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Naturschutz in der Region:Zum Wohl der Gelbbauchunke

Gefährdete Unke soll durch Artenschutzprojekt aufgepäppelt werden

Die seltene Gelbbauchunke ist nicht sehr groß - dafür aber besonders schützenswert.

(Foto: picture alliance / Peter Steffen)

Die Moore in Penzberg, Königsdorf und Bad Heilbrunn sollen kartiert werden. Die Grundeigentümer sind skeptisch.

Etwa 1160 Hektar ist das FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) "Moore um Penzberg" groß. Dazu gehören Flächen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ebenso wie Moore im Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau. Nach den Naturschutzrichtlinien der Europäischen Union (EU) soll für dieses Gebiet ein Managementplan aufgestellt werden, der die Vielfalt an naturnahen Lebensräumen sowie Tiere und Pflanzen dokumentiert. Das gilt auch für das Breitfilz auf Penzberger Flur. In dem Hochmoor gibt es seit Jahrzehnten die gleichnamige Schrebergarten-Siedlung. Das störe nicht weiter, sagt Matthias Hett von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Weilheim-Schongau. Da diese Teilfläche seit langer Zeit anders genutzt werde, denke er nicht, dass in der Anlage schützenswerte Arten vorkommen. Zudem genieße sie in seinen Augen Bestandsschutz.

In den nächsten beiden Jahren werden Experten die Moorflächen begehen. Sie suchen besonders schützenswerte Arten, etwa heimische Orchideen oder Gelbbauchunken. Ziel ist es allerdings nicht allein, Fauna und Flora zu kartieren, die Experten geben auch Empfehlungen ab, wie der Zustand von Lebensräumen wie dem Hochmoor verbessert werden kann. Diese Vorgaben sind allerdings nur für Flächen, die dem Freistaat gehören, verbindlich. Grundstückseigentümer müssen sich nicht daran halten - was nicht bedeutet, dass sie auf ihren Grundstücken im FFH-Gebiet alles dürfen. Denn es gilt das sogenannte Verschlechterungsverbot. Flächen, die laut Managementplan gute Noten bekommen, müssen erhalten bleiben. Zum Beispiel ist eine Entwässerung, die den Lebensraum verändern würde, verboten.

Das Misstrauen der Grundstückseigentümer ist nach wie vor groß. Vor allem Landwirte fürchten um ihre Betriebe. Das würde jüngst bei der Informationsveranstaltung im Tölzer Landratsamt deutlich, zu der die Naturschutzbehörden, die Ämter für Landwirtschaft und Forsten sowie die Regierung von Oberbayern gebeten hatte. Sie wollen mit solchen Veranstaltungen als "vertrauensbildende Maßnahme" größtmögliche Transparenz schaffen. Ganz gelang dies den Behördenvertretern jedoch nicht. Die Betroffenen möchten gerne dabei sein, wenn die Kartierer unterwegs sind. Laut Martin Bachmann vom regionalen Kartierungsteam habe man aber weder die Zeit noch die Möglichkeit, alle Grundstückeigentümer anzuschreiben. Organisatorisch sei dies wegen der großen Anzahl an Flächen nicht möglich. "Das schafft kein Vertrauen", erwiderte Landwirt Sebastian Seidl aus Königsdorf. "Es ist anscheinend nicht gewollt, dass wir dabei sind." Dies wollte Bachmann nicht so stehen lassen. Er sprach sich mit seinen Kollegen ab, im kommenden Jahr eine Art Musterkartierung im Feld anzubieten. So könne sich jeder Eigentümer informieren, wie die Kartierung vonstatten gehe.

Zu den "Mooren um Penzberg", die Teil des europaweiten Netzes Natura 2000 sind, gehören auch Auerfilz und Rossfilz in den Gemeinden Bad Heilbrunn und Königsdorf und das Breitfilz bei Penzberg. Letzteres ist ein wertvolles Hochmoor, das die Kartierer nun im Bestand erfassen wollen. Die Schrebergärten würden nicht untersucht, sagt Matthias Hett vom Landratsamt Weilheim-Schongau. Die Anlage darf nicht genutzt werden, seit die Stadt dies untersagt hat. Es geht in erster Linie um Brandschutz und Rettungswege. Penzberg möchte aber auch einen Bebauungsplan aufstellen, um die Gartenparzellen zu legalisieren. Allerdings soll die Anlage verkleinert werden - auch aus Gründen des Naturschutzes.