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Neue Spirituose:Wolfratshausen Tonic

Feinkosthändler Roman Huber hat die Rezeptur für den Wolfratshausen-Gin zusammen mit einem Mitarbeiter zusammengestellt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Loisachstadt hat jetzt einen Gin: Der "Wolf" vereint Wacholder mit einer Limettennote und einem Hauch von Chili

Gin ist in. Zwar liegt die absolute Hochzeit der klaren Spirituose lange zurück - die "Gin-Epidemie", die im frühen 17. Jahrhundert vor allem die ärmere Bevölkerung Englands stark dezimierte. Seitdem aber gehört der Wacholderschnaps in jede Bar - und erfreut sich in jüngster Zeit wieder großer Beliebtheit. Gin ist angesagt, vor allem als Longdrink mit Tonic oder Gingerbeer, Ingwer und Gurke. Das nennt sich dann "Munich Mule" und wird in gekühlten Blechtassen gereicht. Gin gibt es längst nicht nur aus London, sondern auch aus dem Schwarzwald, Berlin oder München. Nun hat auch Wolfratshausen eine eigene Marke: den "Wolf".

Entwickelt haben ihn Roman Huber, Geschäftsführer des Wolfratshauser Feinkosthändlers "Bavaria Selection" und sein Marketing-Mitarbeiter Chris Weber. Sie hätten sich gemeinsam auf der Messe "Trendset" in München umgesehen, erzählt Huber, und dort regionale Ginmarken kennengelernt. "Dann haben wir gedacht: Das müssen wir selber machen." Gebrannt wird ihr Gin zwar nicht in Wolfratshausen, sondern bei einem Landwirt mit Brennrecht "rechts der Isar", wie der 52-Jährige sagt. Der produziere für die "Bavaria Selection" auch andere Spezialitäten wie das Kirschwasser "Boandlkramer" oder den "Wolfratshauser Flößergeist", der aus Johannisbeeren gebrannt wird. Dennoch sei der "Wolf" ein Wolfratshauser Produkt, wie Huber betont: "Die Idee kommt aus diesem Haus", sagt er in seinem Laden in der Königsdorfer Straße. "Wir hatten sehr konkrete Vorstellungen davon, wie ein Gin schmecken muss."

Das Ergebnis ist ein Schnaps, der die typische Wacholdernote mit Limette und einem Hauch von Chili vereint. Zwar gebe es noch andere Inhaltsstoffe, sagt Huber. "Aber das ganze Geheimnis wird nicht verraten." Für die Herstellung des Gin wurden die Inhaltsstoffe in Neutralalkohol angesetzt und dann destilliert. "Die Kunst ist, die Aromen ins Destillat zu bringen", sagt Huber. Das sei dem beauftragten Brenner, der auch ausgebildeter Edelbrand-Sommelier sei, gut gelungen. Zwar habe es auch eine kleine Versuchsreihe gegeben, sagt Huber. Wegen der "konkreten Zielvorgaben" sei es aber sehr schnell gegangen, die richtige Balance zu finden.

Länger hat es gedauert, bis Huber und Weber das richtige Design für Flasche und Etikett gefunden hatten: Der "Wolf" kommt sehr dunkel und edel-schlicht daher, in einer schwarz lackierten Glasflasche. Auf dem schwarzen Etikett blickt einem bedrohlich ein schwarzer Wolf entgegen, von dem man nur die Umrisse und ein gelb-grünes Auge sieht. Die Informationen sind auf das Wesentliche reduziert: Oben steht "Wolf", mit einem Fadenkreuz im O, darunter Gin. Sonst ist nur der Alkoholgehalt von 45 Volumenprozent zu lesen und, ganz klein links unten, die Adresse der Wolfratshauser "Bavaria Selection" als Produzent. "Unser Gin verleugnet nicht seinen Namenspatron", sagt Huber und meint damit das Tier des Stadtwappens. Und weil der Wolf ein nachtaktives Tier sei, komme nur eine schwarze Flasche in Frage. Das alles soll laut Huber "die Mystik des Waldes" transportieren, die auch der Geschmack gut abbildet, wie der Gin-Erfinder überzeugt ist.

Bislang gibt es den "Wolf" nur in 0,5-Liter-Flaschen, die in Hubers Laden etwa 35 Euro pro Stück kosten. "Das bewegt sich für handwerklich gefertigte Gins im Markt", sagt der Geschäftsführer. Die ersten 300 Flaschen sind bereits produziert worden, die zweite Charge á 150 Liter sei schon in Auftrag gegeben. "Da sind unsere Kapazitäten begrenzt", sagt Huber. Schließlich handle es sich um ein "authentisch handwerkliches Produkt".

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft bietet er seinen Gin auch in der Geschenkbox an, eine Flasche mit zwei doppelwandigen Edelstahlbechern mit "Wolf"-Logo, gebogenen Strohhalmen aus Edelstahl samt Reinigungsbürsten und einem mundgeblasenen Ausgießer, um exakt zwei Zentiliter abzumessen. 70 Euro soll die Holzkiste kosten. Huber will demnächst weitere Geschenksets zusammenstellen, auch in Kooperation mit den Münchner Tonic-Produzenten "Aqua Monaco". Der biete etwa ein Tonicwater mit Kaffeegeschmack an, dassehr gut zu dem neuen Gin passe. Zum Probieren reicht der 52-Jährige seinen Gin dann auf Eis in klassischem Tonic. Bei der Zwei-Zentiliter-Dosis schmeckt man eine unaufdringliche, aber frische Zitrusnote heraus. Um die Chili zu spüren, müsse man den Gin pur trinken, sagt Huber.

Ob sich der "Wolf" an den Tresen durchsetzt, wird sich zeigen. Laut Huber haben schon "mehrere Gastronomen aus der näheren Umgebung" die schwarzen Flaschen geordert. Die kann man nicht nur im Laden kaufen, sondern bei "Bavaria Selection" auch online bestellen. "Der Vertrieb läuft an", sagt Huber. "Aber es soll schon wachsen." Und dann deutet er noch an, welchen Trend er sich für die Weihnachtszeit wünscht: Seine doppelwandigen Edelstahlbecher eigneten sich nicht nur, um Mixgetränke lange kühl zu halten, sagt Huber. Sie könnten auch Wärme speichern. "Glüh-Gin geht genauso."