Wenn alles gut geht, könnten im Mai kommenden Jahres die ersten Surfer in der Flößerstadt aufs Brett steigen. Dann soll die künstliche Welle an der Weidachmühle ihren Betrieb aufnehmen. "Das ist eine Riesenchance für Wolfratshausen, ein Pilotprojekt durchzusetzen", sagt Tourismusmanagerin Gisela Gleißl beim Ortstermin in Weidach. "Alle anderen Projekte in Deutschland sind noch nicht so weit wie wir." Stadtmanager Stefan Werner spricht von einer "einzigartigen Chance mit gigantischem Imagegewinn." Die Attraktion könne auch den Händlern in der Innenstadt zu Gute kommen, sagt er. "Ich habe auch schon von jungen Leuten gehört, dass sie in Wolfratshausen bleiben werden, wenn die Welle kommt."
Bis zur Inbetriebnahme der Surfwelle gibt es aber noch jede Menge zu tun. Bis zum 11. September müssen alle Genehmigungen und Unterlagen vorliegen, damit EU-Gelder fließen. Im März hat die europäische Leader-Aktionsgruppe einen Förderbeitrag in Höhe von 172 000 Euro gebilligt. Dem Gremium müssen innerhalb eines halben Jahres konkrete Pläne vorgelegt werden, die es wiederum mit der Stadt und der Kreisbehörde abzugleichen gilt. Denn bei den Plänen an der Weidachmühle handelt es sich formal auch um ein Bauprojekt. Insgesamt kostet das Vorhaben etwa 350 000 Euro. Zusätzlich muss der Verein selbst noch 60 000 Euro über Spenden beitragen.
Zum Ortstermin ist auch Sebastian Conrad gekommen. Der Bauingenieur arbeitet für die Münchner Firma RMD Consult, die auf Wasserbau spezialisiert ist. "Für die optimale Wellenform wird eine Betonkonstruktion sorgen, die sich verstellen lässt", sagt er. Im Gegensatz zum Eisbach in München könne man hier den Wasserspiegelunterschied nützen, um die künstliche Welle zu erzeugen. Der Zustieg wird von beiden Seiten möglich sein.

Auf einem großen Plan zeigt Conrad, wie der Bereich rund um die Surfwelle künftig aussehen soll. Neben Sitzgelegenheiten aus Blockstein wird es auch ein kleines Aufsichts- und Betriebsgebäude geben. Um seitlich wieder möglichst einfach aus dem Wasser zu kommen, werden Treppen aus Stein gebaut. Am Münchner Eisbach sei der Ausstieg deutlich schwerer. "Unsere Idee ist, dass das Wasser irgendwann so flach wird, dass man quasi auf einer Kiesbank strandet." Die Fließgeschwindigkeit werde immer langsamer. "Insgesamt müssen auch ein paar Bäume gefällt werden", sagt der Bauingenieur. Der natürliche Charakter werde aber erhalten bleiben. Tourismusmanagerin Gisela Geißl rechnet mit einer Bauzeit von etwa drei Monaten. Währenddessen muss das Kraftwerk abgestellt werden. Die Arbeiten sollen im Winter stattfinden.
Stefanie Kastner vom Verein "Surfing Wolfratshausen" erzählt, dass die Welle nicht permanent laufen werde. Während des Betriebs soll in dem kleinen Häuschen immer jemand vor Ort sein, der auch eine Wasserrettungsausbildung habe. Die jeweiligen Aufseher sollen mindestens ein Rettungsschwimmabzeichen in Silber vorweisen können. "Wir wollen das wie im Sportverein regeln und der Aufsichtsperson eine Aufwandsentschädigung zahlen", so Kastner. Außerdem sollen Schilder mit Gefahrenhinweisen und Benutzungsregeln angebracht werden. Anfänger sollen einen Helm tragen. Es gebe aber auch noch weitere Sicherheitsmaßnahmen. "Das Mindestalter bei Kindern liegt bei zwölf Jahren", sagt die Vereinssprecherin. Wer noch nicht volljährig ist, muss einen unterschriebenen Zettel der Eltern mitbringen oder eine Aufsichtsperson. Und es gibt noch eine andere Bedingung: "Der Betrieb soll so organisiert sein, dass jeder, der hier surft, auch Vereinsmitglied sein muss", sagt die Wolfratshauserin. Dann wären die Surfer auch über den Verein unfallversichert. Gerade sei man noch auf der Suche nach einer passenden Versicherung.
Für Touristen und Anfänger wird es aber auch Tagesmitgliedschaften geben. Angedacht ist, dass die Surfwelle vier Tage in der Woche betrieben wird. Genaue Uhrzeiten könne man aber noch nicht nennen. Ob man am Ort auch Surfbretter ausleihen kann, wird sich auch noch zeigen. "Wir werden zu Beginn wahrscheinlich ein paar Bretter für Einsteiger zur Verfügung stellen", so Kastner. Aber mehr könne der Verein in dieser Hinsicht wohl erst später leisten. "Ein Verleih wird sich wahrscheinlich erst mit der Zeit entwickeln." Das sei jetzt noch zu früh.
Stadtmanager Stefan Werner freut sich besonders über den langen Atem aller Beteiligten, die hinter der Surfwelle stehen. "Ich kann nur hoffen, dass wir das jetzt gemeinsam durchsetzen", sagt er. Wolfratshausens Zweiter Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) drückt es so aus: Das Zeitfenster sei zwar eng, aber das müsse jetzt klappen. Ähnlich optimistisch äußert sich Tourismusmanagerin Gisela Gleißl. Sie sagt: "Das macht das Projekt so toll, dass alle an einem Strang ziehen."