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Neubau der B 11:Pendler können aufatmen

Vito Troyli ist froh, dass bald alles vorbei ist. Manche Gäste blieben aus. Denen, die kamen, musste der Wirt erklären, warum die Straße gesperrt ist.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Bundesstraße wird wieder für den Verkehr freigegeben. Ein halbes Jahr war die Ortsdurchfahrt in Schäftlarn gesperrt - eine Belastungsprobe nicht nur für die Anwohner.

Großes Aufatmen in Schäftlarn, aber auch in Icking und Baierbrunn - und bei vielen Pendlern: Die Ortsdurchfahrt Hohenschäftlarn ist so gut wie fertig. Die Bundesstraße B 11 wird am Freitag offiziell wieder für den Verkehr freigegeben - wenn die letzten Arbeiten erledigt sind. Ein halbes Jahr, seit 17. Mai, war die Straße gesperrt, die täglich mehr als 11 000 Fahrzeuge nutzen. Das ausgebaute Stück ist nur einen Kilometer lang. Es ist nun schmäler, 6,50 Meter breit. Links und rechts gibt es einen Gehweg, auf dem man auch Rad fahren darf. Die Straße wurde von Grund auf neu aufgebaut. Auch die Entwässerung musste verbessert werden, dazu wurden elf große Sickerschächte in den Untergrund versenkt. Während zuvor an den Straßenseiten wild geparkt werden konnte, gibt es nun Parkbuchten. Dadurch seien einige Parkplätze weggefallen, sagt Bürgermeister Matthias Ruhdorfer (CSU). Die Kosten von 2,5 Millionen Euro trugen zu etwa zwei Dritteln der Bund und zu einem Drittel die Gemeinde Schäftlarn.

Die Sperrung zwischen der Hauptkreuzung in Hohenschäftlarn und dem Ortseingang von Baierbrunn stellte die Menschen auf eine harte Probe. Die Umleitungen waren sehr weiträumig, sie führten etwa über Grünwald und Egling oder über die Autobahn A 95 und München. Manche suchten sich lieber einen Weg über Rad- und Feldwege oder gleich durch den Acker. Dadurch und wegen der Verkehrsstaus im Isartal, die durch die Sperrung ausgelöst wurden, hatte auch die Polizei viel zu tun.

Schäftlarn Noch immer Ausnahmezustand
B11 in Schäftlarn

Noch immer Ausnahmezustand

An der gesperrten Bundesstraße bauen Fahrer die Gitter ab, um durch die Baustelle zu kommen. Andere rumpeln über den Acker. Immerhin wird die Straße nun asphaltiert.   Von Ingrid Hügenell

Zu Beginn der Bauarbeiten machten sich viele Geschäftsinhaber und vor allem Gastronomen Sorgen, ob ihre Kunden und Gäste weiterhin kommen würden. Einer der Hauptbetroffenen ist Benjamin Lercher, Pächter der Tankstelle in Hohenschäftlarn an der B 11. Lercher, der auch eine Tankstelle in Wolfratshausen betreibt, sagt nun erleichtert: "Optisch gefällt mir die Straße gut."

Vito Troyli freut sich vor allem. Er freue sich, dass bald alles vorbei ist, sagt der Inhaber des Lokals Il Brigante und des Hotels Schlee am Hohenschäftlarner Bahnhof. Vor allem freue er sich aber auf seine Stammgäste. "Manche habe ich seit sechs Monaten nicht gesehen", sagt der Italiener. "Das wird ein Riesenfest nächste Woche, wenn die alle wieder kommen können." Die vielen Stammgäste seien für ihn "ein großes Glück". Einige, vor allem die aus Pullach und Grünwald, hätten aber die weiten Umwege nicht gemacht. Die Umsatzeinbußen schätzt er auf zehn bis 15 Prozent, "nicht so schlimm", sagt er. Das Jammern liegt ihm nicht, lieber sieht er die Dinge positiv. Und er ist erleichtert, dass er bald nicht mehr beinahe jedem erklären muss, was warum an der Straße gemacht wird - und wie lange es dauert. "Jeder hat mich angesprochen", sagt der Wirt und klingt leicht erschöpft dabei.

Dauerthema war die Straßensperrung auch bei der Firma Linde in Höllriegelskreuth, wie Robert Schmid berichtet, der dort arbeitet. "Das ist bei uns immer noch Tagesgespräch", sagt er, jeder sei auf seinem Arbeitsweg betroffen. In Solln und Grünwald habe ständig Verkehrschaos geherrscht. Schmid stieg, so oft es ging, auf die S-Bahn um. Er hofft, dass tatsächlich am Freitag die Sperrung aufgehoben wird, die er ohnehin nicht mehr nachvollziehen könne. Schließlich sei die Straße fertig. In der Nähe der Hohenschäftlarner Hauptkreuzung wird allerdings tatsächlich noch gearbeitet, am Gehsteig und der Querungshilfe. Das Tempo, in dem die Bauarbeiten vorangingen, bezeichnet Schmid als "hanebüchen", das wäre auch viel schneller gegangen, meint er - Schmid ist selbst Bauingenieur. Er ist doppelt betroffen, denn er führt mit seiner Frau Karin das Hotel und den Gasthof Klostermaier in Icking. Der Betrieb habe etwa 15 Prozent weniger Belegung im Sommer gehabt. Für Geschäftsreisende aus Baierbrunn und den Orten nördlich davon sei der Umweg schlicht zu lang gewesen. Nur teilweise habe man den Ausfall durch Urlaubsgäste kompensieren können. Allerdings habe man auch niemanden entlassen müssen, anders als Karin Schmid befürchtet hatte.

Schmäler, mit Gehwegen auf beiden Seiten und Querungshilfen: Die Ortsdurchfahrt von Hohenschäftlarn ist fast fertig.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Auch Roman Schmoll musste auf Stammgäste verzichten - nämlich auf die aus Wolfratshausen und Geretsried. Schmoll und seine Partnerin Martina Kurucowa übernahmen kurz vor Sperrung der Straße den Gasthof zur Post in Baierbrunn, nachdem sie zuvor viele Jahre das Gasthaus zur Linde in Wolfratshausen und das Wirtshaus Pupplinger Au geführt hatten. Schmoll gehört zu denen, die von Umleitungen nicht viel halten, er sei deshalb "durch den Wald gefahren", wenn er nach Wolfratshausen wollte, erzählt er. "Schön ruhig" sei es im Gasthaus gewesen, sagt er ironisch, die Stammgäste seien eben nur ab und zu vorbei gekommen. "Aber wir haben's überlebt", sagt er. "Jetzt sind wir froh, dass es vorbei ist."

Süddeutsche Zeitung Bad Tölz-Wolfratshausen Die Vollsperrung der B 11 beginnt

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