bedeckt München 17°
vgwortpixel

Naturschutz:Einmaliger Naturraum statt "Event-Arena"

Kanufahrer dürfen die südliche Isar künftig nur noch von Anfang Juni bis Mitte Oktober befahren.

(Foto: Manfred Neubauer)

Karl Probst, Vorsitzender des Vereins "Rettet die Isar jetzt", verteidigt die Verordnung für den Fluss. Im Interesse der Natur müssten sich alle zurücknehmen

Seit 18. April gilt eine Isarverordnung, die Regelungen für das Befahren des Flusses festlegt. Karl Probst erfüllt das mit "Genugtuung". Denn noch vor fünf Jahren habe der Verein "Rettet die Isar jetzt" allenthalben zu hören bekommen, eine Verordnung werde nie kommen, sagte der Vorsitzende bei der Jahreshauptversammlung. Dass es nun eine breite Unterstützung aller politischen Parteien für das Regelwerk gebe, sei erfreulich, sagte Probst.

In den vergangenen Jahren habe sich die Region vom "Bauernland zum Boomland" entwickelt, die Isar sei immer mehr zu einer "Event-Arena" verkommen. In der Verordnung sei nun vieles geregelt: Nachtfahrverbot, jahreszeitliche Beschränkung und ein Verbot von "Event-Sachen" wie Gumpenspringen.

Probst ist sicher, dass die Verordnung ihren Zweck erfüllt. Die Kritik, dass die Einhaltung schwer überwacht werden könne, lässt er nicht gelten: Der Landkreis habe die Zahl der Isarranger von sechs auf neun erhöht, zudem könne die Verordnung dazu beitragen, dass sich gewerbliche Anbieter quasi gegenseitig auf die Finger schauten.

Dass der bayerische Kanuverband die Isarverordnung als "populistisch" bezeichnet hat, weil sie am eigentlichen Problem des "Partyboot-Tourismus" vorbeigehe, aber Kanusportler durch eine Sperrung ab Mitte Oktober stark einschränke, weist Probst zurück. Man habe den Kanuten "eine goldene Brücke gebaut", weil das Befahren nördlich von Bad Tölz bis 31. Dezember erlaubt bleibe. Die Isar sei keine "natürliche Sportstätte", sondern ein einmaliger Naturraum. Probst appellierte an den Kanuverband, von einer erwogenen Klage abzusehen und stattdessen die Ergebnisse der FFH-Studie abzuwarten. "Da kann es sein, dass manches noch mal nachjustiert wird."

Im Interesse der Natur müssten sich alle zurücknehmen, erklärte Probst. Das gelte auch für die Fischer, die Kiesbänke nicht betreten dürften. Ein Einwand, der von einem Vertreter des Fischereiverbands zurückgewiesen wurde: Im Bereich der oberen Isar gebe es genau vier Fliegenfischer, Klagen von Vogelschützern habe es noch nie gegeben.

Probst kündigte an, "Rettet die Isar jetzt" in Richtung "Mitmach-Verein" entwickeln zu wollen und Potenziale der derzeit 260 Mitglieder etwa in den Bereichen Energie, Internet und Ökologie stärker zu nutzen. Er tritt für ein Befahrverbot der oberen Isar vom Sylvensteinspeicher bis Wallgau ein, weil in diesem Bereich durch die Ableitungen zu wenig Wasser sei. Mehr Restwasser und weniger Ableitung der oberen Isar zum Zweck der Energiegewinnung - das hat sich der Verein bei seiner Gründung im Jahr 1974 zum Ziel gesetzt.

Das kommende Jahr könnte eine Wende bringen, denn bis Ende September 2020 muss der Freistaat entscheiden, ob er die Verträge mit dem Energiekonzern Uniper, der das Walchenseekraftwerk betreibt, über das Jahr 2030 hinaus verlängert. Das Umweltministerium habe ihm schriftlich mitgeteilt, dass man den Vertrag eigentlich nicht fortschreiben wolle, sagte Probst. Das sei eine Chance, in Neuverhandlungen die Restwassersituation in Rissbach, Jachen und Isar zu verbessern. Auch wenn es neuerdings Gegenwind von Naturschützern gebe, die vor einer Verbuschung durch mehr Wasser warnen und Schnarrschnecke und Tamariske bedroht sehen.

Dass durch die Ableitung Ökostrom aus Wasserkraft erzeugt wird, befürwortet der Verein. "Wir sind niemals gegen das Walchenseekraftwerk", betonte Probst. Aber Ökostrom müsse ökologisch sein und die Wasserrahmenrichtlinie einhalten. Die obere Isar zwischen Sylvensteinsee und Wallgau ist die einzige Wildflusslandschaft in Deutschland, zwischen Sylvensteinspeicher und Bad Tölz ist die ökologischen Situation unbefriedigend. Grund ist der schlechte Zustand der Fischfauna. Wie Michael von Siemens in einer aktuellen Studie festgestellt hat, sind von 13 "Referenzarten" nur noch sieben übrig, Arten wie Barbe oder Nase seien völlig verschwunden. Um die Situation zu verbessern, seien 52 Einzelmaßnahmen nötig: Vor allem brauche es Verzweigungen und strukturierte Nebenarme, zudem müssten wärmere Flachwasserzonen und Rückzugsräume für Jungfische geschaffen werden, etwa durch das Einbringen von Totholz.

Einige dieser Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. Roland Kriegsch vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim nannte den Abschnitt Wegscheid/Anger und die Renaturierung an der Bibermühle als Beispiele. "Die Entfesselung der Isar" sei ein wichtiger Teil der Maßnahmen, die bis 2022 umgesetzt werden sollen, damit der Fluss das Ziel der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie erfüllt: einen "guten ökologischen Zustand" aufzuweisen.