bedeckt München
vgwortpixel

Neue Mission in Penzberg:Einbruch erwünscht

Wer das Schatzglas öffnen will, muss die Codes der Zahlenschlösser knacken. Das erfordert Teamgeist und Wissen.

(Foto: Privat)

Stadtbücherei bietet Schulklassen ein spannendes Lernprogramm an

Was gibt es Spannenderes, als sich mit Freunden in einen Raum einsperren zu lassen und gemeinsam in einem Wettlauf gegen die Zeit die Schlösser zu knacken - Rätsel zu lösen, Codes zu dechiffrieren, versteckte Spuren zu finden. So genannte "Escape Rooms" stehen bei Jugendlichen derzeit hoch im Kurs. Die Penzberger Stadtbücherei stellt das beliebte Konzept nun auf den Kopf und lädt Kinder zur "Mission Einbruch" ein. Im Mittelpunkt steht ein Schatzglas, das mit einer Verriegelungshaspe und fünf bunten Zahlenschlössern gesichert ist. Einbrecher mit guten Kenntnissen in Heimatkunde und Verkehrserziehung, so viel verrät Katrin Fügener schon vorab, dürften beim Öffnen der Schlösser klar im Vorteil sein.

"Wir lassen uns immer wieder etwas Neues einfallen, um für Kinder attraktive Lernangebote zu schaffen", sagt die Büchereileiterin. Das Konzept der "Escape Rooms" biete sich zur spielerischen Wissensvermittlung an, habe jedoch einen Haken: "Wir können die Kinder nicht in der Bücherei einsperren." Deshalb seien sie und ihre Kolleginnen begeistert gewesen, als sie bei einer Fortbildung das Modell "Break in" kennengelernt hätten. Neben der Wissensvermittlung gehe es darum, Kindern einen sinnvollen Umgang mit digitalen Medien nahezulegen und ihnen zugleich vor Augen zu führen, was alles in analogen Büchern steckt.

Neben Tablets bekommen die Rätsellöser UV-Lampen, Puzzles und spezielle Postkarten in die Hand. Sie scannen QR-Codes, um anschließend Aufgaben auf einer Lernplattform zu lösen, stöbern in einem Online-Lexikon nach Informationen oder machen Bücher in der Bibliothek ausfindig, um mit ihrer Hilfe die Codes der Zahlenschlösser zu knacken.

Bei der Auswahl der Themen haben sich Fügener und ihr Team mit Grundschullehrerinnen und -lehrern der Stadt Penzberg abgesprochen. Die Entscheidung fiel auf bayerische Heimatkunde und Verkehrssicherheit - zwei Themengebiete, die für Viertklässler von Bedeutung sind. "Bevor sie Proben schreiben und ihre Fahrradprüfung machen, können sie bei uns vorbei kommen und ihr Wissen vertiefen", erklärt Fügener. "Das , was man sich selbst erarbeitet hat, weiß man hinterher." Für die konkrete Aufgabenstellung und die zugehörigen Lösungen ist Stephanie Benckendorff verantwortlich.

Damit die Kinder ihre Mission in den angesetzten 90 Minuten erfüllen können, müssen sie in Teams zusammenarbeiten. Zehn Einbrecher-Sets stehen zur Verfügung. Zwei bis drei Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei sollen jeweils eine Klasse begleiten. Das Angebot richtet sich nicht nur an Penzberger Kinder und Lehrer, sondern an alle interessierten Schulen in der Umgebung.

Bleibt die Frage: Lohnt sich die Mühe? "Natürlich", sagt Fügener. Neben Süßigkeiten könnten im Schatzglas zum Beispiel Hausaufgaben-Gutscheine versteckt sein. Vor allem aber sei die Aktion als solche ein Gewinn. "Abgesehen von Spannung, Spaß und digitaler Kompetenz bringt sie den Kindern einen echten Wissenszuwachs." Zugleich sei das Konzept "hochgradig effizient und nachhaltig", da es auf nahezu jedes Thema angepasst werden könne. "Wir können Physik abfragen oder den französischen Subjonctif." Die Büchereileiterin hat bei der Vorbereitung auch selbst schon ein paar Dinge gelernt: "Welche bairischen Ausdrücke es für das Wort Bettdecke gibt und welches der dritthöchste Berg Bayerns ist." Die Auflösungen findet man im Internet - oder in der Penzberger Stadtbücherei.

© SZ vom 16.01.2020
Zur SZ-Startseite