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Neues Konzept Bad Tölz:Almleben in der Stadt

Ferienwohnungen Stadt Alm

„Wir haben uns an die Vorarlberger und Schweizer Alpinarchitektur angelehnt“, sagt Bauherr Sepp Mangold zum Gästehaus am Oberen Schuss.

Sepp Mangold und Nadine Schmitt bescheren Bad Tölz einen Impuls für den Tourismus. Ihr Gästehaus bietet moderne Architektur, ökologische Ausstattung, Bienen, Hühner und ein Freizeitprogramm

In Bad Tölz gibt es ein neues Angebot für Gäste, das der Stadt Impulse für den Tourismus geben könnte. "Stadtalm Tölzer Land" nennt sich das Konzept, das ungewöhnliche Architektur und ökologische Materialien mit einem Rahmenangebot kombiniert, das von Alpaka-Touren bis zu Schneeschuhwanderungen reichen soll. Ausgetüftelt haben es Sepp Mangold und seine Lebensgefährtin Nadine Schmitt. "Wir haben das so gebaut, wie wir selber wohnen wollen", sagt der 62-Jährige.

Auf dem Hanggrundstück am Oberen Schuss ist in zweijähriger Bauzeit ein kubisches Gebäude mit Lärchenholzverschalung, großen Fenstern und begrüntem Flachdach entstanden. Es umfasst drei Ferienwohnungen und ein Ferienhaus, die zwischen 35 und 90 Quadratmeter groß sind. Die Preise beginnen bei 95 Euro pro Nacht. Draußen gibt es einen Hühnerstall, unter der "Brücke", welche die Kuben verbindet, ist eine große "Begegnungsfläche" entstanden, wie der Ellbacher Architekt Hans Schmid erklärt. Ein leichter Baukörper mit viel Luft und Raum, der weitgehend barrierefrei ist. "Wir haben uns an die Vorarlberger und Schweizer Alpinarchitektur angelehnt" sagt Mangold. Hanglage, Bienen, Hühner - "eine Alm mitten in der Stadt", so erklärt Nadine Schmitt die Namensgebung.

Die Ausstattung der Räume ist hochwertig; Küchen aus Eichen- und Ahornholz, die Betten sind gefüllt mit der Wolle der hauseigenen Alpakas. In den Schlafzimmern wurde viel Zirbenholz verwendet. "Das riecht gut und wirkt schlaffördernd", erklärt Mangold. Die Wände zieren historische Fotos aus dem Isarwinkel. Um ein gutes Raumklima zu erreichen, ist der Kubus ganz aus Holz, die Wände wurden mit Lehm verputzt. "Lehm isoliert gut, ist voll recycelbar und nimmt Feuchtigkeit und Gerüche hervorragend auf", sagt der Bauherr.

Historischer Hintergrund

Aber auch aus historischen Gründen wollte er den ökologischen Baustoff unbedingt verwenden: Denn bis Mitte der 1970-er Jahre stand an diesem Hang der Stadel der Ziegelei Helmstetter. Alte Lehmziegel zieren nun die Wände an der Freifläche. Sein Urgroßvater habe den Stadel gekauft und eine kleine Landwirtschaft betrieben, erzählt Mangold. Später grasten hier seine Lamas und Alpakas, ehe sie auf den Glaswinklerhof nach Oberfischbach umzogen. Der Hang war ungenutzt und schwer zu pflegen, was also tun?

"Wir wollten etwas Außergewöhnliches machen", sagt Mangold, der mit seiner Lebensgefährtin im Haus nebenan wohnt. Im Tourismus sei er zwar ein "Quereinsteiger", ansonsten aber ein "Lebenskünstler" mit diversen Berufen: Bergführer, Inhaber einer Langlaufschule, Sportartikelvertreter, Immobilienvermittler, Schreiner, Trekkingführer.

Seine Erfahrungen möchte Mangold künftigen Gästen zur Verfügung stellen und ein Rahmenangebot entwickeln, das Lamatouren und Ausflüge in die Umgebung einschließt, per Rad, E-Bike, mit Schneeschuhen oder Langlaufskiern. "Ich kenne im Isarwinkel die besten Plätze, und die werde ich nicht geheim halten." Seine Gäste sollen in der Stadtalm nicht nur übernachten, "sie sollen wohnen und sich in der Natur erholen". Und das möglichst naturverträglich. Wer mit dem öffentlichen Nahverkehr anreist, bekommt zehn Prozent Ermäßigung.

Mangold hat beim Bau auf ökologische Materialien gesetzt und ausschließlich Handwerker aus der Region beschäftigt. Er wollte unbedingt ein Flachdach, um auf der 100 Quadratmeter großen Dachfläche eine Bienenweide anzulegen. "Und weil es schon genug rote Satteldächer gibt", findet er.

Im Bauausschuss des Stadtrats war man nicht sofort begeistert von seinen Plänen. Aber man habe schließlich erkannt, dass das Gebäude zu Tölz passt", sagte Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann (FWG) beim Rundgang am Freitag. Viel Lob gab es für den Bauherrn. "Dieses Konzept bringt uns als Ferienregion voran", ist Wiedemann überzeugt. Der Tourismus werde in Tölz zu Unrecht schlecht geredet, und Einheimische wollten nicht investieren. "Das schaffen offenbar eher Quereinsteiger". Kurdirektorin Brita Hohenreiter lobte vor allem das geplante Rahmenprogramm. Die Stadtalm liege im höherpreisigen Segment, aber dafür gebe es einen Markt. "Lieber Mehrwert als Dumpingpreise." Andreas Wüstefeld, Leiter von Tölzer Land Tourismus, sagte Unterstützung zu. "Denn da steckt viel Engagement und Herzblut drin."

© SZ vom 10.02.2020