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Neues Herzstück in Penzberg:Visionen erwünscht

In der Penzberger Rathauspassage kommen die Bürger zu Wort: Der Filmer Christian Podolski nimmt ihre Wünsche und Anregungen für die Umgestaltung auf. Birgit und Thomas Haberecht etwa wünschen sich einen Ort für "wunderbare Momente".

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Unter der Beteiligung der Bürger soll die Penzberger Rathauspassage zum "Wohnzimmer" umgestaltet werden. Doch wegen der Corona-Pandemie ist das Projekt in Vergessenheit geraten. Ein Image-Video soll das ändern

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Bürgerbeteiligung in Zeiten der Corona-Pandemie ist eine Herausforderung. Abschrecken lässt sich Katrin Fügener, Leiterin der Penzberger Stadtbücherei, davon nicht. Die Penzberger sollen mitreden können, wie ihr Bürgertreff, das Wohnzimmer in der Rathauspassage, künftig aussehen soll - Krise hin oder her. Weil derzeit keine Workshops möglich sind, beschreiten Fügener und ihre Mitstreiter andere Wege. Mit einem Image-Video soll den Penzbergern Lust auf Brainstorming gemacht werden. Ihre Ideen für den neuen Bürgertreff können sie etwa per E-Mail einschicken.

Ein großes, grünes Tuch ist unter der Glaskuppel der Rathauspassage aufgespannt. Vor dem Greenscreen posieren Thomas und Birgit Haberecht. "Wir wünschen uns einen Ort, wo Familie und Freunde gemeinsam wunderbare Momente erleben können", spricht das Paar in die Kamera, hinter der Christian Podolski steht. Unterhaltung, Kunst und Musik für Groß und Klein sollen in der Passage eine neue Heimstatt bekommen, so der Wunsch der beiden Penzberger. Eilig huschen einige Passanten vorbei. "Ruhe", ruft Podolski. Es ist der zweite Drehtag. Bürger aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten erzählen, was das künftige Wohnzimmer zu bieten haben solle. Circa eineinhalb Minuten lang ist das fertige Video, das über die sozialen Medien verteilt wird. Es soll die Penzberger zur Teilnahme am Denkprozess animieren. Dafür macht auch Bürgermeister Stefan Korpan Werbung, der sich als nächster vor dem Greenscreen aufstellt. Das neue Herzstück Penzbergs soll der Bürgertreff werden, sagt er in die Kamera, ein Treffpunkt zum Wohlfühlen mit vielen tollen Angeboten. "Welche Ideen haben Sie? Machen Sie mit!", schließt er seinen Auftritt. Die Penzberger sind gefragt. Es geht ums Mitmachen und ihre Visionen.

Im Februar 2020 hatte Fügener gemeinsam mit der Chefin der Volkshochschule (VHS), Katja Wippermann, das Projekt, die nüchterne Immobilie neu zu denken, den Stadträten vorgestellt. Die Kulturstiftung des Bundes bezuschusst das Vorhaben mit 79 600 Euro. Die Rathauspassage im Erdgeschoss und ihr Umfeld sollen inhaltlich und räumlich umgestaltet werden. Dazu bedarf es kreativer Ideen, die gemeinsam mit der Bevölkerung, den künftigen Nutzern, gefunden werden sollten.

Dann kam Covid-19 und einhergehend das Problem mit Abstands- und Hygieneregeln Workshops zu veranstalten, bei denen sich die Teilnehmer ohne Hemmnisse austauschen können. Treffen zwischen Stadträten und Mietern der Passage hat es gegeben, wobei die Stadt Penzberg inzwischen Teile des Gebäudes selbst besitzt. "Die Frage war, wie bringen wir die Penzberger dazu, sich zu beteiligen und Ideen einzubringen", sagt Fügener. Durch den Lockdown sei das Projekt aus dem Bewusstsein verschwunden. "Aber es ist nicht gestorben." Mit dem Video hoffen die Initiatoren, viele Bürger erreichen zu können. Voraussichtlich Ende September geht der Werbeclip online. Auch beim "StadtLesen", das aller Voraussicht nach vom 1. bis 4. Oktober auf dem Penzberger Stadtplatz stattfindet, sollen die Besucher Stellwände rund um den neuen Bürgertreff in der Rathauspassage vorfinden und sich kreativ einbringen können.

Wichtig ist es Fügener, dass sich die Teilnehmer keine Schranken selbst auferlegen. Wände und ähnliches sollen kein Hindernis darstellen, auch nicht der Brandschutz. "Kreativ, frei, neu denken" - das wünscht sich Fügener von den Penzbergern. Erst im zweiten Schritt seien die Experten gefragt, die die Umsetzung begleiten und sagen, was machbar ist und was nicht, so Fügener. Das Konzept für die Umgestaltung der Rathauspassage soll Ende 2021 vorliegen.

© SZ vom 31.08.2020

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