen Mut", weshalb der Hauptgeschäftsführer die Wichtigkeit der bevorstehenden Wahlen betonte.

Ein "Horror" wäre indes für Gößl, wenn es eine Flächenverbrauchsobergrenze geben würde. Für die Zukunft setzt er auf nachhaltiges Wachstum, bezahlbaren Wohnraum, Ausbau der Verkehrswege und nachhaltige Mobilität, die Sicherung von Standorten und Gewerbeflächen sowie die Stärkung digitaler Infrastrukturen. "Wirtschaft ist ein Teil der Lösung", sagte er im Hinblick auf gesellschaftliche und politische Herausforderungen. Deshalb sei es wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen: "Die Party ist vorbei, da muss man zusammenstehen."

© SZ vom 07.02.2020 / cjk
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